Ein Tag als Maurerin: Mehr als nur Außenwände hochziehen

Von: Marie Eckert
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Einen Tag lang hat Volontärin Marie Eckert den Maurer Markus Pelzer begleitet und ihm beim Hausbauen über die Schulter geguckt. Foto: Nadine Tocay
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Genaues Arbeiten ist als Maurer besonders wichtig. Foto: Nadine Tocay
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Für einige Arbeiten braucht auch ein Profi Hilfe. Foto: Nadine Tocay
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Möchte demnächst seinen Meister machen: Maurer Markus Pelzer

Geilenkirchen. Genau da, wo ich mit Markus Pelzer stehe, wird in wenigen Monaten ein fertiges Haus errichtet sein. Ein komisches Gefühl. Mauern? Dafür ist es viel zu früh. Denn eins lerne ich gleich in den ersten Minuten auf der Baustelle: Hinter dem Beruf steckt viel mehr als nur das klassische Hochziehen von Außenwänden.

Ob das für mich, die bei der Vergabe des handwerklichen Geschicks irgendwie vergessen worden ist, von Vorteil ist, weiß ich am Anfang des Tages noch nicht.

Zum Glück habe ich mit Markus einen guten Maurer an die Hand bekommen. Im Juli hat der 22-Jährige seine Ausbildung abgeschlossen und plant nun, seinen Meister zu machen, wenn es Zeit und Kurse zulassen, noch in diesem Jahr. Vom Gießen des Betonfundaments über das Mauern bis hin zum Abdichten und Isolieren des Hauses gehört alles zum Job dazu, erzählt er mir. „Wir bauen das Haus von Grund aus auf, also alles, bis auf den Innenausbau.“

Von klein auf den Maurer im Blick

Und eben wegen der Vielfalt ist das sein Traumberuf. 2014 hat Markus nach dem Abitur mit seiner Ausbildung bei der Bauunternehmung Horst Ohlenforst angefangen. Von klein auf ist er durch seinen Onkel mit dem Beruf in Berührung gekommen und hat schnell gemerkt, dass das Mauern etwas für ihn ist. „Es gab und gibt keine Alternative für mich“, sagt er. Jeden Morgen fährt er von seinem Wohnort in Heinsberg-Kirchhoven zur jeweils aktuellen Baustelle, um 7 Uhr geht’s in den Sommermonaten los.

Zum Plaudern bin ich aber nicht auf die Baustelle gekommen. Aktuell arbeitet Markus mit seinen Kollegen in Geilenkirchen an zwei Neubau-Einfamilienhäusern. Bei einem der beiden Häuser ist das Fundament schon fertig, für das andere wird für den frühen Nachmittag eine Betonlieferung erwartet. Wir beginnen auf dem fertigen Fundament mit sogenannten Profilhölzern. Die werden auf den Boden aufgesetzt, dazwischen werden Schnüre gespannt. „Damit die Wand später gerade in der Flucht steht“, erklärt Markus mir. Später, wenn die Mauer steht, werden die Gerüste wieder abgebaut.

Insgesamt acht solcher Profilhölzer bringen wir an – und ich darf direkt mit anpacken. Die über zwei Meter hohen Profilhölzer werden im rechten Winkel auf einer Holzplatte auf das Fundament gestellt. Die Linien, an denen die Holzplatte anliegen muss, sind im Beton vorgezeichnet. Während ich das Profilholz festhalte, schießt Markus mit einer Schraubenpistole durch das Holz in den Boden – es soll ja schließlich halten.

„Willst du auch mal?“, fragt er – und ich will, immerhin geht es hier nicht um Millimeterarbeit und ich habe das Gefühl, so viel kann ich dabei nicht falsch machen. Mit angemessener Ehrfurcht nehme ich das Gerät und setze an. „Schön andrücken“, sagt Markus noch, und ich gebe mein Bestes. Es klappt, aber ganz scheint meine Muskelkraft nicht zu reichen, denn ich rutsche beim Schießen trotzdem ein wenig ab, und so richtig gerade bekomme ich die Schrauben nicht in den Boden. Aber es hält.

Außerdem wird das Profilholz nicht allein von meinen Schrauben gehalten. Mehrere Dachlatten stützen und richten die Profile zusätzlich noch aus. Jetzt komme ich doch zu meiner Millimeterarbeit: Mit der Wasserwaage stehe ich an dem hohen Balken, während Markus die Dachlatten genau so ausrichtet, dass das Bläschen der Waage in der Mitte ist. Ein bisschen links, etwas zu weit, wieder ein Stück nach rechts – dann ist das Holz perfekt ausgerichtet, diesmal schießt Markus wieder die Schrauben in den Boden.

In der Mittagspause kommen wir dann doch noch einmal ins Gespräch. Markus erzählt mir, dass sein Arbeitgeber einen maßgeblichen Einfluss darauf hat, dass er auch jetzt noch unbedingt als Maurer arbeiten möchte und sogar Meister werden will. „Ich darf überall ran und viel machen“, sagt er. „Wenn mal was nicht passt, wird es halt neu gemacht.“ Außerdem habe das kleine Unternehmen viele Aufträge, die größere Firmen nicht mehr übernehmen. „Vor allem die alte Maurerkunst bekomme ich hier noch mit“, betont er. Nach seinem Meister möchte Markus deswegen auch in seinem bisherigen Betrieb bleiben. „Um Erfahrungen zu sammeln“, sagt er.

Nicht so leicht, wie es aussieht

Ein rückwärts einfahrender Laster beendet unsere Pause: Der Beton für Haus Nummer zwei ist da. Jetzt muss alles schnell gehen. Markus, seine zwei Kollegen und sein Chef ziehen sich die quietschegelben Gummistiefel und Helme über, verteilen den Beton auf der Fläche und ziehen ihn anschließend glatt. Auch daran darf ich mich versuchen und stelle schnell fest: Es ist nicht so leicht, wie es aussieht. Die zähflüssige Masse ist widerspenstig und ich habe kein Gefühl dafür, wo schon genug Beton ist und wo nicht. Ein exakt kalibriertes Lasermessgerät hilft zum Glück aus.

Eine Stunde lang brauchen wir, dann ist alles fertig und der Beton kann trocknen. „Das war die sogenannte Sauberkeitsschicht“, erklärt Markus. Der allererste Schritt beim Hausbau sei der aufgefüllte Boden dort, wo das Gebäude später stehen soll. Diese Schicht besteht aus Sand. Darüber kommt eine Folie, „damit der Beton nicht direkt Wasser zieht“, und darauf wird die Sauberkeitsschicht betoniert. „Die sorgt dafür, dass alles gerade und tragfähig ist“, sagt Markus.

Als ich meinen blauen Helm ausziehe und wieder bereits getrockneten Boden unter den Füßen habe, verstehe ich, was Markus an der Vielfalt schätzt. Nach einigen Wochen Bauzeit ein Haus mit den eigenen Händen errichtet zu haben – das muss ein tolles Gefühl sein. Und tatsächlich: Durch die vielen unterschiedlichen Aufgaben waren auch genug Tätigkeiten dabei, bei denen ich mit meinem überschaubaren handwerklichen Geschick aushelfen und mit anpacken konnte.

Markus scheint zufrieden: „Du hast die Aufgaben und die Arbeit gesehen und direkt mit angepackt, das war wirklich super für den ersten Tag!“ Ehrlich erfreut verabschiede ich mich – und bin trotz allem Spaß auf der Baustelle froh, gleich wieder in der Redaktion zu sein.

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