Ordonnanz: Eine Narrensitzung hinter den Kulissen

Von: Annika Kasties
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Bei einer Narrensitzung kommt die Ordonnanz ganz schön ins Schwitzen: Seit vier Jahren gehört Timo Wings dazu. Foto: Annika Kasties

Eschweiler. Die Narrensitzung der KG Narrengarde Dürwiß sieht Timo nur von der Seitenlinie. Als Mitglied der Ordonnanz gehört er zu den Helfern hinter der Bühne – und kommt dabei ganz schön ins Schwitzen.

Es sind rote Papierfetzen, die Timo Wings für kurze Zeit die Schweißtropfen auf die Stirn treiben. Für die rund 400 Zuschauer in der Festhalle Dürwiß ist die Konfettisalve der gelungene Abschluss des Auftritts der Kölner Formation „Funky Marys“. Für Timo ist sie vor allem eins: ungeplant. Schließlich gehört die Bühne laut Programm nur wenige Momente später der nächsten Tanzgruppe – und die 56 Tänzer der „Sandhasen Oberlar“ dürfen auf keinen Fall auf den Fetzen ausrutschen.

Wenn Timo die Narrensitzung der Eschweiler Karnevalsgesellschaft (KG) Narrengarde Dürwiß besucht, dann unterscheidet sich seine Perspektive deutlich von dem, was die Gäste auf der Bühne beobachten. Statt durch die Luft wirbelnder Tanzmariechen und Büttenredner sieht er vor allem Hinterköpfe. Der 19-Jährige gehört zur Ordonnanz seines Vereins, den „kleinen Helfern hinter der Bühne“. Zusammen mit neun weiteren, überwiegend jungen, Männern verfolgt er ein Ziel: so wenig wie möglich aufzufallen. Denn wenn die Zuschauer von der Ordonnanz nichts mitkriegen, dann hat sie ihren Job erfüllt. Dann stand das Mikrofon am richtigen Platz, dann hatte Präsident Patrick Nowicki zur richtigen Zeit einen Blumenstrauß zur Hand und dann wurden der Elferrat und die Tänzer mit Getränken versorgt.

Es ist 22 Uhr, und Timo tritt seine Schicht an. Für die kommenden zweieinhalb Stunden liegt sein „Büro“ rechts neben der Bühne. Gelb-weiße Wände trennen den Bereich ab. Knapp fünf Quadratmeter, das muss reichen. Für zwei Kühlschränke – der blaue für Pils, der weiße für Kölsch –, für Besen, Wischmob, Blumensträuße und jede Menge Kästen für Wasser und andere Softdrinks. An einer Wand hängen zwei Zettel: das Programm der Narrensitzung, inklusive Anmerkungen, wann Mikrofone, Getränke und Blumensträuße benötigt werden, und der Schichtplan der Ordonnanz.

Sechs Wochen Vorbereitung

An letzterem hat Timo selbst mit gefeilt. Gemeinsam mit David Wagner, dem eigentlichen Chef der Ordonnanz, ist er seit einem Jahr Ansprechpartner für den Vorstand und damit für den reibungslosen Ablauf hinter der Bühne mitverantwortlich. Bevor er vor vier Jahren der Ordonnanz beitrat, sei ihm gar nicht bewusst gewesen, wie viel Arbeit das sei, sagt Timo. Knapp sechs Wochen vor der eigentlichen Narrensitzung beginnen die Vorbereitungen, zumindest was den Einsatz der Ordonnanz angeht. Das Programm der Sitzung stellt der Präsident lange vorher zusammen. Von dem, was letztlich auf der Bühne passiert, kriegen die Helfer jedoch kaum etwas mit – „In Gedanken bin ich immer schon beim nächsten Act“, sagt Timo.

So auch an diesem Samstagabend gegen 22.30 Uhr. „Frau Kühne“ hält ihre Büttenrede. Ihre Pointen sitzen, das Publikum lacht immer wieder laut auf. Nur Timo amüsieren die Witze nicht, er hört sie kaum. Stattdessen spült er in schwarzen Eimern Gläser und bereitet alles für den nächsten Programmpunkt vor. Die „Funky Marys“ sollen während ihres Auftritts mit Wasser versorgt werden. Fünf Gläser stehen auf einem Tablett bereit. „Tanzgruppen sind am anstrengendsten“, sagt Timo. „Man weiß oft nicht genau, wie viele Tänzer kommen und wann sie kurze Pausen einlegen, in denen sie etwas trinken wollen.“

Mit einem Auge auf der Bühne, mit den Gedanken schon einen Schritt weiter. Timo muss immer aufpassen. Bei den „Funky Marys“ ist das mit gerade mal fünf Tänzerinnen noch übersichtlich – im Gegensatz zu den knapp 60 „Sandhasen“. Da kommen dann auch Timo und seine Kollegen ins Schwitzen – „vor allem unter dem Rollkragenpullover“, sagt der 19-Jährige und zupft an dem weißen Stoff, der unter seiner blau-gelben Karnevalsuniform zu sehen ist. Wenn Dutzende Frauen und Männer auf der Bühne tanzen und das Publikum im Saal laut singt und schunkelt, dann wird es in dem kleinem „Büro“ der Ordonnanz schon mal bis zu 40 Grad warm.

Den „ganz normalen Wahnsinn“, wie Timo es nennt, möchte er dennoch nicht missen. Der Verein, das familiäre Miteinander, die Freude an dem Trubel hinter der Bühne. „Vielleicht muss man da einfach reingeboren werden“, versucht er sein Engagement zu erklären.

Zeit zum Durchatmen

23.50 Uhr. Das Konfetti ist beseitigt, knapp 60 Gläser mit Mineralwasser gefüllt. Nur die „Sandhasen“ lassen auf sich warten: Stau auf der Autobahn. Es bleibt also noch etwas Zeit für den Präsidenten und den Elferrat, das Publikum mit einer Polonaise zu unterhalten – und für Timo, um einmal tief durchzuatmen. 62 Flaschen Kölsch hat die Ordonnanz seit 19 Uhr an Elferrat und Bühnengäste ausgeschenkt. Dazu kommen 35 Flaschen Pils, 20 Flaschen Wasser und zwei Flaschen Cola. Wenn die jungen Männer am Ende der Narrensitzung – um 0.30 Uhr – die Getränke abrechnen und ihr „Büro“ aufräumen, werden weitere dazugekommen sein. Und Timo wird erleichtert sagen: „Wir sind zwar nicht die geborenen Kellner, aber es hat noch immer geklappt – auch heute.“

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