Dossier Tihange

Notfallschutz Tihange: Bevölkerung soll Ruhe bewahren

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Die Städteregion hält an ihrem Plan fest, Feinstaubmasken zum Schutz von Kindern zwischen sieben und zwölf Jahren anzuschaffen. Das Land will die Übernahme der Kosten noch einmal prüfen. Foto: M. Grobusch

Städteregion. Wenn Ängste und Sorgen im Spiel sind, ist es schwer, sich in Geduld zu üben. Genau dazu aber ruft die Städteregion auf – und zu Besonnenheit. „Wir müssen Ruhe bewahren“, fordern Gregor Jansen und Marlies Cremer angesichts der nun auch in der Politik lauter werdenden Kritik, dass bei der Notfallschutzplanung zu wenig passiere und die Bevölkerung über die erforderlichen Maßnahmen im Falle einer Katastrophe im belgischen Atomkraftwerk Tihange nicht ausreichend informiert werde.

Auch die Diskussion im Ausschuss für Rettungswesen und Bevölkerungsschutz ging mitunter in diese Richtung, was den zuständigen Dezernenten der Städteregion und die Leiterin des Fachamtes dazu veranlasste, den aktuellen Stand zu erläutern.

Vorverteilung: Die Vorverteilung von Kaliumiodidtabletten ist weiterhin für den Herbst geplant. Ob sie tatsächlich schon im September beginnen kann, ist allerdings fraglich. „Wir arbeiten mit Hochdruck an dieser Thematik. Aber sie ist sehr komplex, weil mehr als 40 Behörden beteiligt sind“, betont Cremer. Nachdem das Land einer präventiven Abgabe der Tabletten an die Bevölkerung zugestimmt hat, laufen nun die Vorbereitungen für ein Bezugsverfahren, „das bürgerfreundlich und zugleich sicher ist“, so Jansen.

Eine wichtige Rolle kommt den regionsangehörigen Kommunen zu, denn sie verfügen über die Einwohnermeldedaten, die für das Ausstellen der Berechtigungsscheine – was überwiegend online geschehen soll – benötigt werden. Am nächsten Freitag werden mögliche Abläufe mit den Bürgermeistern erörtert.

Bei Vorlage eines Berechtigungsscheins sollen Bürger die Kaliumiodidtabletten in der Apotheke ausgehändigt bekommen. Aber auch diesbezüglich besteht laut Cremer noch Abstimmungsbedarf: „Im Altkreis Aachen gibt es 77 Apotheken. Mit jeder einzelnen muss geklärt werden, ob sie sich an der Ausgabe beteiligt. Und falls ja, zu welchen Konditionen“, gibt die Amtsleiterin zu bedenken.

Klar ist unterdessen schon, wer die Kosten für die Vorverteilung zu tragen hat: die Städteregion als untere Katastrophenschutzbehörde. Das Land hat eine Übernahme abgelehnt.

Feinstaubmasken: Die Städteregion ist nach Aussage von Gregor Jansen weiterhin entschlossen, gemeinsam mit der Stadt Aachen insgesamt 38.000 Feinstaubmasken für Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren anzuschaffen. „Wir müssen dazu aber noch ein Konzept erarbeiten“, bittet der Dezernent auch hier um Geduld.

Weil die sogenannten FFP3-Masken, die auch krebserregende und radioaktive Stoffe filtern, für Kinder nicht im Handeln erhältlich sind, verhandelt die Verwaltung derzeit mit Herstellern über eine Sonderproduktion. Unklar ist bis dato, wie die Verteilung der Masken an die Zielgruppe vonstatten gehen könnte. Und auch die Frage, ob nicht ein Schutz für Kinder unter sieben Jahren möglich ist, bleibt unbeantwortet.

Bislang war diese Altersgruppe in den Überlegungen stets ausgeklammert worden, weil für sie solche Masken, die originär für den Arbeitsschutz vorgesehen sind, gar nicht hergestellt werden. „Aber das macht mir Sorgen. Darüber müssen wir uns noch einmal Gedanken machen“, stellt Jansen fest. Gedanken machen will sich auch Ralf Jäger. Der NRW-Innenminister hat in einem Gespräch mit Städteregionsrat Helmut Etschenberg zugesagt, seine ablehnende Haltung zur Übernahme der Anschaffungskosten noch einmal zu prüfen.

Information: Die Infobroschüre, die den Arbeitstitel „Notfallschutz für die Umgebung des Atomkraftwerkes Tihange“ trägt, soll am 23. März auf der Euregio Wirtschaftsmesse vorgestellt werden. Das gut 20 Seiten starke Werk, das auch im Internet abrufbar sein wird, bietet unter anderem Erläuterungen zu den Themen Kernkraftwerke und Radioaktivität, gibt Hinweise auf Möglichkeiten der Vorsorge sowie Erklärungen zum Bezug und zur Einnahme von Kaliumiodidtabletten. Weitere Kapitel widmen sich der Information der Bevölkerung bei einem nuklearen Störfall sowie Verhaltensregeln für einen solchen Fall. Außerdem werden zahlreiche nützliche Links aufgeführt.

Kitas und Schulen: Bislang gibt es noch keine Regelung, wie sich Schulen und Kitas im Falle eines Störfalls zu verhalten haben. Darin sieht Gregor Jansen eine der nächsten wichtigen Aufgaben. „Wir müssen den Einrichtungen auf offiziellem Wege alle wichtigen Infos zukommen lassen“, betont der Dezernent. Ein Konzept dazu gibt es aber noch nicht.

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