Gebärmutterhalskrebs: „Mehr als 80 Prozent infizieren sich“

Von: vino
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Ist Frauenärztin in Eschweiler: Katja Berger. Foto: Vivien Nogaj

Geilenkirchen. Seit zehn Jahren können sich Frauen in Deutschland gegen Humane Papillomviren (HPV), die unter anderem als Auslöser für Gebärmutterhalskrebs gelten, impfen lassen. Wir haben mit Frauenärztin Katja Berger aus Eschweiler über die Impfung, ihre Vorteile und Nachteile gesprochen.

WirHier: Warum empfehlen Sie die Impfung gegen HPV?

Berger: Durch die Impfung lässt sich ein sehr hoher Schutz vor Gebärmutterhalskrebs erreichen, dieser liegt bei etwa 90 Prozent. Sieben der HPV-Typen sind außerdem für 90 Prozent aller Gebärmutterhalskrebserkrankungen verantwortlich und bis zu 85 Prozent der Viren lösen die Vorstufen aus.

WirHier: Das heißt, eine Infektion mit den HP-Viren ist gefährlich für mich, wenn ich nicht geimpft bin?

Berger: Nein, nicht jeder Mensch, der sich mit HPV infiziert, entwickelt dadurch automatisch eine Krebserkrankung. Der Körper braucht ein bis eineinhalb Jahre, um die Infektion auszuheilen. Das schafft er in 90 Prozent der Fälle. Bei zehn Prozent geht es aber weiter: Dort kann im Laufe der Jahre eine Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs entstehen, die, wenn man sie nicht entdeckt oder behandelt, in eine Krebserkrankung münden kann.

WirHier: Nur bei zehn Prozent aller HPV-Infizierten entwickelt sich möglicherweise eine Vorstufe von Krebs. Ist die Impfung denn wirklich sinnvoll?

Berger: Ja. Denn, wenn es soweit kommt, dass man als Frau Zellveränderungen am Muttermund hat, kann man nichts dagegen machen: Es gibt keine Medikamente gegen die Zellveränderungen, man kann nur hoffen, dass sie sich zurückentwickeln. Wenn das nicht passiert, muss man zum Beispiel durch eine Laserabtragung am Muttermund eingreifen. Davon gibt es 150000 Eingriffe pro Jahr in Deutschland. Die Impfung ist also Prävention, auch um Vorstufen von Krebs und damit einhergehende Eingriffe zu vermeiden, die auch Risiken für Frauen darstellen.

WirHier: Gibt es eine Möglichkeit, gar nicht erst mit den HP-Viren in Kontakt zu kommen?

Berger: Einen Kontakt mit HPV kann man kaum vermeiden. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung kommen im Laufe ihres Lebens mit den Viren in Berührung. HPV ist nämlich nicht nur durch Geschlechtsverkehr, sondern auch durch Petting übertragbar und kann Frauen wie Männer treffen. Kondome sind ein wichtiger Schutz, aber bieten keine 100-prozentige Sicherheit.

WirHier: Trotz Impfung ist ein regelmäßiger Abstrich bei Frauen wichtig. Warum?

Berger: Es gibt 120 verschiedene Typen HP-Viren, 40 davon sind mitverantwortlich für Zellveränderungen im Genitalbereich. Durch die Impfung kann man aber nicht alle 40 Arten abdecken, deswegen ist ein zusätzlicher Abstrich einmal im Jahr wichtig. Sobald die Werte auffällig sind, muss natürlich öfter nachgeschaut werden, entweder nach sechs Monaten oder sogar nach drei Monaten.

WirHier: Warum, glauben Sie, stehen viele Menschen der Impfung kritisch gegenüber?

Berger: Impfgegner kritisieren, dass es trotz Impfung noch zu einer Infektion mit HP-Viren kommen kann. Die Impfung bietet nämlich keinen Schutz gegen alle HP-Viren. Aber: Je mehr Leute geimpft sind, desto mehr Ungeimpfte sind auch geschützt, man spricht von einer sogenannten Herdenimmunität. Aktuell liegt die Durchimpfungsrate aber nur bei 42 Prozent.

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