Dossier Tihange

Teile der Jodtabletten sind abgelaufen

Von: mgu
Letzte Aktualisierung:
Jodtabletten
Weil ein Teil der Jodtabletten, die im Falle eines atomaren Unglücks verteilt werden sollen, abgelaufen sind, wird zurzeit Nachschub produziert. Foto: dpa

Aachen/Düsseldorf. Ein Teil der Jodtabletten, die im Falle eines atomaren Unglücks verteilt werden sollen, sind nicht ausgabefähig. Die in den Kreisen gelagerten Tabletten zerbröseln, weil die Haltbarkeit überschritten ist, wie das NRW-Innenministerium unserer Zeitung auf Nachfrage bestätigte.

„Das sei bei einer routinemäßigen Überprüfung aufgefallen. Ersatz werde aber beschafft. Eine europaweite Ausschreibung dazu ist schon gelaufen“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Aachen ist nach Angaben der Stadt von Sonntag nicht davon betroffen.

Jodtabletten sollen im Fall eines atomaren Unglücks gegen Schilddrüsenkrebs helfen. Zurzeit werden die Tabletten in den Kommunen zentral gelagert. Noch in diesem Jahr sollen die Tabletten aber vorab verteilt werden. Es ist Teil des Katastrophenschutzkonzepts rund um den umstrittenen belgischen Atommeiler Tihange 2 bei Lüttich, der Luftlinie nur 60 Kilometer von der Aachener Stadtgrenze liegt. In seinem Reaktordruckbehälter befinden sich Tausende Haarrisse.

Vor 13 Jahren gekauft

Bis der in unserer Region geplanten Vorabverteilung der Tabletten im Herbst, sei der Nachschub längst da, sagte der Ministeriumssprecher. Die Tabletten befänden sich derzeit in der Produktion. Außerdem handele es sich nicht um alle Tabletten, sondern lediglich um einen „sehr kleinen Teil“, der vor 13 Jahren beschafft worden sei. Betroffene Chargen würden ausgetauscht, Altbestände vernichtet.

Was aber, wenn es jetzt zu einem atomaren Unglück käme? „Dann würden Jodtabletten aus anderen Bezirken hergebracht“, erklärte der Ministeriumssprecher.

„Das ist kein Bevölkerungsschutz, sondern Bevölkerungsgefährdung von höchster Stelle“, kritisierte die NRW-Landtagsabgeordnete Ulla Thönnissen (CDU).

Wer vorsorgen möchte, kann sich für einige Euro jederzeit selbst Jodtabletten in der Apotheke kaufen. Im Falle eines Falles müssen sie aber nach genauen Anweisungen eingenommen werden, weil der Zeitpunkt entscheidend ist. Wer älter als 45 Jahre ist, sollte beim Hausarzt abklären, ob nicht eine Schilddrüsenerkrankung vorliegt. Andernfalls können Jodtabletten erheblich schaden.

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