Dossier Tihange

Reaktorunfall: Im Ernstfall keine Zeit zum Kofferpacken

Von: Svenja Pesch
Letzte Aktualisierung:
14635816.jpg
Kofferpacken im Zeichen des Super-GAU: Katrin Wolfrath (l.) und Ute Haupts zeigten ihre Wanderausstellung. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“. Die Zeile des bekannten Kinderspiels assoziieren die Wenigsten wohl mit Atomenergie. Doch Katrin Wolfrath und Ute Haupts zeigen innerhalb ihres Fotoprojektes, dass Kofferpacken nicht immer etwas mit Freizeitspaß und Urlaub zu tun hat. Im Gegenteil.

Unter dem Titel „Woanders gibt es nicht“ präsentierten die beiden Akteurinnen in Zusammenarbeit mit dem „Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie“ am Wochenende eine Wanderausstellung im KuKuK, die nachdenklich macht.

Auf 28 Bildern zeigen Menschen aus Belgien, den Niederlanden und aus Deutschland mit welchen Dingen sie das Land verlassen würden, wenn es mit den umstrittenen Reaktoren Tihange und Doel zum Super-GAU kommen würde. „Momentan setzen sich viele Leute für das Abschalten der Reaktoren ein, und im Rahmen dieser Aktionswelle kam uns die Idee zu dem Projekt“, erzählte Wolfrath.

Ausgerüstet mit einem roten Lederkoffer sollten die Menschen das einpacken, was sie mitnehmen würden. „Es ging nicht darum, dass sie die klassischen Überlebenssachen einpacken sollten, sondern die Dinge, an denen sie hängen, die ihnen etwas bedeuten“, sagte Haupts. So geben die Fotos einen ganz persönlichen Einblick in das Leben der Teilnehmer, die zwischen elf und 75 Jahre alt sind.

Ela, 43, lebt in Deutschland. Sie hat ihren großen Teddybär, eine Nena-CD und Pinsel eingepackt. Die 30-jährige Corinna packte ihr grünes Pflanzenbeet ein und Vera aus den Niederlanden würde das Land nicht ohne warme Socken und Familienfotos verlassen. So individuell die Menschen sind, so einzigartig sind auch ihre gepackten Koffer.

Doch die vielen bunten und zum Teil skurrilen Gegenstände lenken nicht von der ernsten Thematik ab. „Überall, jeden Tag, jede Nacht, jede Stunde kann es uns treffen: das nicht unwahrscheinliche Desaster nach einem Super-GAU. Dies ist die furchtbare Realität, die ich seit dem letzten Jahr, in dem sich die erschreckenden Nachrichten über die maroden, störanfälligen belgischen AKW „Tihange2“ und „Doel3“ anfingen dramatisch zu häufen, nicht mehr verdrängen kann“, erklärte Wolfrath.

Sie und Fotografin Haupts hoffen, dass ihre Aaktoren etwas bewegen kann, denn ein Super-GAU wie in Tschernobyl oder Fukushima kann grundsätzlich immer wieder geschehen, so lange Atomenergie genutzt wird. Und dann ist es vielleicht sogar zu spät, seinen Koffer zu packen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert