Das Leben als Hebamme: Zur Seite stehen. Egal, was passiert.

Von: Laura Laermann
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Hebamme Valena Maruhn (r.) begleitet Frauen bei der Geburt, so wie Mona Klär, die vor wenigen Tagen Leona zur Welt gebracht hat. Foto: Laura Laermann
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Arbeitet seit 2013 als Hebamme: Valena Maruhn. Foto: Laura Laermann

Aachen. Das Leben ist ein Wunder. Valena Maruhn hat schon viele dieser Wunder erlebt. Rund 130 Geburten hat die Hebamme bereits begleitet. Fast täglich steht sie Frauen in diesen intimen Momenten bei. Sie wird Teil ihrer Privatsphäre – ein Privileg, wie sie sagt.

Für andere mag die Vorstellung abschreckend sein, für Valena ist es etwas Schönes, bei einer Geburt oder, wie sie es nennt, bei „einer Familienzusammenführung“ dabei zu sein. „Beängstigend war es nie für mich. Mich packt eher die Neugierde. Ich möchte dann nachempfinden, wie sich zum Beispiel eine Wehe anfühlt.“

Schon von klein auf faszinierten Valena Schwangere und Babys; eigentlich war für die 27-Jährige immer klar: „Ich möchte Hebamme werden“. Nach dem ersten gescheiterten Bewerbungsversuch folgte sie dem elterlichen Rat, Bürokauffrau zu werden. Doch das war es einfach nicht. Sie schloss die Ausbildung ab und begann die nächste: diesmal ihre Wunschausbildung zur Hebamme.

Seit 2013 arbeitet Valena nun im Aachener Luisenhospital. An diesem Vormittag ist es ruhig im Kreißsaal – ein seltenes Bild, wenn man auf die vergangenen zwei Monate zurückblickt. Dann wurden auch mal fünf bis sieben Kinder an einem Tag geboren, sagt Valena. Doch das ist ihr immer noch lieber als am Schreibtisch zu sitzen. Ihr gefällt die Vielseitigkeit ihres Berufs und sie hat auch einen Hang dazu, Menschen etwas Gutes tun zu wollen. Als Hebamme begleitet Valena schwangere Frauen von der Kreißsaalbesichtigung bis zur Nachbetreuung. Ein großer Teil ihrer Arbeit sind medizinische Aufgaben wie zum Beispiel Ultraschalluntersuchungen, die Kontrolle der Herztöne des Kindes oder der Fruchtwassermenge.

Doch ein anderer wichtiger Part ist der Umgang mit den Frauen. Viele haben Angst oder wissen nicht, was sie erwartet. Dann ist es Valenas Aufgabe, sie aufzuklären, ihnen Mut zu machen und Vertrauen aufzubauen. Die Grenzen legt dabei jede Frau individuell fest. So gebe es Frauen, die bei der Geburt die Unterstützung der Hebamme durch eine Massage wünschen. Andere möchten keine Berührung und sind voll auf sich konzentriert, erklärt Valena. Gerade diese Unterschiede machen ihren Beruf so interessant, sagt sie. „Jede Geburt ist anders. Es ist immer wieder etwas Besonderes.“ Die größte Herausforderung für Valena ist es dann, den Überblick zu behalten und den Wechsel zwischen den Frauen in den Kreißsälen nicht nur aus medizinischer Sicht zu meistern. Auch emotional muss sie wissen, wo welche Frau gerade steht.

Ist eine Hebamme dann eine Art Seelsorger? „In gewisser Weise schon“, sagt Valena und lacht. „Viele Frauen erzählen einiges aus ihrem Privatleben.“ Eine Hebamme erfährt nicht nur ziemlich viel, sondern kommt einer Frau auch ziemlich nahe, dafür dass sie eigentlich eine Fremde ist. Empathie ist dabei eine wichtige Fähigkeit für eine Hebamme, denn es ist ihre Aufgabe, einer Frau in einer Extremsituation, die mit Schmerzen, Schreien und Angst verbunden sein kann, mit Ruhe zur Seite zu stehen. Am liebsten sind Valena jedoch die Geburten, bei denen die Frauen nur wenig Hilfe benötigen: „Es ist dann schön zu sehen, wenn eine Frau viel Vertrauen in sich selbst hat und davon getragen wird“, sagt sie. „Wenn das Band zwischen Mutter und Kind stark ist, gelingt die Geburt von alleine.“

Beruf mit Schattenseiten

Allerdings erlebt eine Hebamme auch traurige Momente. Wenn ein Leben erlischt, bevor es überhaupt beginnen kann. Valena war erst einmal bei einer Totgeburt dabei. Eine besonders schwere Erfahrung für die junge Frau. Aber für sie war es selbstverständlich, für die Eltern stark zu bleiben, offen damit umzugehen und sich nicht abzukapseln. Ihre Gefühle hat sie nicht versteckt, sondern gezeigt: „Ich trauere mit.“

Lange hat sie darüber nachgedacht, mit Kollegen gesprochen und sich selbst reflektiert. Am Ende musste sie es hinnehmen, doch konnte daran wachsen, sagt sie. Valena liebt ihren Job und dafür nimmt sie auch die Schattenseiten in Kauf. Dazu zählen auch Schichtdienst, Überstunden, Wochenendarbeit und ein geringer Lohn. Selbst wenn viele ihrer Freunde es nicht nachvollziehen können, Valena kommt damit klar. Auch wenn sie sich mehr Wertschätzung für ihren Beruf wünscht. „Vielen ist nicht bewusst, welche Verantwortung eine Hebamme hat“, sagt sie. „Nach dem Hebammengesetz ist ein Arzt sogar dazu verpflichtet, bei einer Geburt eine Hebamme hinzuzuziehen.“

Obwohl die Haftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen sehr teuer ist, will Valena es sich nicht nehmen lassen, ab November in der Nachsorge zu arbeiten. Denn sie ist motiviert und will beruflich so viel mitnehmen wie nur möglich. Und irgendwann, da ist sie sicher, ist es auch für sie selbst an der Zeit, zu erfahren, wie es sich anfühlt, ein Kind zu bekommen.

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