Tihange/Aachen - Tihange könnte noch lange am Netz bleiben

Dossier Tihange

Tihange könnte noch lange am Netz bleiben

Von: Madeleine Gullert und René Benden
Letzte Aktualisierung:
Tihange
Verlängerung statt Abschaltung? Der Direktor des Kraftwerks Tihange kann sich eine deutlich längere Laufzeit vorstellen. Foto: Oliver Berg/dpa

Tihange/Aachen. Der Betreiber der umstrittenen belgischen Atommeiler Tihange 2 und Doel 3 kann sich eine Laufzeitverlängerung über das Jahr 2022 hinaus gut vorstellen.

„Wir sind der Meinung, dass die Nukleartechnologie, die kein CO2 emittiert, für die nächsten zehn bis 20 Jahre eine Übergangstechnologie darstellen kann, um erneuerbare Energien auszubauen“, sagte Jean-Philippe Bainier im Interview mit unserer Zeitung.

Bainier leitet das Kraftwerk seit drei Monaten, zuvor war der Franzose Leiter des ebenfalls umstrittenen AKW Fessenheim. Die stetig wachsende Zahl der Risse in den Druckbehältern von Tihange 2 und Doel 3 begründete Bainier mit abweichenden Messpositionen. Er betonte, dass die Wasserstoffeinschlüsse nicht gefährlich seien: „Tihange ist absolut sicher.“

Die neueren Reaktoren – Doel 3, Doel 4, Tihange 2 und Tihange 3 – könnten durchaus gut genutzt werden, um die Stromversorgung sicherzustellen. „Nirgendwo steht geschrieben, dass AKW nur 40 Jahre funktionieren. AKW laufen üblicherweise 60 Jahre problemlos“, sagte Bainier. Letztlich müsse aber die Politik die Richtung vorgeben. Nach derzeitiger belgischer Rechtslage müssten die umstrittenen Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 im Jahr 2022 außer Betrieb gesetzt werden, weil sie dann ihre maximale Laufzeit von 40 Jahren erreicht haben.

Eigentlich hat Belgien den Atomausstieg für das Jahr 2025 beschlossen. Allerdings hat die Regierung ein Gesetz zur Laufzeitverlängerung der Meiler Doel 1 und Doel 2 bis 2025 beschlossen. Die Meiler sind seit 1974/75 am Netz. Die N-VA (Neu-Flämische Allianz), der auch der zuständige Innenminister Jan Jambon angehört, plädierte massiv für einen Aufschub. Ein Atomausstieg Belgiens im Jahr 2025 sei nicht möglich, lautete die Einschätzung der Partei.

Hendricks: Das ist ein Irrweg

Bundesumweltministerin Barbara Hendriks (SPD) kritisierte die Haltung von Engie. Weltweit seien die Laufzeiten von Atomkraftwerken bei Inbetriebnahme zumeist auf 40 Jahre ausgelegt gewesen. Eine Verlängerung über 40 Jahre hinaus halte sie für einen Irrweg. „Ich werde mich mit allen mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten dafür einsetzen, dass eine Laufzeitverlängerung insbesondere von Tihange 2 und Doel 3 nicht erfolgt“, sagte Hendriks auf Anfrage unserer Zeitung. Aber am Ende sei es eine souveräne Entscheidung des belgischen Parlaments, bekräftigte die Ministerin gegenüber unserer Zeitung.

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