Der Hidschab ist auch zum sozialen Symbol geworden

Von: lk
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Aachen . Wo liegen die Ursprünge des Kopftuchs als religiöses Symbol? Wir Hier hat bei Prof. Simone Paganini, der an der RWTH Aachen Biblische Theologie lehrt, nachgefragt.

Wir Hier: Worauf ist das Tragen eines Kopftuchs im muslimischen Glauben zurückzuführen?

Simone Paganini: Beim Tragen eines Kopftuchs handelt es sich um ein Gebot, das meist anhand von drei Textpassagen des Korans begründet wird. In der 24. Sure geht es um sittsames Verhalten. Frauen sollen einen Himar tragen, ein großes um Kopf und Schultern drapiertes Umschlagtuch – wohl, um ihr Dekolleté beziehungsweise ihren „Schmuck“ bzw. ihre Haare zu bedecken.

In der 33. Sure kommt das Wort Hidschab, die heutige Standardbezeichnung für das Kopftuch, vor, hinter dem die Gattinnen des Propheten vor den Blicken fremder Männer abgeschirmt werden sollten. Die Grundbedeutung des arabischen Wortes bedeutet so viel wie Absperrung oder Vorhang.

In der gleichen Sure wird außerdem eine Begründung für ein weiteres Kleidungsstück angeführt, das bei den alten Arabern nur freie Frauen, nicht jedoch Sklavinnen außerhalb des Hauses trugen. Dies war gleichsam ein Merkmal ihres sozialen Status. Streng genommen schreibt keiner der drei Korantexte explizit irgendeine Kopfverschleierung vor. Sie wurden dennoch seit der älteren islamischen Tradition im Sinne einer solchen Vorschrift interpretiert.

Wir Hier: Ist das Kopftuch ein rein religiöses oder auch ein soziales Symbol?

Paganini: Nach der islamischen Revolution im Iran und der Machteroberung in Afghanistan durch die Taliban wurde der islamische Hidschab auch zum politischen Symbol gegen die westliche Kultur. Den Islamisten ist es gelungen, den Hidschab auch in westeuropäischen Gesellschaften als politisches und soziales Symbol zu etablieren.

Er ist heute immer mehr zu einem sozialen Symbol geworden, allerdings nicht nur im negativen Sinne, viele Frauen entscheiden sich bewusst für den Hidschab als Zeichen eines bewussten Islams, nicht nur im Gegensatz zu einer als mehr oder weniger feindlich erlebten westlichen Gesellschaft, sondern auch als Gegensatz zu einem gewalttätigen und politisierten Islam.

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