Rollenspiel: Drei Tage lang diskutieren bis zum Umfallen

Von: Katharina Menne
Letzte Aktualisierung:
13554413.jpg
Kevin Shimwa (3.v.l.) und Tobias Paulus (4.v.r.) üben zusammen mit dem KarlMUN-Team schon mal die Merkel-Raute. Foto: MUN Aachen

Aachen. Reden, reden, reden – das ist bekanntlich Alltag in der Politik. Ob im Landesparlament oder in internationalen Gremien: Politiker müssen sich austauschen, Streitgespräche führen und manchmal diskutieren sie bis zum Umfallen. Was aber, wenn man in solchen Diskussionen in eine Rolle schlüpfen muss und nicht die eigene Meinung vertritt, sondern die eines Staatschefs oder einer anderen Person des Weltgeschehens? Für die über 100 jungen Leute, die an diesem Wochenende in Aachen die Generalversammlung und den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nachspielen, ist gerade das die besondere Herausforderung.

Die Aachener Variante der auf der ganzen Welt verbreiteten „Model United Nations“-Konferenzen (MUN), findet zum ersten Mal unter dem Namen KarlMUN in der Kaiserstadt statt. Die meist studentischen Teilnehmer diskutieren drei Tage lang über aktuelle politische Themen wie die Bekämpfung der Drogenkriminalität oder den Streit um die Hoheit im Chinesischen Meer.

Anzug oder Blazer sind Vorschrift

Mit dabei sind auch Tobias Paulus und Kevin Shimwa. Zusammen mit 13 anderen Aachener Studenten gehören sie zum Organisationsteam von KarlMUN. Seit April haben sie sich darum gekümmert, das Mammut-Projekt auf die Beine zu stellen und bis ins letzte Detail zu planen. Sie haben eine Website gestaltet, sich ein eigenes Konzept überlegt, ein buntes Rahmenprogramm zusammengestellt und kräftig die Werbetrommel gerührt. Sie haben sogar einen Verein gegründet, den Model United Nations Aachen e.V.

Was nach einem Rollenspiel klingt, ist auch eins. Jeder der Teilnehmer muss sich vorher intensiv mit der politischen Position des ihm vorher zugeteilten Landes auseinandersetzen. Alles soll gut recherchiert und so realistisch wie möglich sein. Deshalb gelten auch die gleichen Diskussionsregeln wie bei echten UN-Konferenzen – und auch eine Kleiderordnung: Anzug für die Männer und Blazer für die Frauen sind vorgeschrieben.

Doch genau das macht für Tobias Paulus den besonderen Reiz aus. „Es ist natürlich in gewisser Weise eine Verkleidung, aber nur so kann man sich auch richtig in seine Rolle hineinversetzen“, sagt der 21-Jährige. „Ganz so stocksteif wie im Original ist es bei uns aber nicht – wir sind da etwas lockerer“, schiebt er direkt hinterher und lacht. Tobias Paulus und Kevin Shimwa studieren beide Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau an der RWTH.

Die Sichtweise anderer verstehen

Was aber fasziniert junge Menschen an der Idee, eine United-Nations-Konferenz zu simulieren? „Ich finde es interessant, mich mit der Sichtweise anderer auseinanderzusetzen und sogar in ihrem ‚Namen‘ gewisse Standpunkte zu vertreten“, sagt Kevin Shimwa. Er ist erst 19, aber Feuer und Flamme für das Projekt. „Man bekommt ein Verständnis für die Funktionsweise der Vereinten Nationen – einer Institution, von der viele meiner Generation nicht wissen, was genau dort eigentlich passiert.“

Shimwa findet es schade, dass sich nur so wenige junge Leute politisch engagieren. „Nur wenn man sich mit Politik beschäftigt, kann man die politische Landschaft aktiv mitgestalten und selbst Einfluss darauf nehmen, wie unsere Zukunft wird“, sagt er.

Für Paulus, der sogar zu den Gründungsmitgliedern von KarlMUN gehört, ist es vor allem der Gegensatz zu seinem technischen Studium, der ihn zu seinem politischen Engagement gebracht hat. „Wir haben hier in Aachen alle so wenig mit politischen Themen in unserem Studium zu tun, dass KarlMUN einfach ein willkommener Ausgleich ist.“ Gerade diese Interdisziplinarität mache den Unterschied.

Inhalte, statt Parteiarbeit

Aber warum engagieren er und seine Mitstreiter sich dann nicht in der realen Politik? Für Tobias Paulus ist die Sache klar: „Ich glaube, junge Leute haben viel Lust auf Inhalte, aber nicht unbedingt auf Parteiarbeit.“ Er hat in der Vergangenheit bereits bei „Jugend debattiert“ mitgemacht und während seines Auslandssemesters in England an mehreren MUN-Konferenzen teilgenommen, weil er etwas bewegen möchte – und weil er einfach gerne diskutiert, „am liebsten bis zum Umfallen“.

Leserkommentare

Leserkommentare (17)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert