Studierendenparlament: Sie machen einen Job, der „unsexy klingt“

Von: Jessica Küppers
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Vertreter der Aachener Studenten: David Beumers (l.) ist stellvertretender Asta-Vorsitzender und Johannes Schäfer hat die Präsidentschaft des Studierendenparlaments übernommen. Foto: J. Küppers

Region. „Wenn man ganz ehrlich ist, schlittert man da rein“, sagt Johannes Schäfer. Der 25-jährige Informatikstudent aus Aachen ist kürzlich zum Präsident des Studierendenparlaments (SP) an der RWTH gewählt worden.

Geplant hatte er das vorher nicht. Ebenso wenig wie der 26-jährige David Beumers, der Wirtschaftsingenieurwesen studiert und seit Kurzem zum stellvertretenden Asta-Vorsitz gewählt worden ist. Beide gehören der Grünen Hochschulgruppe an.

Seitdem haben die Studenten einen vollen Terminkalender: Sitzungen bis tief in die Nacht, Veranstaltungen, Papierkram. Auch wenn das „ziemlich unsexy klingt“, wie Schäfer sagt, sind sie motiviert. Sie wollen viel bewegen und sich für die Interessen der Aachener Studenten einsetzen – auch wenn das Studierendenparlament bislang bei den meisten nicht auf besonders großes Interesse stößt.

Die Wahlbeteiligung lag zuletzt bei 15,4 Prozent. „Das ist für NRW noch gut“, sagt Schäfer. Dennoch wollen sie sich nicht auf diesem Ergebnis ausruhen. „Da haben wir großen Nachholbedarf“, sagt Beumers.

Dass von den rund 44000 Studenten in Aachen nur knapp ein Sechstel das Parlament wählt, habe zwei Gründe: „Es gibt diejenigen, die nicht wissen, dass es sowas gibt“, sagt er, „und diejenigen, die das Studierendenparlament zwar kennen, sich aber trotzdem nicht dafür interessieren“.

Wer kein Beratungsangebot brauche und nicht zu den Veranstaltungen des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) gehe, komme als Student ganz gut um die beiden Institutionen herum. So sei es auch vier Jahre lang bei Beumers gewesen, bis er vor zwei Jahren begonnen habe, sich für die Hochschulpolitik zu interessieren und die Zusammenhänge zu verstehen.

„Der Asta ist quasi die Regierung und das Parlament entscheidet“, sagt der SP-Präsident. Konkret heißt das: Das SP wählt den Asta, legt den Haushalt fest und gibt Finanzhilfen. Welchen Einfluss das Studierendenparlament bei wichtigen Entscheidungen über Geldsummen in Millionenhöhe – zum Beispiel für das Semesterticket – hat, ist den beiden Neulingen erst zum Ende ihres Studiums klar geworden.

Im Rahmen der strengen Vorgaben sei es auch möglich, eigene Projekte anzustoßen und umzusetzen, sagt Beumers. Als stellvertretender Vorsitzender des Asta kümmert er sich zum Beispiel um die „Erinnerungskultur“, weil die NS-Vergangenheit der damaligen Aachener Studenten seitens der Hochschule bisher nicht aufgearbeitet worden sei.

Wer hat den Nationalsozialismus unterstützt? Welche Gegenbewegungen gab es in Aachen? „Das sind ja quasi wir vor 70 Jahren“, sagt der 26-Jährige und deshalb liegt es ihm besonders am Herzen.

In gemischten Teams sollen die Studenten Informationen über die Rolle der Aachener Studenten während der NS-Zeit einholen und wissenschaftlich untersuchen. Dafür haben sie ein Jahr Zeit. Anschließend sollen die Ergebnisse in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Wie bei vielen anderen Projekten hat auch in diesem Fall das SP einen Auftrag an den Asta erteilt, der dieses Thema koordiniert und in die Tat umsetzt. Ähnlich funktioniert es auch, wenn Entscheidungen über die Finanzierung zu treffen sind oder ein neuer Radweg auf dem Campus entstehen soll. Andersherum ist der Asta behilflich, wenn ein Student einen Antrag an das Studierendenparlament stellen will. „Der Asta ist die erste Anlaufstelle für Studierende“, sagt Schäfer.

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