Aachen - Maskenbildner sind Verwandlungskünstler

Maskenbildner sind Verwandlungskünstler

Von: Naima Wolfsperger
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Melanie Viswat macht am Theater Aachen die Ausbildung zur Maskenbildnerin. Zur Übung schminkt die Auszubildende regelmäßig Freiwillige. In diesem Fall Volontärin Naima Wolfsperger. Foto: Andreas Herrmann
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Melanie Viswat ist Auszubildende im Bereich Maskenbildnerei. Zur Übung schminkt die Auszubildende regelmäßig Freiwillige - hier: Volontärin Naima Wolfsperger. Hilfestellung bekommt Melanie von Ausbilderin Kathrin Pavlas. Foto: Andreas Herrmann
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Von Jung zu Alt: Melanie Viswat macht am Theater Aachen die Ausbildung zur Maskenbildnerin. Sie schminkt zur Übung Freiwillige - hier: Volontärin Naima Wolfsperger. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Für die Berufsausbildung ist Melanie Viswat aus Neukirchen-Vluyn, NRW, nach Aachen gekommen. Es ist ein langer Weg zur Maskenbildnerin und man muss auch bereit sein, seine Heimat zu verlassen.

Lachfältchen verstärken, kleine Unebenmäßigkeiten im Gesicht mit dem Pinsel nachzeichnen und nach Außen hin aufhellen, Grau in die Haare kämmen – mit etwas Farbe und etwa anderthalb Stunden Zeit kann Melanie Viswat einen Menschen um mehrere Jahrzehnte altern lassen. Die 22-jährige macht eine Ausbildung zur Maskenbildnerin. Dafür muss sie wissen, an welchen Stellen Stirn und Augenbrauen eher absacken oder wo es eher zu Spannungen kommt.

„Jetzt das Gesicht zusammenziehen – so als ob man in eine Zitrone gebissen hätte“, sagt Melanie. So kann sie sanfte Linien mit Farbe und Pinsel optisch in ausgeprägte Falten verwandeln. „Damit es plastisch aussieht, muss man flächig arbeiten.“ Bereiche, die der natürlichen Gesichtsform entsprechend erhoben sind, hellt Melanie auf.

Aus jung wird alt, aus Menschen werden Hexen oder Zauberer, Bettler oder Könige: Auf der Bühne, am Bildschirm oder der an der Leinwand steht und fällt – unter anderem – alles mit der Maske. Die Stars und Sternchen zu schminken ist für viele ein Traumberuf. „Staatlich anerkannt ist nur die Lehre zur Maskenbildnerin“, sagt Melanie Viswat. Quasi jeder könne sich Make-up-Artist nennen oder Visagist – „sogar schon nach einem Wochenendkurs“.

Aber die wahre Kunst der Maskenbildnerei braucht eben Zeit und wird in einer dreijährigen dualen Ausbildung erlernt. Dabei wird die konkrete Arbeit hinter den Kulissen mit theoretischem Unterricht an der Berufsschule in Köln kombiniert.

„Wer diesen Traum verfolgt, der darf nicht ortsgebunden sein“, sagt die 22-Jährige. Und er muss lieben, was er tut. Denn die Anforderungen an die Lehrlinge sind sehr hoch. Beim Theater Aachen, aber auch in vielen anderen Häusern wird eine abgeschlossene Friseurlehre vorausgesetzt. „Das ist richtig und wichtig“, sagt Kathrin Pavlas, Ausbilderin am Theater Aachen.

„Eine Zeit lang haben wir das nicht verlangt. Aber dann wurde klar, dass die Auszubildenden ohne abgeschlossene Friseurlehre weit hinterherhinken.“ Haarteile müssen eingefärbt, künstliche Bärte geschnitten und gebrannt und die wildesten Frisuren für anspruchsvolle Bewegungsabläufe auf der Bühne fixiert werden. Trotz der hohen Anforderungen ist der Ausbildungsmarkt überschaubar: Kleinere Theaterhäuser bieten keine Ausbildungsstellen an. Stadttheater nehmen in der Regel nur alle drei Jahre einen Azubi im Bereich Maskenbildnerei auf.

Das Stadttheater Aachen schreibt aber jedes Jahr eine Stelle aus, so dass Melanie im zweiten Lehrjahr und ihre beiden Kolleginnen, eine aus Bayern im dritten und eine aus Amrath, NRW, im ersten Lehrjahr, zu dritt sind. „Das sind recht viele Azubis“, sagt Melanie.

„Ich habe mich in ganz Deutschland beworben.“ Trotzdem wurde sie in ihrem ersten Bewerbungsjahr nicht angenommen. Sie entschied sich daraufhin, ein Praktikum bei der Oper in Chemnitz, Sachsen, zu machen. Im zweiten Jahr, in dem sie sich bewarb, erhielt sie dann die Chance in Aachen. „Das Praktikum war wichtig. Nicht nur, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Auch für mich“, sagt Melanie. Denn an der Oper in Chemnitz habe sie festgestellt, dass Maskenbildnerin der Beruf ist, dem sie nachgehen möchte. Auch, wenn sie deshalb an ihre bereits abgeschlossene dreijährige Friseurlehre weitere drei Ausbildungsjahre anschließen muss.

„Ich finde den Beruf aufregend und abwechslungsreich: Wir lernen, die Gesichtsformen und die Entwicklung von Gesichtern und Mimik zu verstehen und zu nutzen.“

Nach der sechsjährigen Ausbildung wird der Arbeitsmarkt für Maskenbildner größer. Dann kommen die kleinen Theater, Film- und Fernsehen und Fotoshootings als mögliche Einsatzorte hinzu. Einstiegsgehälter liegen etwa bei 1450 bis 1700 Euro. Auch könne man sich weder darauf verlassen, heimatnah eine Stelle zu bekommen, noch, dass man sofort in dem gewünschten Bereich arbeiten kann.

Wo es für sie nach der Ausbildung hingeht, das weiß Melanie noch nicht. „Man muss da einfach flexibel sein, denke ich.“ Sie macht sich da nichts vor: „Für meinen Traumberuf richte ich mich nach dem, was der Arbeitsmarkt mir bietet.“

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