Was uns davon abhält, produktiv zu sein

Von: kf
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Nicht immer sind wir produktiv. Michael Paulzen vom Zentrum für die psychische Gesundheit für Studierende weiß, was es mit dem Aufschieben auf sich hat.

Region. Aufgaben werden gerne hin- und hergeschoben. Doch gerade das erzeugt meist unnötigen Druck. Was man dagegen tun kann? Professionelle Unterstützung ist in den meisten Fällen die Lösung für das Problem.

Noch schnell eine Nachricht auf dem Smartphone tippen, bevor man mit der Hausarbeit anfängt. Noch einmal eben die beste Freundin anrufen und den nächsten Urlaub buchen, bevor man mit dem Lernen beginnt: Viele Menschen schieben Aufgaben gern vor sich her. Michael Paulzen, ärztlicher Leiter des ZPG – Zentrum für die psychische Gesundheit für Studierende, erklärt, warum das Aufschieben nur unnötigen Druck erzeugt – und im schlimmsten Fall sogar der Gesundheit schadet.

WirHier: Herr Paulzen, wieso schieben wir Aufgaben vor uns her?

Paulzen: Das Aufschieben von Aufgaben kann eine Vielzahl verschiedener Gründe haben, die von Person zu Person unterschiedlich sein können. Ein Ansatz, um das Aufschieben zu erklären, findet sich in der Lerntheorie menschlichen Verhaltens. So steuern Menschen ihr Verhalten in erster Linie anhand kurzfristig positiver Konsequenzen. Häufig lösen die aufgeschobenen Dinge eher negative Gefühle und Gedanken aus, so dass man sich mit dem Aufschieben diesen negativen Konsequenzen entziehen kann und stattdessen für kurzfristige positive Konsequenzen sorgt: Entlastung und Ausbleiben unangenehmer Gefühle und Gedanken.

WirHier: Wie viele Menschen sind von der „Aufschieberitis“ betroffen?

Paulzen: Jeder von uns kennt das Aufschieben von Aufgaben. Kritisch wird es erst dann, wenn sich durch das Aufschieben Probleme in relevanten Lebensbereichen ergeben (z. B. Aufschieben der Bearbeitung der Post, wodurch Rechnungen nicht bezahlt werden und beispielsweise im Extremfall der Strom abgestellt wird). Es lässt sich schwer schätzen, wie hoch die Anzahl betroffener Personen ist. Bestimmt kennt aber jeder von uns jemanden, der in mehr oder minder starkem Ausmaß von „Aufschieberitis“ betroffen ist.

WirHier: Hat die ewige Prokrastination Auswirkungen auf die Gesundheit?

Paulzen: Während die kurzfristigen positiven Folgen des Aufschiebens das Verhalten aufrechterhalten, können die langfristig negativen Folgen dieses Verhaltens negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Der Teufelskreis aus Schuldgefühlen, Scham und steigendem psychischen Druck in Verbindung mit weiterem Aufschieben, kann unter Umständen bis zu Depressionen und Angststörungen führen.

WirHier: Was hilft gegen das Aufschieben?

Paulzen: Zunächst ist es wichtig herauszufinden, welches die individuellen Auslöser und aufrechterhaltenden Bedingungen des Aufschiebens sind. Wenn sich die Problematik bereits derart festgefahren hat, dass der Betroffene selbst nicht aus der Spirale des sogenannten dysfunktionalen Verhaltens herauskommt, ist es ratsam, sich professionelle Unterstützung in Form von psychotherapeutischer Beratung oder Therapie zu holen, um Strategien zum Umgang mit dem problematischen Verhalten zu erarbeiten.

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