Hunden dabei helfen, Leben zu retten

Von: Annika Thee
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Die Rettungshunde und ihre Besitzer müssen sich alle 18 Monate erneut einer strengen Prüfung unterziehen, in der das theoretische Wissen des Hundeführers, das Anzeigen einer Person, der Gehorsam und das Suchverhalten der Hunde getestet werden.

Aachen. Was für die Tiere der Rettungshundestaffel der Städteregion Aachen ein Spiel ist, ist für die Einsatzkräfte ein Rennen gegen die Zeit. Die zwölf Hundeführer sind zu jeder Tages- und Nachtzeit einsatzbereit, um im Notfall mit ihren Hunden nach Menschen zu suchen, die vermisst werden. Die Ausbildung der Hunde und ihrer Halter dauert mehrere Jahre.

Gloria Genreith erinnert sich noch gut an ihren ersten Einsatz. „Es war aufregend und hektisch. Alles musste schnell gehen, denn wir haben ein Kind gesucht“, sagt die 31-Jährige rückblickend. Die Anspannung sei bis heute geblieben. „In den Einsatz darf nie Routine kommen, sonst macht man Fehler.“

Seit sieben Jahren ist sie festes Mitglied der Rettungshundestaffel (RHS) der Städteregion Aachen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Mit ihrem Beruf als Verwaltungsfachangestellte hat ihr zeitintensives Hobby, das sie mit ihrem Hovawart-Rüden Bruce ausübt, nicht viel gemein.

Wenn kein Training ansteht, verrät nur die stets gepackte Tasche im Auto, dass Gloria jederzeit bereit für einen Einsatz ist. Im Notfall kann jede Minute darüber entscheiden, ob ein Mensch noch lebend gerettet werden kann. Die Rettungshundestaffel sucht im Auftrag der Polizei Vermisste in der Städteregion und im gesamten DRK-Gebiet Nordrhein.

Voller Vorfreude zieht Bruce seine Hundeführerin an der straff gespannten Leine ins Suchgebiet. Gloria Genreith sprüht etwas Puder in die Luft, um die Windrichtung zu bestimmen. Dann setzt sie an, um Bruce abzuleinen. Auf das Kommando „Such und hilf!“ rast Bruce in den Wald.

Im Alter von 31 Jahren hat Gloria bereits alle nötigen Prüfungen bestanden, die sie zur Ausbildung von Rettungshunden befähigen. In zwei Jahren wird sie genügend Einsatzerfahrung gesammelt haben, um von der Ausbildungsanwärterin zur Ausbilderin aufzusteigen. Bereits jetzt leitet sie zusammen mit Ausbilderin Sylvana Globies-Kertscher die Trainingseinheiten.

„Wir kommen auf 600 bis 800 Stunden Training im Jahr“, erklärt Staffelleiter Willi Leufgens. Zurzeit besteht die Rettungshundestaffel aus zwölf Hundeführern und 14 Hunden, von denen fünf aktuell geprüft und einsatzbereit sind. Die Rasse spielt keine große Rolle, denn vom Riesenschnauzer über den Labrador bis hin zum Pudel sind in der Staffel viele Rassen vertreten.

Die Rettungshunde und ihre Besitzer müssen sich alle 18 Monate erneut einer strengen Prüfung unterziehen, in der das theoretische Wissen des Hundeführers, das Anzeigen einer Person, der Gehorsam und das Suchverhalten der Hunde getestet werden. Findet der Hund die zwei versteckten Personen in einem Suchgebiet von 30.000 Quadratmetern nicht innerhalb von 20 Minuten, oder macht der Hund nicht ausdauernd auf die gefundene Person aufmerksam, ist das Hund-Mensch-Team durchgefallen.

Im Ernstfall gilt: Erst, wenn der Hundeführer die vermisste Person medizinisch erstversorgt und per Funk Hilfe angefordert hat, wird der Hund mit Spielzeug oder Futter belohnt. „In der Ausbildung fangen wir klein an. Erst sucht der Hund nach seiner Bezugsperson, dann nach einem sogenannten Fremdopfer. Bellt der Hund, wird er sofort belohnt“, erklärt die Ausbilderin. Für den Hund sei das schließlich ein Spiel.

Ob es sich diesmal für Bruce um eine Übung oder einen Einsatz handelt, macht für ihn keinen Unterschied. Das Glöckchen an seinem Geschirr lässt Gloria wissen, wo er sich gerade befindet, denn im Notfall ist es meist stockfinster. „Wenn ein Hund ein Gebiet abgesucht und niemanden gefunden hat, sind wir zu 100 Prozent sicher, dass sich dort niemand befindet“, sagt Willi Leufgens. „Da gehört sehr viel Vertrauen in die Arbeitsweise des Hundes.“

Kein Wunder also, dass ein Hund zwei bis drei Jahre trainiert, bis das Team erstmals zu einer Prüfung antritt. Nur geprüfte Teams gehen in den Einsatz, wenn die Polizei die Rettungshundestaffel alarmiert und ein Suchgebiet zuteilt, in dem eine Zielperson vermutet wird.

Bruce streckt angestrengt die Nase in den Wind und verschwindet aus dem Blickfeld. „Er hat eine Witterung bekommen.“ Das liest Gloria Genreith aus seiner Körperhaltung. Kurz darauf ertönt lautes Gebell e_SEnD das Zeichen, dass Bruce eine Person gefunden hat. Sie hebt ihren Arm. „Anzeige!“, sagt sie laut zu ihrem Helfer, der die Einsatzleitung kontaktiert.

„Wir haben 20 bis 30 Einsätze im Jahr“, sagt Willi Leufgens. „Im Vordergrund steht der Spaß an der Arbeit, denn die ist bei uns komplett ehrenamtlich“, betont der Staffelleiter. „Man braucht neben Teamfähigkeit auch ein hohes Maß an Idealismus für den wohltätigen Zweck unserer Arbeit“, sagt Gloria Genreith. Außerdem müssen die Hundeführer neben Einsatztaktik, Flächen- und Trümmerkunde und dem richtigen Umgang mit ihrem Hund auch medizinische Fortbildungskurse und Funklehrgänge belegen und Sanitätsdienste leisten.

Die größte Herausforderung ist für die zukünftige Ausbilderin, „dass sich der Hundeführer komplett auf mich verlassen muss, weil kleine Fehler große Auswirkungen auf das Suchverhalten der Hunde haben.“

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