Aachen - Jobtausch: Maler sein ist mehr als nur den Pinsel schwingen

Jobtausch: Maler sein ist mehr als nur den Pinsel schwingen

Von: Katrin Fuhrmann
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Volontärin Katrin Fuhrmann geht in die Lehre bei Dominik Esser. Er macht eine Ausbildung zum Maler und Lackierer. Foto: T. Schwark
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Tapezieren, streichen, restaurieren. Katrin schaut einen Tag lang Dominik Esser über die Schulter. Foto: T. Schwark
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Volontärin Katrin arbeitet einen Tag lang als Maler und Lackierer und kommt ganz schön ins Schwitzen. Foto: T. Schwark

Aachen. Als ich an diesem Tag von der Arbeit nach Hause fahre, tun mir die Knie schrecklich weh. Mein Rücken schmerzt und ich kann kaum aufrecht gehen. Wie es dazu kam? Ich war nicht, wie sonst, in der Redaktion, sondern habe mir einen Tag lang den Beruf des Malers und Lackierers angeschaut.

Wenn es ein Handwerk gibt, das mir so gar nicht liegt, dann ist es das, dachte ich. Ich war in Kunst in der Schule schon eine absolute Niete und als ich vor kurzem umgezogen bin, hab ich nicht eine einzige Wand selbst tapeziert oder gestrichen – das hab ich lieber denen überlassen, die es können. Einer, der es kann, ist Dominik Esser (21). Er macht zurzeit bei der Firma Emons in Nideggen eine Ausbildung zum Maler und Lackierer. Dass Dominik einmal Maler werden möchte, wusste er früh. „Ich konnte schon immer gut mit anpacken. Den ganzen Tag im Büro zu sitzen, wäre nichts für mich“, sagt er.

Auch, wenn ich es mir ungern eingestehe: Ich habe an diesem Tag eine Menge Vorurteile im Gepäck – ein bisschen Tapete ankleben, Wände anpinseln. Kein sehr spannender Beruf, dachte ich. Allerdings dauert es nur exakt fünf Minuten, bis mir bewusst wird, dass ein Maler und Lackierer nicht nur Wände streicht und tapeziert. Wie Dominik mir erklärt, reicht es nicht aus, den Pinsel schwingen zu können.

Im Gegenteil. Unterschiedliche Maltechniken und Materialkunde gehören zum notwendigen Wissen genauso dazu wie ein Gefühl für die richtige Kombination von Farben und Formen. Was ich zum Beispiel auch nicht wusste: Maler und Lackierer übernehmen heutzutage auch Restaurierungsarbeiten und Untergrundbehandlungen. Dazu benötigt man eine große Portion Kreativität und Sinn für Ästhetik. Kreativität, davon besitze ich eine Menge. Aber Sinn für Ästhetik? Da hört es dann schon auf.

Die Ausbildung zum Maler und Lackierer dauert drei Jahre und bietet drei Fachrichtungen zur Auswahl. Im Bereich Gestaltung und Instandhaltung gestalten die Auszubildenden Innenräume und Fassaden, verlegen Bodenbeläge und verschönern Wände mit verschiedenen Maltechniken, Tapeten oder Dekorputzen. Außerdem gibt es noch die Bereiche „Kirchenmalerei und Denkmalpflege“ und die Fachrichtung „Bauten- und Korrosionsschutz“.

Dominik hat den Schwerpunkt Gestaltung und Instandhaltung gewählt. Er arbeitet jeden Tag von 7.30 bis 16 Uhr. Auf die Frage, ob Dominik mit seinem Gehalt zufrieden ist, antwortet er: „Es ist ja kein Geheimnis, dass Handwerker nicht so viel verdienen. Aber was nutzt mir ein Job, in dem ich viel verdiene, der mir aber keinen Spaß macht“. Dominik scheint seinen Job also wirklich zu mögen. Immerhin erhalten Lehrlinge im ersten Ausbildungsjahr gerade einmal 500 Euro. Ein fertiger Geselle bekommt zum Einstieg 13,10 Euro die Stunde.

Für Dominik ist der Beruf besonders interessant, weil er immer an unterschiedlichen Orten arbeitet und immer wieder neue Aufgaben hat. Sein bislang spannendster Auftrag: In einer Villa in Köln musste der 21-Jährige Metalltapete an die Wand bringen. Ein Meter davon kostet mehr als 120 Euro. Und auch wenn Dominik bei der Verarbeitung der Materialien immer vorsichtig ist, war ihm bei diesen Arbeiten ein wenig mulmig zu Mute. „Wenn da was kaputt gegangen wäre, hätte sich mein Chef bestimmt nicht gefreut“, sagt er und schmunzelt.

Dominik zeigt mir an diesem Tag unter anderem, wie man Fugen mit Silikon abdichtet, damit kein Wasser eindringt. Eine Tätigkeit, die Dominik mehrere Male pro Woche erledigen muss. Dabei merke ich schnell, dass ich dafür wohl eher nicht gemacht bin. Denn: Wir knien, mehrere Stunden. Das schmerzt. Und ist überhaupt nichts für mich.

Außerdem werden meine Fingernägel vom Entfernen des alten Silikons ganz schmutzig. Für mich ein Alptraum, denn ich gehe regelmäßig zur Maniküre. Eine weiße Hose schützt mich zwar vor groben Schmutz, aber die Hände bleiben auch mit Handschuhen nicht ganz verschont. Doch ich lerne auch sehr viel dazu. Ich weiß jetzt zum Beispiel, dass es wichtig ist, beim Schweißen eine Brille zu tragen. Das Cuttermesser muss nach jeder Arbeit eingefahren werden, damit man sich nicht in die Finger schneidet, wenn man es gerade nicht braucht.

Dominik macht mich aber auch auf Probleme in der Branche aufmerksam, die mir vorher überhaupt nicht bewusst waren: Die meisten, die umziehen oder ein Zimmer neu gestrichen haben wollen, wählen den einfachsten Weg: Sie machen es selbst. Ein Nachteil für die, die es professionell machen, denn denen fehlt es dann an Aufträgen. „Wenn wir das machen, ist es viel ordentlicher und kreativer“, sagt Dominik.

Bevor ich mich von Dominik verabschiede brennt mir natürlich eine Frage unter den Nägeln: Ist eine „sehr gute“ Note in Kunst wirklich eine Voraussetzung für diesen Job? „Ich war in Kunst auch nie besonders gut“, sagt Dominik. Am Ende unseres gemeinsamen Arbeitstages verrät mir Dominik, dass er nach Beendigung seiner Ausbildung im Betrieb bleiben kann – damit erfüllt sich für ihn ein großer Wunsch.

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