Aachen - Die richtigen Worte finden: keine leichte Aufgabe

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Die richtigen Worte finden: keine leichte Aufgabe

Von: Marie Ludwig
Letzte Aktualisierung:
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Aachen . Ein Text muss geschrieben werden – also bloß keinen Fehler machen! Die richtigen Worte zu finden, ist nicht immer leicht.

Und genau für solche Fälle gibt es ihn: Frank Schilden. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft der RWTH Aachen und hat neben seiner Promotion und der Lehre auch noch eine ganz besondere Aufgabe: Er leitet das Aachener Sprachtelefon. Wochentags ist er zwei Stunden lang für alle Fragen rund um Sprache da und das seit sechs Jahren.

„Man erlebt schon einiges“, erzählt Schilden. Durchschnittlich rufen ihn vier Leute pro Tag an. Die Fragen sind vollkommen unterschiedlich. Ob wissenschaftlicher Text oder Traueranzeige: „Oft geht es um Zeichensetzung, aber auch um konkrete Formulierungen.“

Meist sind es Personen, die beruflich viel mit Schreiben zu tun haben. „Lehrer, Sekretärinnen – manchmal werde ich auch auf Lautsprecher in Büros gestellt, um mit allen zu diskutieren“, sagt er. Das findet er besonders erheiternd an dieser Aufgabe: „Man weiß nie, was auf einen zukommt!“

Das grammatische Telefon hat der inzwischen emeritierte Professor Christian Stetter an der RWTH bereits in den 90ern ins Leben gerufen. Weil die finanziellen Mittel wegfielen, konnte der Servicedienst zunächst nicht dauerhaft bestehen bleiben.

Erst 2010 entschloss sich das Institut, das Angebot wiederaufleben zu lassen. „Wir haben einfach ständig Anfragen bekommen, ob es das Grammatiktelefon noch gibt“, erzählt Schilden. Denn dieses hat neben dem Dudensprachtelefon Alleinstellungsmerkmal. „Bei mir rufen freie Autoren, Lyriker und Privatpersonen aus dem ganzen Bundesgebiet an“, sagt er.

In ästhetischen Fragen gibt es natürlich kein Richtig oder Falsch. Tipps und seine Meinung gibt Schilden trotzdem gerne preis. Nur wenn Übersetzer anrufen, kommt Schilden an seine Grenzen: „Ich spreche eben nicht fließend Ungarisch!“ Ungemütlich wird es für ihn am Telefon nur, wenn die „Kulturpessimisten“ anrufen. „Diese wollen von mir, dass ich die Sprache rette“, sagt Schilden. Denn viele ältere Menschen verfolgen den Sprachwandel skeptisch bis garstig und sehen im Jugendslang oft einen Verfall der Sprache.

Schilden sieht das anders: „Wandel gehört unweigerlich mit dazu und schlussendlich kann jeder entscheiden, welche Sprachebene er nutzt.“ Was er jedoch bedenkenswert findet, ist der Mangel an politischer Korrektheit – insbesondere in Sozialen Netzwerken.

Sprachliche Fehler hingegen sieht Schilden entspannter. „Ein Fehler beim Schreiben darf einem durchaus mal passieren“, sagt er. Mehren sich die Fehler jedoch, dann wird es unangenehm. „Gesellschaftlich bedingt stufen wir die Person unbewusst als dumm ein“, sagt er. Wer also beim nächsten wichtigen Text eine grammatikalische oder sprachliche Frage hat und auf Nummer sicher gehen will, kann Schilden anrufen: montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr unter  0241/80-96074.

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