Dossier Tihange

Tihange-Gegner setzen auf eine „Kettenreaktion“

Von: Werner Breuer
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Die Initiatoren der Menschenkette gegen Tihange haben am Freitag am Drei-Länder-Punkt ihre Mobilisierungskampagne offiziell gestartet. Foto: Heike Lachmann

Region. Gut, dass der hoch gewachsene Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp so lange Arme hat. Das gibt schon eine ordentliche Spannweite her, wenn man Hand in Hand mit einer Menschenkette protestieren will. Und die Initiatoren dieser spektakulären Demonstration gegen die belgischen Atommeiler in Tihange haben sich eine gehörige Strecke vorgenommen.

Von Aachen über Maastricht und Lüttich bis zum umstrittenen Kernkraftwerke nahe der belgischen Stadt Huy an der Maas soll die Kette am 25. Juni reichen. „Das ist ein unglaublicher Kraftakt“, weiß Philipp. Immerhin gilt es, eine Strecke von rund 90 Kilometern mit protestierenden Menschen zu besetzen. Etwa 60.000 Teilnehmer sollten es werden, haben die Organisatoren errechnet, damit sich alle die Hand reichen können. Werden es weniger, dann müssten Lücken zum Beispiel mit Bändern überbrückt werden.

Wie sich Hand in Hand Grenzen überwinden lassen, haben die Initiatoren am Freitag zum Auftakt der Mobilisierungskampagne schon einmal vorgemacht. Marcel Philipp, Städteregionsrat Helmut Etschenberg und Vertreter verschiedener Initiativen wie dem „Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie“, dem „World Information Service on Energy“ oder der „Milieu Front Eijsden“ aus den Niederlanden sowie aus Belgien „Fin du Nucléaire“ in der „11 maart beweging“ (benannt nach dem Datum der Atomkatastrophe von Fuku-shima) reichten sich symbolträchtig am Drei-Länder-Punkt die Hände. Aber dort sind Deutschland, Belgien und die Niederlande ja auch gerade eine Armlänge voneinander entfernt.

Eine andere Hausnummer ist es, eine Kette von Deutschlands westlichster Großstadt Aachen über die südlimburgische Provinzhauptstadt Maastricht und die wallonische Metropole Lüttich bis nach Tihange zu bilden. „Wenn das gelingt“, meint Philipp, „wird das gesehen und gehört werden“.

Diese Aufmerksamkeit vermisst Städteregionsrat Helmut Etschenberg derzeit. Seine eingeleiteten juristischen Schritte gegen das wegen seiner häufigen Pannen grenzüberschreitend berühmt gewordene Kraftwerk hatten zwar für Wirbel gesorgt, aber Etschenberg reicht das nicht. „Wir werden in Berlin nicht gehört mit unseren Sorgen.“ Als Indiz dafür wertet er auch die jetzt bekannt gewordene Lieferung von Brennelementen aus Deutschland nach Tihange mit dem Segen der Bundesregierung – was übrigens der Antwerpener Marc Alexander und seine Mitstreiter von der „11 maart beweging“ nicht klaglos hinnehmen wollen.

Dessen wallonischer Landsmann Benoît Dupret aus dem Raum Lüttich setzt beim Protest gegen die Atomkraft stark auf die internationale Zusammenarbeit. „In Belgien sind die Leute nicht leicht zu motivieren“, berichtet er, das Denken sei ein anderes. Viele Menschen aus der Umgebung von Tihange hätten schließlich auch Arbeit gefunden im Kraftwerk.

International sei auch die Atomenergie organisiert, erklärt Jörg Schellenberg vom Aachener Aktionsbündnis. Das zeige nicht zuletzt die Lieferung der Brennelemente. Deshalb dürfe sich auch der Widerstand dagegen nicht an nationalen Grenzen auseinanderdividieren lassen. „Wir müssen uns Hand in Hand gemeinsam wehren“, appelliert Schellenberg. Es werde sicher ein schwieriger Weg, meint Rob Hoenen von der „Milieu Front Eijsden“. „Aber wir werden das schaffen.“

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