Pokémon Go: Technik verlässt die „Nerd“-Nische

Von: Jessica Küppers
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FILE - epa05427920 A gamer displays the Pokemon video game on a Game Boy (L) and the Pokemon Go app on a smartphone (R), during a Pokemon Go walk at the Stephansplatz in Vienna, Austria, 16 July 2016. The game, that uses the GPS to locate the smartphone's location, has gained a huge popularity among smartphone users and added to the value of Nintendo that partly owns the franchise enterprise that makes Pokemon. EPA/CHRISTIAN BRUNA (zu dpa:"«Pokémon»-Fieber zwingt Nintendo in eine neue Realität" vom 18.07.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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epa03793550 A visitor dressed up as computer game icon Mario rides a kart at Walibi Holland theme park in Biddinghuizen, the Netherlands, 19 July 2013, during the start of the two-day event 'Game On!'. Visitors get free entrance to the amusement park if they are dressed up like a game icon. EPA/LEX VAN LIESHOUT +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Gibt es die perfekte Ausbildung, um sich auf einen Job in der Spieleindustrie vorzubereiten? Kobbelt: Es gibt viele Wege in die Spieleindustrie, manchmal sogar ganz ohne eine formale Ausbildung. Man sollte aber nicht vergessen, dass man vielleicht nic

Region. Der Hype um das Smartphone-Spiel Pokémon Go hält an. Prof. Leif Kobbelt von der RWTH Aachen erklärt, warum das Spiel so erfolgreich ist und wie ein Game aussehen muss, damit es funktioniert.

WirHier: Herr Kobbelt, in der ganzen Region werden öffentliche Plätze plötzlich von Jugendlichen belagert, die auf der Jagd nach digitalen Monstern sind. Wie erklären Sie sich diesen Pokémon-Hype?

Leif Kobbelt: Es handelt sich um ein sehr einfaches Spielkonzept, bei dem man schnell erste Erfolge erleben kann ohne viel üben zu müssen. Außerdem adressiert es menschliche Grundbedürfnisse – nämlich das Suchen und Sammeln und natürlich den Wettkampf. Pokémon gibt es seit 20 Jahren und daher kennen viele die Spiele und Filme von früher und können diesen „Kult“ jetzt unter neuen technischen Gegebenheiten wieder aufleben lassen. Die Bekanntheit der Pokémon ist der Schlüssel zum Erfolg. Täglich werden Hunderte neue Smartphone-Spiele auf den Markt gebracht, aber nur wenige sind wirklich erfolgreich, weil die meisten Leute nichts davon erfahren.

WirHier: Sie haben selbst auch schon ein paar Pokémon gefangen. Was gefällt Ihnen an dem Spiel?

Leif Kobbelt : Ja, aus Sicht des Computergrafikers finde ich natürlich das Spielkonzept, bei dem virtuelle Monster sich in der realen Welt bewegen, besonders reizvoll. Tatsächlich gibt es diese „Augmented Reality“-Techniken bereits seit einer Weile. Wir selbst haben vor ein paar Jahren auch auf diesem Gebiet geforscht. Mit Pokémon Go verlässt diese Technik nun die „Nerd“-Nische und trifft auf den Massenmarkt. Es wird spannend sein zu sehen, wie lange das Interesse der breiten Öffentlichkeit auf dem aktuellen Niveau bleibt.

WirHier: Hand auf‘s Herz: Ist der Erfolg eher der Einfachheit des Spiels geschuldet oder liegt es eher daran, dass dadurch nostalgische Gefühle aus der Kindheit geweckt werden?

Leif Kobbelt : Beides. Pokémon Go ist ein virtueller Tour-Guide, Fitness-Programm, Tamagotchi und Soziales Netzwerk in einem. Spielideen, die früher schon gut funktioniert haben, werden mit aktuellen Kommunikationsformen kombiniert. Kein Wunder, dass man damit viele Nutzer begeistert.

WirHier: Ist diese Kombination also das Geheimrezept für erfolgreiche Spiele? Oder wie muss ein gutes Spiel grundsätzlich aussehen, damit es funktioniert?

Leif Kobbelt : Wenn ich das wüsste, wäre ich reich (lacht). Klar ist allerdings, dass der Spielspaß am Ende viel wichtiger ist als die grafischen Effekte – und das sage ich als Computergrafiker! Die Tatsache, dass die „Taschenmonster“ lustig und süß aussehen, trägt sicher seinen Teil zum Erfolg bei. Als Spieleentwickler muss man immer eine gute Balance halten zwischen dem Schwierigkeitsgrad der Aufgabe und der Zeitspanne bis zum nächsten Erfolgserlebnis.

WirHier: Computerspiele werden in der öffentlichen Wahrnehmung häufig als „Jungszeug“ abgestempelt. Bei Pokémon Go scheint das anders zu sein: Ganze Mädchengruppen gehen auf Pokémon-Jagd, viele Paare sind unterwegs. Warum sind Frauen und Männer gleichermaßen fasziniert von dem Spiel?

Leif Kobbelt : Warum sollten sie das nicht sein? Bestimmte Spiel-Genres mögen bei Männern oder Frauen beliebter sein, aber bei solchen einfachen Such- und Sammelspielen haben alle gleich viel Spass.

WirHier: Was kommt nach dem Pokémon-Hype? Wäre das Konzept zum Beispiel auch für Mario Kart im realen Straßenverkehr denkbar? Im Internet kursieren schon erste Fan-Videos.

Leif Kobbelt : Hoffentlich nicht, denn das wäre wohl zu gefährlich! Man liest und hört ja schon jetzt, was den Pokémon-Spielern so alles passiert. Und die sind nur zu Fuß unterwegs! Es ist aber abzusehen, dass wir in Zukunft immer öfter Spiele dieser Art sehen werden. Die Verwendung der realen Umgebung als Spielfeld bietet eine Vielzahl von neuen Interaktionsmöglichkeiten. Auch „ernsthaftere“ Anwendungen sind denkbar, von der Stadtplanung über Kunstprojekte bis hin zum Shopping-Guide.

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