Scapsis bringt den „Girlsrap“ wieder zurück

Von: Katharina Menne
Letzte Aktualisierung:
Scapsis
Die Rapperin Sofia Eleftheriadou, alias Scapsis, hat am 1. November ihr erstes Album "Old School" veröffentlicht.

Aachen/Heinsberg. Es ist erstaunlich, dass sie noch keinen Knoten in der Zunge hat. Wahnsinnig schnell sprudeln die Wörter aus ihrem Mund. „Scap-, Scap-, Scapsis, breite mich aus wie Sepsis. Bring den Girlsrap wieder zurück, Schwester S, Tic Tac Toe, was war ich von euch entzückt“, rappt Sofia Eleftheriadou, alias Scapsis, in ihrer aktuellen Single „Old School“.

Auf ihrem ersten Album, das am 1. November erschienen ist, verarbeitet die 31-jährige Heinsbergerin mit griechischen Wurzeln persönliche Erlebnisse und Erfahrungen – unter anderem auch den Tod ihres Vaters. Dass sie als Frau in einer Männerdomäne Fuß fassen möchte, schreckt sie dabei kein bisschen. Sie sieht darin eher ihr Potential.

Wie ist es für dich, dich selbst zu hören?

Sehr gut. Viele finden es ja komisch sich selbst zu hören. Aber ich habe mich an meine Stimme gewöhnt in den letzten sechs Monaten. Es ist ein super Gefühl. Und dann das Endergebnis zu hören, macht mich einfach nur glücklich und stolz.

Dein Song „Old School“ erinnert ja tatsächlich ein bisschen an Tic Tac Toe. Ist das gewollt?

Tic Tac Toe war die erste und auch erfolgreichste deutsche Girl-Rap-Group, wenn ich mich nicht täusche. Und ich war damals zwar noch sehr jung, aber ich fand die toll. Die haben mich inspiriert mit ihrer ehrlichen Art und damit, dass sie auch krasse Themen angesprochen haben. Die waren ja nicht nur „Ich find dich Scheiße“, sondern haben auch über Vergewaltigungen und über politische Themen gerappt – so wie ihnen der Mund gewachsen war. So bin auch zu meinen Texten gekommen. Bei meinen ersten Gehversuchen wurde ich auch immer sofort mit Tic Tac Toe oder mit Sabrina Setlur verglichen – mehr gab‘s damals auch einfach nicht. Und selbst heute gibt es nicht viele weibliche Rapperinnen.

Du stellst dich in dem Song deinem Publikum vor. Und man merkt, du bist gar nicht so sehr auf Provokation aus wie andere Rapper, oder irre ich mich da?

Ja, genau. Ich hebe mich von meiner Konkurrenz gerade dadurch ab, dass ich nicht beleidige und provoziere. Deshalb sagen mir auch viele, dass sie meine Musik gut finden, obwohl sie normalerweise niemals Rap hören würden.

Wie würdest du dich und deine Musik denn beschreiben?

Ich drücke mich so aus, wie ich auch privat bin – authentisch. Ich versuche, mich nicht zu verbiegen. Ich bin sehr anständig und muss nicht versuchen, jemanden darzustellen, der ich nicht bin. Ich benutze auch keine Fäkalsprache.

Mir ist das Wort „Sepsis“ aufgefallen. Das ist ja ein Fremdwort, das nicht jeder kennt. Richtest du deine Texte eher an ein gebildetes Publikum?

Nein, eigentlich gar nicht. Mir geht es in dem Song einfach darum, dass ich mich gerne ausbreiten will und dafür habe ich ein passendes Reimwort gesucht. Wenn es nicht alle sofort begreifen, ist das nicht schlimm.

Woher kommt dein Künstlername?

Vorher habe ich mich immer nur Sofia genannt. Aber als es um das Lied für meinen Vater ging, wollte ich das unter einem schönen Namen veröffentlichen. Da habe ich mich gefragt, wer ich eigentlich bin, was mich ausmacht, und da fiel mir das Wort „Skepsis“ ein. Und dann haben viele gesagt: „Ja, Capsis, das passt zu dir!“ – denn meine Kappe ist mein Markenzeichen. Daraufhin bin ich dann auf die Idee mit der anderen Schreibweise gekommen.

Das heißt, du legst deine Kappe nur zum Schlafen ab?

Und zum Duschen auch, ja. (lacht)

Wie kam es denn plötzlich zu der Idee, ein ganzes Album aufzunehmen?

Angefangen hat alles damit, dass ich einen Song für meinen Vater aufnehmen wollte. Der ist kürzlich verstorben und der Song „Narbe im Gesicht“ war für mich eine Art Trauerbewältigung. Währenddessen habe ich gemerkt, dass mich die Musik tatsächlich aus meinem Tief rausgeholt hat. Und dann habe ich gedacht: Sofia, du hast noch so schöne Texte. Texte, die dir am Herzen liegen, die dir etwas bedeuten. Mach doch eine EP – nur für dich. Ich habe dabei gar nicht an ein bestimmtes Publikum gedacht. Und die Reaktionen auf die erste Single waren echt überwältigend. Quer durch alle Altersgruppen haben die Leute mir Mut gemacht.

Der Text von „Narbe im Gesicht“ ist sehr persönlich. Du machst dich dadurch angreifbar. Wie gehst du damit um?

Ich frage mich schon manchmal, wie ich damit umgehen würde. Und ich muss davon ausgehen, dass es passieren kann und auch passiert, dass mich Leute anfeinden – es gibt solche Menschen, die einfach nur darauf aus sind, zu kritisieren. Nur ich weiß, für wen ich es gemacht habe, mit wie viel Liebe und wie ich mein letztes Geld zusammengekratzt habe, um mir diesen Wunsch zu erfüllen. Wenn ich vor Kritik und bösen Kommentaren wirklich Angst hätte, hätte ich nicht an die Öffentlichkeit gehen dürfen.

Wovon handelte dein erster Song, falls du dich noch daran erinnern kannst?

Oh, ich habe schon sehr früh angefangen zu texten. Früher habe ich versucht auf Englisch Songs zu schreiben, aber Deutsch beherrsche ich einfach besser. Griechisch klappt auch nicht so gut. Aber ein Traum wäre, mal einen Song auf Französisch zu schreiben – das klingt echt toll.

Hast du musikalische Vorbilder?

Nein, eigentlich nicht. Ich mache da wirklich mein ganz eigenes Ding. Deshalb habe ich selbst vor einem Justin Bieber oder einer Helene Fischer Respekt – obwohl ich selbst ganz andere Musik mache. Ich bin tatsächlich ein echtes Kind der 90er. Celine Dion, Mariah Carey, George Michael, … Ich war auch ein totaler Boygroup-Fan, vor allem von Take That.

Es gibt in Deutschland und überhaupt auf der Welt nur sehr wenige rappende Frauen. Wie geht es dir in dieser Männer-Domäne?

Ich denke, dass man als Mädchen durch diese Männerdominanz sehr gehemmt ist – völlig unbegründet aus meiner Sicht. Ich mache einfach das, was ich möchte und was mich glücklich macht. Und das würde ich auch anderen raten, die gerne rappen. Macht euer Ding und denkt nicht darüber nach, was andere dazu sagen.

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