Mönchengladbach - „Insekten werden für die Versorgung essenziell“

„Insekten werden für die Versorgung essenziell“

Von: kt
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Ernährungswissenschaftler Prof. Georg Wittich. Foto: HS Niederrhein

Mönchengladbach. Der Oecotrophologe Prof. Georg Wittich erzählt im Interview mit Wir Hier, dass Insekten global gesehen zur Versorgung gebraucht werden. Hier sieht er sie nicht allzu bald auf dem Speiseplan.

WirHier: Herr Professor Wittich, wann können wir damit rechnen, dass Insekten in der westlichen Welt zur massentauglichen Ernährung werden?

Hartung: Das ist schwer vorherzusagen. Die entsprechenden Mengen müssten auch erst einmal produziert werden. In unseren Breiten sind Insekten zudem noch gar nicht als Lebensmittel zugelassen. Das Genehmigungsverfahren ist relativ aufwendig und kann bis zu fünf Jahre dauern. Derzeit gibt es einzelne Fälle, wo Insekten verzehrt werden – diese gibt es auf einem „grauen“ Markt. Das ist ähnlich wie bei Stevia-Blättern, die sind in Deutschland auch nicht als Lebensmittel zugelassen, sie können aber beispielsweise im Gartenbaumarkt in Form von Zierpflanzen gekauft werden – und was dann damit passiert, liegt in der Hand des Kunden.

WirHier: In welcher Form würden wir Insekten denn dann am ehesten verzehren?

Hartung: Wenn es darum geht, größere Mengen als Eiweißersatz zu sich zu nehmen, werden wir nicht einzelne Tiere essen, sondern Präparate, Lebensmittelzubereitungen oder -erzeugnisse zu uns nehmen, denen Insektenprodukte beigemischt sind.

WirHier: Wie schätzen sie das Risiko für Allergien ein?

Hartung: Das Insektenprotein hat einen deutlich anderen Aufbau als andere tierische Proteine. Das Proteingerüst wird daher vom Körper anders auseinander genommen. Die großen körperfremden Moleküle können dabei durchaus Allergien hervorrufen.

WirHier: Und wie sieht es mit der Übertragung von Krankheiten aus?

Hartung: Auch die Gefahr der Krankheitsübertragung besteht. Bei der Ernte werden möglicherweise tote Tiere eingesammelt, lebende Tiere tragen Mikroorganismen in Magen und Darm, die mitverspeist werden. Das Chitin im Panzer kann außerdem nicht verdaut werden. Viele Fragen sind also noch offen und die bestehenden Regelungen zur Qualitätssicherung müssen überarbeitet werden. Meine Projektgruppe an der Hochschule entwickelt aktuell einen Rahmen für einen Qualitätsstandard.

WirHier: Wie macht man Insekten also den Leuten schmackhaft?

Hartung: Global wird irgendwann einfach eine Not da sein und Insekten werden für die Versorgung essenziell werden. In Nordamerika und Europa wird es vorerst aber nur ein prickelnder „Partygag“ bleiben, so wie zum Beispiel der Wurm im Tequila. Ob es dann irgendwann darüber hinausgeht, ist zurzeit noch offen.

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