„Es ist ein Glück, dass es Schornsteinfeger gibt“

Von: km
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Der Obermeister der Aachener Schornsteinfegerinnung, Hans-Dieter Eschweiler, blickt optimistisch in die Zukunft seines Handwerks. Foto: privat

Aachen. Der Beruf des Schornsteinfegers hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Obermeister Hans-Dieter Eschweiler erzählt uns in einem Interview im Rahmen unserer Wir Hier-Serie "Jobtausch: Wir Hier packt an" warum es keineswegs out ist, Schornsteine zu kehren.

Der Schornsteinfegerverband wirbt selbst mit „Zum Glück gibt’s den Schornsteinfeger“ und spielt so darauf an, dass Schornsteinfeger im Volksmund Glück bringen sollen. Gehört das zum Selbstverständnis des Berufs?

Hans-Dieter Eschweiler: Ich denke schon. Ein Schornsteinfeger war im Volk immer hoch angesehen, da er die Schornsteine von Ruß und Dreck reinigte und danach die Öfen wieder besser funktionierten. Auch verhinderte er dadurch Brände und andere Unglücke. Heute prüfen Schornsteinfeger die Heizanlagen auf Emissionswerte und geben Tipps zum Energiesparen. Sie tragen so zum Umweltschutz bei. Es ist also tatsächlich ein Glück, dass es sie gibt.

Muss ein Auszubildender sich also darauf einstellen, von Leuten ungefragt berührt zu werden?

Eschweiler: Wenn er in der klassischen Uniform mit Goldknöpfen unterwegs ist, kann das sicher passieren. Der Glaube daran, dass ein Schornsteinfeger Glück bringt, ist noch immer weit verbreitet. Menschenscheu sollte man in dem Beruf generell nicht sein, denn der Kundenkontakt ist sehr wichtig. Ich finde es aber sehr schön, dass sich diese Tradition hält, denn es zeigt auch das Vertrauen in unseren Berufsstand.

Wie hat sich der Beruf über die zurückliegenden Jahrzehnte verändert?

Eschweiler: Als ich 1967 mit meiner Ausbildung begonnen habe, hatten noch 90 Prozent der Haushalte einen Einzelofen, der mit Holz, Kohle oder Briketts befeuert wurde. Die mussten teilweise bis zu sechsmal im Jahr gekehrt werden. Heute wird hauptsächlich mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen geheizt. Da fällt das klassische Kehren mehr und mehr weg, und es kommen Aufgaben dazu wie die Energieberatung, die Abgasmessung und die Effizienzüberprüfung. Der Brandschutz ist aber nach wie vor unsere Hauptaufgabe.

Wie ist das Schornsteinfegerhandwerk für die Zukunft aufgestellt?

Eschweiler: Noch gut. Wir haben keine akuten Nachwuchsprobleme, merken aber auch, dass die Luft dünner wird. Viele junge Leute stehen dem Handwerk aus verschiedenen Gründen nicht mehr zur Verfügung. Sie wollen lieber studieren oder einen Bürojob ergreifen, bei dem sie nicht bei Wind und Wetter draußen körperlich anstrengende Arbeiten verrichten müssen.

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