Atomkraftwerk: Zwischenfall in Reaktor Doel 1

Dossier Tihange

Reaktor Doel 1 nach Leck im Nuklearbereich heruntergefahren

Von: hau
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Doel Atomkraftwerk
Im Atomkraftwerk Doel musste der Reaktor 1 abgeschaltet werden.

Antwerpen/Aachen. Neuer Störfall in einem der beiden belgischen Kernkraftwerkstandorte: In Doel 1, gelegen an der Schelde bei Antwerpen, ist ein Leck an einer Wasserleitung im nuklearen Bereich entdeckt worden. Der Block 1 der Anlage mit einer Leistung von 433 Megawatt ist deshalb seit Montag stillgelegt worden.

Eine Sprecherin des Betreibers Engie Electrabel hat den Vorfall gegenüber dem Sender TV Oost bestätigt. Sie weist darauf hin, dass es nicht um ein radioaktives Leck gehe, sondern um ein Loch in einer Wasserleitung im Notkühlsystem. Der Kernkraftstandort Doel mit vier Blöcken befindet sich etwa 140 Kilometer Luftlinie von Aachen entfernt, er ist in der am dichtesten besiedelten Region Europas angesiedelt (mit neun Millionen Menschen im Umkreis von 75 Kilometern).

Ursprünglich war die Stillegung von Doel 1 mit routinemäßigen Unterhaltungsarbeiten begründet worden, später stellte sich heraus, dass es eine Undichtigkeit am Notkühlsystem gibt. Die Beseitigung verlaufe schwierig, meldeten belgische und niederländische Medien am Samstag, weil die radioaktive Strahlung in dem betroffenen Bereich groß ist und die Arbeiter sich immer nur kurze Zeit dort aufhalten können. Allerdings bestehe keinerlei Gefährdung für die Umgebung, betont die Sprecherin von Engie Electrabel, Nele Scheerlink. 

Eine echte Gefahr habe auch nicht bestanden, da aber alle Notsysteme tadellos funktionieren müssten, habe man beschlossen, den Block herunterzufahren. Die betroffene Leitung stehe unter einem hohen Druck, der nur geringfügig gesunken sei. Erst nach tagelanger Suche sei ein kleiner Riss entdeckt worden. Der Wasserverlust liege noch unter der Grenze, die eine automatische Notabschaltung hervorgerufen hätte. Außerdem sei das Kühlsystem doppelt ausgelegt, betroffen sei aber nur eine Leitung. 

Der Reaktor Doel 1, 1975 ans Netz gegangen und damit der älteste belgische Block, sollte ohnehin Ende Mai für Routinearbeiten bis zum 1. Oktober stillgelegt werden. Diese Arbeiten werden nun vorgezogen, um die defekte Leitung zu erneuern. Er war 2015 schon einmal stillgelegt worden, aber einige Monate später im Zuge der Laufzeitverlängerung um zehn Jahre wieder in Betrieb genommen worden. Sprecherin Nele Scheerlink war für unsere Zeitung nicht erreichbar.  Erst vor wenigen Tagen hatten Atomkraftgegner aus dem Dreiländereck reihenweise Strafanzeigen gegen den belgischen Staat und den Betreiber der AKW Doel und Tihange, etwa 65 Kilometer von Aachen entfernt, erstattet. Wegen zahlreicher Störfälle und tausender Risse in den Druckbehältern wächst in der Grenzregion die Angst vor einem Atom-Unfall.

 

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