Dossier Tihange

Studie: Tihange ist eine Gefahr für das ganze Rheinland

Von: René Benden
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Symbol Tihange Atomkraftwerk AKW Kernkraftwerk Atomenergie Atomkraft Foto: Andreas Steindl
Schlechte Nachrichten für die Region: Im Falle eines katastrophalen Unfalls im belgischen Kernkraftwerk von Tihange könnten weite Teile des Rheinlandes nuklearer Strahlung ausgesetzt werden. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Im Falle eines katastrophalen Unfalls im belgischen Kernkraftwerk von Tihange, bei dem große Mengen Radioaktivität aus dem Reaktor entweichen, könnten weite Teile des Rheinlandes starker nuklearer Strahlung ausgesetzt werden.

Das geht aus einer Studie des Instituts für Sicherheit- und Risikoforschung der Universität Wien hervor, die am Donnerstag in Aachen von Wolfgang Renneberg vorgestellt wurde. Renneberg ist international Spezialist für Reaktorsicherheit.

Die Studie hat untersucht, wie sich eine radioaktive Wolke nach der Havarie eines Tihange-Reaktors verhält. Grundlage waren auch die Daten von rund 3000 repräsentativen Wettersituationen. Die Untersuchungen zeigen, dass die Region Aachen mit 30-prozentiger Wahrscheinlichkeit von erhöhter Strahlung betroffen sei.

Mindestens dreimal höher als der zugelassene Grenzwert ist in diesem Fall die radioaktive Dosis, die langfristig vom kontaminierten Boden eines gesamten Landstriches ausgeht. Selbst in Düsseldorf und Köln ergebe sich je nach Wetterlage noch die zehnprozentige Wahrscheinlichkeit, von ähnlich hoher Strahlung betroffen zu sein.

Als Folge eines solchen Unfalls müssten die Bewohner in ihren Wohnungen ausharren, bis sich die radioaktive Wolke verzogen hat. Die herabgesunkenen radioaktiven Staubpartikel, die sich in der Landschaft verteilen, blieben aber ein langfristiges Problem, das zu schwerwiegenden gesundheitlichen Belastungen für die komplette Bevölkerung führen könnte.

Die Studie skizzierte auch noch weitaus dramatischere Szenarien. So könne nicht ausgeschlossen werden, dass bei ganz ungünstigen Verhältnissen die Region Aachen der gleichen Strahlenbelastung ausgesetzt sei wie die Regionen von Tschernobyl und Fukushima. Dann würden große Teile der Region langfristig unbewohnbar werden. Eine groß angelegte Umsiedlung sei die Folge. Einen realistischen Evakuierungsplan könne es für ein solches Szenario nicht geben, da die Reaktionszeit zu gering sei.

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