Aachen/New York - Uni-Wechsel: Zwei für einen

Uni-Wechsel: Zwei für einen

Von: Katharina Menne
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Einmal um die halbe Welt: Mary beim Abschieds-BBQ.
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Einmal um die halbe Welt: Alex Luehm und Mary Sanford auf dem RWTH-Campus.
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Einmal um die halbe Welt: Alex in Monschau
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Einmal um die halbe Welt: Tim Eschert an einem Strand in der Nähe von New York.

Aachen/New York. Deutschland, das Land der Träume eines Amerikaners? Das ist vielleicht eher ungewöhnlich. Doch Alex Luehm ist fasziniert vom Land der Dichter und Denker. „Ich komme aus einem sehr kleinen Dorf in Nebraska und wir hatten immer deutsche Austauschschüler in der Klasse. Das hat meine Liebe zur deutschen Sprache und Kultur entfacht“, sagt der 22-Jährige.

Alex studiert an der Iowa State University Technische Informatik. Als die Zusage für die Summer School in Aachen kam, sagte er sogar ein Praktikum bei Microsoft ab. „Ich war zwar schon einige Male zu Besuch in Deutschland, aber ich habe noch nie richtig hier gelebt. Das hat mich gereizt“, sagt er.

Mit der zehnwöchigen Research Summer School aus dem „Undergraduate Research Opportunities Program“ (UROP) lockt die RWTH Studenten von nordamerikanischen Universitäten nach Aachen und pflegt den internationalen Austausch. Zusätzlich zu einem wissenschaftlichen Projekt in den Laboren der Aachener Uni werden Ausflüge organisiert und sogar ein Deutschkurs ist Pflicht.

UROP gibt es seit knapp zehn Jahren. „Es ist unser Fuß in der Tür der nordamerikanischen Universitäten“, sagt Henriette Finsterbusch. Die Leiterin des International Office der RWTH ist stolz auf das Programm: Es werde sehr gut angenommen. „Nicht nur die Gast-Studenten fahren mit wertvollen Erfahrungen nach Hause, auch die Professoren sind immer wieder begeistert von den motivierten, jungen Leuten, die mit kreativen Ideen hierher kommen“, sagt sie.

Die Konditionen werden mit jeder amerikanischen Universität einzeln verhandelt. Für zwei Studenten, die in Aachen an der Summer School teilnehmen, darf meist ein Aachener Student für ein Semester in die USA.

In diesem Jahr haben 10 Kanadier und 38 US-Amerikaner von Ende Mai bis Ende Juli die Kaiserstadt besucht. Gemäß des Schwerpunkts der RWTH seien darunter zwar viele Ingenieure und Naturwissenschaftler, doch ab und zu verirre sich auch mal ein Geisteswissenschaftler in die Summer School.

Mary Sanford zum Beispiel beschäftigt sich eher mit gesellschaftspolitischen Themen. Sie studiert Kognitionswissenschaften und Mathematik an der University of Pennsylvania in Philadelphia – eine Mischung aus Psychologie, Informatik, Neurowissenschaften und Mathe.

In Aachen wirkte sie an einem Projekt im Bereich Datenschutz und Cloud Computing am Informatikinstitut mit. Eine echte Herausforderung: „Ich musste ganz neue Programmiersprachen kennenlernen, aber meine Kollegen haben mir dabei sehr geholfen“, sagt sie.

Neben ihrer Arbeitsgruppe haben es ihr auch die Aachener Altstadt, der Lousberg und die Umgebung angetan. „Ich liebe die Stadt und die intellektuelle und internationale Atmosphäre hier“, sagt die 20-Jährige. Am meisten aber habe ihr imponiert, wie die Menschen hier an ihre Arbeit und ihr Studium herangehen. „Sie nehmen ihre Arbeit ernst, schaffen es aber daneben noch, zu leben. Den meisten Studenten scheint ihr Studium wirklich Spaß zu machen“, sagt sie. In den USA würden viele nur nach Karriere streben und das Leben daneben vergessen.

Tim Eschert gehört zu den Aachener Studenten, die von dem Programm profitieren – er durfte für einen Auslandsaufenthalt nach Amerika gehen. Der 23-Jährige studiert Wirtschaftsingenieurwissenschaften in Aachen und hat letztes Jahr seine Bachelorarbeit an der Columbia University (CU) in New York geschrieben.

Dort beschäftigte er sich mit robotischen Systemen. Tim genoss dort vor allem das bunte Leben in der Weltstadt und die Möglichkeiten, die eine so reiche Universität wie die CU bieten. Alles, was er an Hardware für seine Arbeit brauchte, sei ohne große Nachfrage angeschafft worden – egal wie teuer.

„Die haben überhaupt ein ganz anderes System in den Staaten“, sagt er. Die Unis sind nicht nur reicher, auch der Betreuungsschlüssel ist anders. Während an der RWTH rund 540 Professoren auf etwa 43.000 Studenten kommen, beschäftigt die CU 3800 Professoren für knapp 30.000 Studenten. Womöglich ist das Studentenleben in den USA deshalb stressiger als in Deutschland – man steht dort mehr unter Beobachtung.

Anders dagegen in New York selbst. „Dort ist keiner wie der andere, niemand fällt auf – es ist wirklich alles möglich“, sagt Tim. Aber New York sei auch die Hauptstadt des Egoismus und der Schnelllebigkeit. „Jeder dort ist zuerst auf sein eigenes Wohl bedacht. Das ist schon anstrengend auf Dauer.“

Alex Luehms Liebe zu Deutschland hat der Aufenthalt in Aachen noch verstärkt. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, hier irgendwann einmal zu leben“, sagt er. Seit etwa einem Jahr ist Deutsch auch sein zweites Hauptfach an der Universität. Da es verständlicherweise wenige Überschneidungen mit den Informatik-Vorlesungen gibt, nimmt er in Kauf, ein Semester länger zu studieren. „Aber das ist es mir wert“, sagt er und plant bereits jetzt den nächsten Aufenthalt im Land seiner Träume.

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