Aachen - Abhängig macht das Internet, nicht das Handy

Abhängig macht das Internet, nicht das Handy

Von: Katharina Menne
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Bert te Wildt leitet die Medienambulanz der LWL-Universitätsklinik in Bochum und ist Experte für Internetsucht. Foto: Kierzkowski

Aachen . Studien zeigen, dass junge Leute bis zu 200 Mal am Tag aufs Smartphone schauen – also alle fünf bis zehn Minuten. Aber: Ab wann wird das zu einer ernsthaften Sucht? Wir Hier hat Bert te Wildt interviewt. Er ist Experte für Internetsucht.

WirHier: Herr te Wildt, wie oft schauen Sie selbst am Tag auf Ihr Smartphone?

Bert te Wildt: Ich muss eins vorweg schicken: Ich finde die digitalen Medien super. Mich interessiert und begeistert das. Aber von Berufs wegen kenne ich natürlich die Risiken und versuche mich deswegen auf besondere Zeiten und Orte zu beschränken. Doch so zwei- bis viermal in der Stunde schaue ich drauf.

WirHier: Ist das viel?

te Wildt: Meine Smartphonenutzung ist noch gering im Vergleich zu Jugendlichen. Studien zeigen, dass sie sich deutlich öfter und länger mit ihrem Handy beschäftigen. Das alleine reicht aber noch nicht aus, um von einer Sucht zu sprechen – da gehört noch mehr dazu.

WirHier: Was denn zum Beispiel?

te Wildt: Zu einer Sucht im engeren Sinn wird es dann, wenn Begleiterscheinungen dazu kommen und bestimmte Lebensbereiche davon beeinflusst werden: Das fängt im sozialen Bereich an, geht über eine verschlechterte Konzentrationsfähigkeit bis hin zu Folgen wie Sehstörungen oder Haltungsschäden. Manche riskieren sogar ihr Leben wegen ihrer exzessiven Smartphonenutzung: Die tödlichen Unfälle durch Handys am Steuer nehmen zu und auch die Unglücke im Zusammenhang mit riskanten Selfies. Ich würde aber weniger von einer Smartphoneabhängigkeit reden, sondern vielmehr von einer Internetabhängigkeit.

WirHier: Warum? Wo ist der Unterschied?

te Wildt: Das Smartphone ist nur die Hardware. Es erleichtert den Zugang zum Internet, weil man es immer bei sich hat – es ist also gewissermaßen die Einstiegsdroge. Abhängig ist man aber von der Software, also von den Spielen, Sozialen Medien oder Dating-Apps.

WirHier: Haben Sie Tipps, wie man verhindert, dass es überhaupt so weit kommt?

te Wildt: Viele Menschen haben keine Vorstellung davon, wie oft und lange sie eigentlich online sind. Der erste Schritt ist also, sich bewusst zu machen, wie viel Zeit das Internet einnimmt. Apps wie „Offtime“ oder „Menthal“ helfen dabei, die Benutzung zu analysieren. Und dann sollte man sich Regeln aufstellen, wann man die Geräte mal aus der Hand legt und sie bewusst ignoriert. Am besten ist es ohnehin, den Tag analog zu beginnen und auch zu beenden. Smartphones sollten weder den Wecker noch die Abendlektüre ersetzen – dann schläft man auch besser.

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