Kindheitserinnerungen auf drei weißen Regalbrettern

Von: Nina Leßenich
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Aachen. Benjamin Kalt aus Aachen rezensiert Hörspiele. Aus dem Hobby des Schülers ist inzwischen ein kleiner Nebenjob geworden.

Wer Benjamins Zimmer im Haus seiner Eltern in Aachen betritt, kommt an nostalgischen Gefühlen kaum vorbei: Auf drei weißen Regelbrettern über dem Bett reiht sich Kassette an Kassette, feinsäuberlich sortiert nach Folgen und Farben. „Die Gruselserie“, „Die Drei ???“, „Bibi und Tina“ – rund 250 Tonträger zählt die Sammlung des 15-Jährigen, darunter auch echte Sammlerstücke.

Für den Gesamtschüler sind Hörspiele eine echte Leidenschaft – und die teilt er auch mit anderen. Unter dem Pseudonym „Der Rezensionär“ bloggt Benjamin seit Februar 2015 vor allem Hörspiel-Rezensionen. „Das war so eine fixe Idee“, sagt er. Eine Idee, aus der inzwischen so etwas wie ein kleiner Nebenjob geworden ist. Rund 130 Rezensionen hat Benjamin schon verfasst, pro Woche stellt er auf seinem Blog zwei neue Beiträge online.

Altmodisch findet Benjamin seine Leidenschaft für die alten Tonträger nicht. Besonders reizten ihn die pädagogischen Werte vieler alter Hörspiele, sagt er, und klingt dabei so gar nicht wie ein 15-Jähriger. „Die Lehren, die in den Geschichten erzählt werden, gelten ja heute immernoch“, sagt er. „Die gelten ein Leben lang.“

Gleichaltrige würden sein Hobby trotzdem nicht immer verstehen. „Eigentlich interessiert das niemanden. Manche machen sich auch lustig“, sagt Benjamin. Aber da stehe er drüber. Auch auf seinem Blog muss er mit negativen Kommentaren umgehen. „Besonders bei ‚Die Drei ???‘ gibt es zwei Lager: Die einen finden alle Folgen nach 39 scheiße, die anderen nicht.“ Die Folgen 1 bis 39 gelten als Klassiker und genießen besonderen Kultstatus. Entsprechend gebe es Diskussionen. „Aber Rezensionen sind subjektiv. Jeder hat einen anderen Geschmack“, sagt er.

Mit seinem Blog erreicht Benjamin vor allem Leser zwischen 20 und 45 Jahren – das zeigt ihm die Statistik. Mit dieser Zielgruppe ist der 15-Jährige auch interessant für Verlage, die ihm Rezensionsexemplare aktueller Hörbücher schicken. Für ein Projekt mit einem Online-Hörspiele-Anbieter hat er kürzlich zum ersten Mal Geld mit seinen Artikeln verdient.

„Mit dem Blog richtig Geld zu verdienen wäre nett“, sagt Benjamin. Allerdings nicht auf Kosten der Qualität – den Blog mit Werbebannern zu überfrachten sei für ihn keine Option. Dennoch könne er sich vorstellen, aus seiner Leidenschaft eines Tages einen Job zu machen. Sein Berufsziel: „Irgendwas mit Journalismus.“

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