Jobtausch: Ein Arbeitsplatz mit schöner Aussicht

Von: Katharina Menne
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Kamine kehren, Schadstoffe messen oder beim Energiesparen beraten: Der Beruf des Schornsteinfegers ist immer noch abwechslungsreich. Foto: Harald Krömer
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Der 26-Jährige Matthias Becker macht eine Ausbildung zum Schornsteinfeger. Foto: Harald Krömer
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In den letzten Jahren sind viele Aufgaben zu den klassischen Tätigkeiten hinzugekommen. Dazu gehört auch das Messen von Schadstoffen. Foto: Harald Krömer
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Für einen Tag versucht sich Volontärin Katharina Menne als Schornsteinfegerin. Azubi Matthias Becker erklärt ihr, wie das geht. Foto: Harald Krömer

Stolberg. Die Aussicht ist fantastisch. Vor mir ausgebreitet liegen die Dächer von Stolberg-Zweifall, eingebettet in das kräftige Grün der umliegenden Wälder. Es weht ein leichter Wind, die Vögel zwitschern, die Goldknöpfe an meiner schwarzen Arbeitsjacke leuchten in der Sonne. Bei bestem Wetter stehe ich auf dem Dach eines Einfamilienhauses und vergesse fast, warum ich eigentlich hier bin. Ein Glück, dass ich keine Höhenangst habe.

Doch es ist heute nicht meine Aufgabe, die Aussicht zu genießen. Ich bin hier, um den Schornstein zu fegen. Die richtige Anleitung bekomme ich dabei von Matthias Becker. Der 26-Jährige macht eine Ausbildung zum Schornsteinfeger im Betrieb von Peter Schäfers in Stolberg. Er ist bereits am Ende des zweiten Lehrjahres.

„Zuerst musst du den Kehrbesen in die Öffnung des Schornsteins einhängen und ihn dann kontrolliert hinunterlassen“, erklärt Matthias. „Am besten zählst du die Schlingen des Seils mit, so dass du abschätzen kannst, wie weit du schon gekommen bist.“ Dass man dabei sofort schwarze, rußige Hände kriegt, ist wohl normal. Jetzt weiß ich, warum die Arbeitskleidung der Schornsteinfeger schwarz ist.

Schornsteinfeger als Glücksbringer

Als Kind hat mir der dunkel gekleidete Mann mit dem Zylinder auf dem Kopf Angst eingeflößt, wenn er in die Wohnung meiner Eltern kam. Dabei gilt er im Volksmund als Glücksbringer. „Ob wir wirklich Glück bringen, kann ich nicht sagen“, sagt Matthias. „Aber es kommen immer wieder Menschen auf uns zu, die uns an der Schulter berühren und uns darum bitten, ihnen Glück zu bringen.“ Das sei sehr bewegend und ein schöner Nebeneffekt des Berufs. Warum aber will er überhaupt Schornsteinfeger werden? „Es war jetzt nicht mein Kindheitstraum oder so“, sagt Matthias. Zuerst hat er nach dem Abitur sogar ein paar Semester Maschinenbau studiert. „Ich habe dann aber gemerkt, dass ich lieber etwas Handwerkliches machen möchte.“ Er habe dann ein paar Praktika in handwerklichen Betrieben gemacht und sei beim Schornsteinfeger hängen geblieben. „Auf Dächer zu klettern und viel draußen zu sein, hat mir direkt Spaß gemacht. Mit am schönsten ist die stets wechselnde Perspektive von da oben“, schwärmt der gebürtige Aachener.

Das glaube ich ihm sofort. Bei schönem Wetter macht es tatsächlich richtig Spaß, auf dem Dach herumzuturnen. Was aber machen Matthias und seine Kollegen bei ungemütlicher Witterung? „Wir gehen natürlich kein Risiko ein“, sagt er. „Wenn es stürmt, schneit oder hagelt, dann verschieben wir den Termin.“ Das sei einfach zu riskant.

Allerdings haben ohnehin immer weniger Haushalte einen echten Kamin mit Schornstein. „Die meisten heizen heute mit Öl oder Gas“, erklärt Matthias. Dann müsse man die Heizungsanlage auf Sicherheit und Funktionstüchtigkeit überprüfen. „Unsere Hauptaufgabe ist es, für den einwandfreien Betrieb aller Feuerstätten zu sorgen. Ziehen die Abgase nicht richtig ab, kann Kohlenmonoxid austreten, und das ist lebensgefährlich.“

Das Handwerk wandelt sich

Wir machen uns deshalb direkt auf den Weg zum nächsten Kunden, um dort die turnusmäßige Abgasmessung vorzunehmen. Mit einer kleinen Kamera schauen wir uns die Abgaswege der Gastherme an, überprüfen, ob der Unterdruck groß genug ist, dass die Schadstoffe abziehen können, und schauen, ob die Schadstoffbelastung im Normbereich liegt. Matthias erklärt mir, dass ein Schornsteinfeger quasi der TÜV der Heizungen ist. Stimmt was nicht, muss die Anlage repariert werden.

In Deutschland kommt niemand darum herum, regelmäßig von einem Schornsteinfeger besucht zu werden. Das schreibt die Kehr- und Überprüfungsordnung vor. Wer dagegen verstößt, handelt ordnungswidrig und muss Strafe zahlen. Aussterben wird der Beruf also nicht so schnell. Doch wie in allen Handwerksberufen sucht auch die Schornsteinfegerinnung immer wieder händeringend nach guten Auszubildenden. „In meinem Jahrgang sind wir mit zehn Lehrlingen gut besetzt, doch für das kommende Jahr werden noch Interessierte gesucht“, sagt Matthias. Auch die Frauenquote von gerade einmal rund 15 Prozent könnte besser sein.

In den letzten Jahren sind viele Aufgaben zu den klassischen Tätigkeiten hinzugekommen. „Wir geben Tipps, wie man Energie sparen kann, und beraten unsere Kunden in allen Fragen zu Heizungsanlagen“, sagt Matthias. Indem Schornsteinfeger Brände verhindern und die Umwelt schützen, bringen sie also doch Glück. Und wer weiß, vielleicht habe ja auch ich ein bisschen davon abgekriegt und ab sofort eine Glückssträhne. Alles Gute kommt ja bekanntlich von oben. Von Katharina Menne

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