Aachen - Auf Spurensuche in der Heimat

Auf Spurensuche in der Heimat

Von: Vivien Nogaj
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Von Anhängern gefeiert: Am Tag vor den Präsidentschaftswahlen in Albanien macht eine Oppositionspartei Werbung. Foto: Floris van Bodegraven
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Liebt das Reisen: Arben Bacaj. Foto: Brittany Brian

Aachen. In Arben Bacajs Brust schlagen zwei Herzen. Der 25-Jährige wurde in Aachen geboren, sein Vater ist gebürtiger Albaner. Ein Teil der Familie lebt noch dort. Bis zu seinem 14. Lebensjahr war Arben nie in seiner Heimat, hatte kaum Bezug zu ihr.

Nach dem Abitur änderte sich das. Arben studierte Deutsch als Fremdsprache, wollte verschiedene Kulturen kennenlernen und in internationalen Organisationen arbeiten. Ganz besonders wollte er aber eines: die Demokratie in seinem Heimatland unterstützen und dessen Entwicklung innerhalb Europas voranbringen.

„Ich war schon immer an anderen Kulturen interessiert“, sagt Arben. Das sei auch der Grund, warum er sich zunächst Deutsch als Fremdsprache und später International Studies als Studienfach ausgesucht habe: „So konnte ich andere Länder erkunden und im Gegenzug etwas von der deutschen Kultur in die Welt tragen“, sagt er. Arben reiste für Praktika, Studienfahrten und Auslandssemester nach Spanien, Dänemark, in die Türkei, nach Russland, Vietnam und Südkorea.

Dabei merkte er als deutscher Staatsbürger, welche wichtige Rolle Deutschland in Europa spielt: „Wir haben uns von einem Land, das einst mit seinen Nachbarn zerstritten war, zu einer tragenden Rolle in der Europäischen Union entwickelt“, sagt Arben. Diesen Fortschritt wünscht er sich auch für Albanien: „Ich will einen Beitrag leisten, dass mein Heimatland einen ähnlichen europäischen und friedlichen Lösungsweg mit seinen Nachbarn gehen kann.“ Dafür sei es auch wichtig, dass die Demokratie innerhalb des Landes funktioniert, findet er.

Als Arben Anfang des Jahres in Dänemark seinen Master in International Studies macht, wurde er auf „Silba“, eine gemeinnützige, überparteiliche Jugendorganisation, aufmerksam, die sich für Demokratie und den Dialog zwischen Ost- und Westeuropa einsetzt.

Prinzipien freier Wahlen einhalten

Mit „Silba“ reiste er als Wahlbeobachter in sein Heimatland, als im Juni dieses Jahres die dortigen Präsidentschaftswahlen anstanden: „Das war für mich eine spannende Chance, zu sehen, wie gut Demokratie in Albanien gelebt wird. Außerdem konnte ich meinen Teil für eine saubere Durchführung der Wahl beitragen.“

Arben beurteilte mittels Fragebögen, ob die Prinzipien demokratisch freier Wahlen eingehalten wurden. „Ich musste beispielsweise darauf achten, ob immer nur eine Person in die Wahlkabine geht und ob die Wahlbox tatsächlich versiegelt bleibt“, erklärt er seine Aufgaben.

Was in Deutschland selbstverständlich scheint, ist in Arbens Heimat noch ein langer Weg: Albanien hat sich erst vor einigen Jahren von einem kommunistischen Land zu einer demokratischen Republik entwickelt. „In der Vergangenheit kam es häufig vor, dass Politiker oder Wähler käuflich und die Wahlen somit von Korruption geprägt waren“, sagt Arben.

Diese Beobachtung machte Arben in den zehn besuchten Wahllokalen der Hauptstadt aber nicht. Arbens Eindruck war positiv. Die Wahlen verliefen ruhig und ordentlich, sagt er. Seine Ergebnisse hat er gemeinsam mit weiteren Wahlhelfern in Auswertungen zusammengetragen. „Diese wurden dann internationalen Organisationen wie der Europäischen Union und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zugesandt. Dort wird die Bewertung des Demokratisierungsprozesses festgehalten“, sagt Arben.

Durch die Arbeit als Wahlhelfer ist er seinem Heimatland nähergekommen. Er weiß nun, wie bemüht sich Albanien in Richtung Europäische Union bewegt und hat darüber hinaus die Verbundenheit mit seinen Landsleuten gespürt.

Aber nicht nur das: „Ich habe durch das Projekt auch das Leben und die Demokratie in Deutschland zu schätzen gelernt“, sagt er. Die Erfahrung habe seinen Wunsch verstärkt, als deutscher Repräsentant auch in anderen Ländern Südosteuropas und der ehemaligen Sowjetunion den Entwicklungsprozess voranzubringen. Das nächste Projekt steht für Arben schon: Er wird im Februar ein Praktikum bei der Deutschen Botschaft in Georgien beginnen.

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