Handwerk: Herrschen bei uns bald amerikanische Verhältnisse?

Von: nt
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Addi Klinkhammer
Foto: Klinkhammer

Region . Gerade einmal acht Auszubildende zum Stuckateur gibt es in Aachen, Düren und Heinsberg. Obermeister Addi Klinkhammer erzählt uns im Interview für unsere Serie „Jobtausch: Wir Hier packt an“, woran das seiner Meinung nach liegt, und ob der Job auch was für Frauen ist.

WirHier: Herr Klinkhammer, bei der geringen Zahl Auszubildender kann man sicher von einem Nachwuchsproblem sprechen. Woran liegt das?

Klinkhammer: Das Problem gibt es im Handwerk allgemein. Die jungen Leute streben in andere Berufe. Zum Teil deswegen, weil die Löhne im Handwerk geringer sind als in der Industrie, dem öffentlichen Dienst oder als bei qualifizierten Angestellten. Die Zahl der Abiturienten steigt auch stetig, die wollen natürlich studieren.

WirHier: Ist denn auch die Nachfrage nach der Arbeit des Stuckateurs gesunken?

Klinkhammer: Nein, im Gegenteil. Wir können uns vor Arbeit kaum retten.

WirHier: Bedeutet das im Umkehrschluss, dass all diejenigen, die sich für eine Ausbildung in diesem Bereich entscheiden, eine gute Perspektive haben?

Klinkhammer: Ja, auf jeden Fall. Ein Stuckateur kann sich sicher sein, dass er nie arbeitslos ist.

WirHier: Wie wird sich das Berufsbild in den kommenden Jahren verändern?

Klinkhammer: Wenn es seitens der Politik kein Umdenken gibt, werden meiner Meinung nach amerikanische Verhältnisse eintreten: Die Ausbildungsverordnungen, in denen genau beschrieben wird, wie lange und mit welchen Lernstoffen ein Handwerk zu erlernen ist, werden entfallen. Innungen und Kreishandwerkerschaften werden wegen rückläufiger Mitgliederzahlen schließen. Dabei ist das duale Ausbildungssystem in Deutschland das beste Modell der Welt. Alle Länder schauen sich das bei uns ab. Jeder möchte deutsche Handwerker beschäftigen wegen der guten Qualifikation. Aber wegen der relativ hohen Lohn- und Lohnnebenkosten geht der Trend bei uns seit Jahrzehnten immer weiter zu billigem Personal, das über ausländische Subunternehmer von deutschen Firmen engagiert wird.

WirHier: Der Job ist körperlich recht anstrengend; es wird viel verputzt, man muss auf Gerüste klettern und das Tragen schwerer Mörtelsäcke zehrt an den Kräften. Ist die Ausbildung dennoch auch für Frauen geeignet?

Klinkhammer: Für Frauen ist der Beruf der Stuckateurin ein sehr schöner. Sie sollten aber die Ausbildung in einem Restaurationsbetrieb anstreben, in dem ausschließlich Stuckarbeiten ausgeführt werden. Davon gibt es aber nur wenige. Wir haben bisher drei Frauen ausgebildet, aber nach der Lehre haben sie aufgehört. Das alltägliche Geschäft ist Verputzen, und das ist körperlich so anstrengend, da kommen die meisten sehr schnell an ihre Grenzen.

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