Aachenerin bei Deutschen Meisterschaften: Ehrgeizig, aber nicht verbissen

Von: Laura Laermann
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Bei den Deutschen U23-Meisterschaften 2016 in Bochum platziert sich Kira von Ehren (Mitte) mit einer Zeit von 4:29,24 Minuten als Sechste. Foto: imago/Beautiful Sports
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Kira von Ehren. Foto: Laura Laermann

Aachen/Düsseldorf. Der Rhein funkelt unter der Flut des Sonnenlichts. Der Wind bläst die Wärme von der Haut. Erfrischend. Der perfekte Tag zum Laufen. Zehn Kilometer stehen heute noch für Kira von Ehren auf dem Plan – ein lockeres Regenerationstraining für die Leistungssportlerin am Rheinufer. Die 21-jährige Aachener Studentin absolviert zurzeit ein dreimonatiges Praktikum in Düsseldorf. So kommt sie in den Genuss einer anderen Trainingsstrecke. Dass sie nach einem langen Arbeitstag das Training mal ausfallen lässt, ist keine Option, denn Kira von Ehren hat viel vor. Und so steht das Training immer an erster Stelle.

Von Ehren will bei den Deutschen Meisterschaften der Männer und Frauen im Juli und drei Wochen zuvor in der U23 in die Finalläufe einziehen. Dann tritt sie gegen die besten Läuferinnen Deutschlands an. Für alle ihre drei Mittelstrecken-Distanzen – 800, 1500 und 5000 Meter – hat sie sich qualifiziert. „Das hätte ich niemals gedacht“, sagt die Läuferin und strahlt.

Sportplatz der RWTH

Also wird weiter trainiert. Sechs Einheiten pro Woche. Von Sprint bis Dauerlauf. Meist kommt noch Stabilisationstraining hinzu. Sport und Studium zu verbinden, ist ihr immer gut gelungen. Dabei hilft ihr ein Plan, den ihr Trainer wöchentlich für sie aufstellt. Angepasst an die Vorlesungszeiten teilt sie sich das Training flexibel ein. Die Mittagspause beim Lernen wird dann schon mal zur Laufeinheit: „Danach kann ich mich besser konzentrieren.“ An einem vollgepackten Unitag zieht sie die harten Tempoläufe lieber am Abend auf der Aschenbahn des Königshügels, dem Sportplatz der RWTH, durch.

Sie betrachtet das Training als Ausgleich zum Lernen, doch sie ist sich auch der Doppelbelastung bewusst. Vor allem in der Klausurphase wird es schwieriger. Daher sind genügend Schlaf und eine gesunde Ernährung für die Leistungssportlerin selbstverständlich.

Auch so etwas vermeintlich banales wie das Essen wird bei Kira von Ehren egnau geplant. Das richtige Mahlzeitenmanagement sei nicht zu unterschätzen, sagt sie und erklärt: Um nicht mit vollem Magen zu trainieren, achtet sie darauf, wann sie wie viel isst. Da das Mittagessen heute schon länger her ist und gleich noch der Dauerlauf ansteht, gönnt sie sich noch eine Portion Datteln im Speckmantel – ein guter Energielieferant, sagt die 21-Jährige.

Ihr Training absolviert Kira von Ehren allein. Eine passende Trainingsgruppe oder einen Laufpartner hat sie in Aachen bisher nicht gefunden. Umso beeindruckender scheint es, dass sie immer motiviert bleibt und sich kontinuierlich steigert. „Ich will die Chance nutzen: Jetzt habe ich noch Zeit zum Trainieren, im Arbeitsleben wird das schwieriger.“ Auch wenn nicht jedes Training Spaß macht, weiß sie: Das Gefühl danach ist gut. Selbst wenn es kalt ist und regnet, bleibt sie konsequent: „Man muss trotzdem raus, wenn man gut sein will.“ Und genau deshalb packt sie ihr Training auch noch an den langen Praktikumsarbeitstag. Der Job stresse sie mehr als die Uni. Aber: „Ich will mit dem Laufen jetzt unbedingt so weitermachen“, sagt die 21-Jährige, die an der RWTH Wirtschaftsingenieurwesen studiert.

Das Ziel: Bestzeit knacken

Der Erfolg treibt Kira von Ehren immer weiter an. Jahrelang spielte sie Hockey, bis sie sich im Leichtathletikverein Bayer Uerdingen plötzlich als Lauftalent entpuppte. Letztlich merkte sie: „Beim Laufen kann ich mehr erreichen als beim Hockey.“ Vor allem auf ihrer Lieblingsdistanz über 1500 Meter kann sie an ihre Grenzen gehen. Dreidreiviertel Runden sind das auf dem Sportplatz. Schon die ersten Meter können über den Rennverlauf entscheiden, erklärt die Sportlerin. Wenn noch zwei Runden zu laufen sind, wird es meist schwer: „Ab dann darf man nicht mehr darüber nachdenken, ob man sich gut fühlt oder nicht“, erklärt sie. „Ich sage mir dann immer: Nein, Kira, lauf einfach mit. Keine Lücken lassen. Zieh dran. Große Schritte.“ So motiviert sie sich.

Die 21-Jährige ist ehrgeizig, aber nicht verbissen. Im Gegenteil: Sie wirkt gelassen, wenn sie über ihre Ziele spricht, ist fröhlich und lacht viel. In erster Linie will sie sich stets selbst verbessern. Auch bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt – ein Traum der für sie in Erfüllung geht – lautet das Ziel: Bestzeit. Wenn gleichzeitig noch eine gute Platzierung dabei herausspringt, freut sie sich umso mehr. Nach der Saison liegt der Fokus dann wieder auf der Uni und ihrer Bachelorarbeit. Anschließend will sie sich einen weiteren Traum erfüllen: Ein Auslandssemester in den USA steht dann auf ihrem Plan.

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