Übach-Palenberg - Möglichen atomaren Störfall bei Wasserkonzession mitbedenken

Dossier Tihange

Möglichen atomaren Störfall bei Wasserkonzession mitbedenken

Von: Simone Thelen
Letzte Aktualisierung:
17172208.jpg
Dr. Winfried Schulte-Sperlich warnt vor den Folgen eines Gaus.

Übach-Palenberg. Dr. Winfried Schulte-Sperlich macht sich Sorgen. Sorgen darüber, wie die Menschen speziell in Übach-Palenberg im Falle eines Reaktorunglücks in Tihange oder Doel die schlimmsten Folgen der möglicherweise austretenden radioaktiven Strahlung von sich abwenden können.

Mit dieser Sorge ist der Facharzt für Innere Medizin und Umweltmediziner aus Übach-Palenberg nicht alleine. 26 Ärzte aus der Stadt stehen ihm zur Seite. Gemeinsam haben sie einen Brief an Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch und die Mitglieder des Stadtrates geschrieben, in dem sie ihrer Sorge Ausdruck verleihen.

Warum gerade jetzt dieses Engagement? Schon früher hatten Schulte-Sperlich und die Übach-Palenberger Ärzte davor gewarnt, dass das Eifeler Oberflächenwasser, welches man im Falle der Vergabe der Wasserkonzession an die Enwor einkaufen würde, im Zuge eines Atomunfalls radioaktiv verseucht werden könnte.

Nun steht aber ein neues Kapitel in der langen Geschichte der Wasserkonzessionen an. Schulte-Sperlich: „Donnerstagabend werden im Stadtrat die Angebote zur Vergabe der Wasserkonzession neu bewertet. Und wir sind der Meinung, dass dabei das wichtige Kriterium der Trinkwasserversorgung bei einem atomaren Gau in den Anforderungskatalog aufzunehmen und entsprechend seiner Wichtigkeit einzuordnen und zu berücksichtigen ist.“

Dieses Kriterium habe bisher keine Rolle gespielt. Auch viele Stadträte würden sich, so Schulte-Sperlich, inzwischen beklagen, dass dieses brisante Thema überhaupt nicht im Rat erörtert wurde. Es bestehe ein erhebliches Wissensdefizit und Aufklärungsbedarf.

Möglichst schadlos überleben

In dem Schreiben der Ärzte heißt es deshalb: „Mit diesem Schreiben wollen die Übach-Palenberger Ärzte keine Angst schüren, sondern wir suchen nach einem sicheren Weg, im Falle eines atomaren Gaus möglichst schadlos und gesund zu überleben. Dabei ist aus unserer Sicht ein ganz wichtiger Baustein, jederzeit in unbegrenzter Menge über radioaktivfreies Wasser zu verfügen.“

Der Brief erklärt auch den Hintergrund: Im Falle eines atomaren Unglücks sei das Grundwasser aus Brunnen durch dicke Erdschichten geschützt, während das Oberflächenwasser aus Talsperren jahrzehntelang radioaktiv verseucht bleibe. Um nicht an Verdurstung zu sterben, müsse jeder Übach-Palenberger nach Verbrauch des letzten Wassertropfens aus seinen Vorräten spätestens nach vier bis fünf Tagen seine schützende Wohnung (Kellerraum) verlassen.“

Würde nun das Wasser nicht von der Enwor, sondern von den Kreiswerken Heinsberg oder der Mönchengladbacher NEW AG, die sich ebenfalls an der Ausschreibung beteiligt hatten, kommen, stamme es nicht aus einer Talsperre sondern aus dem Grundwasser – aus Sicht der Ärzte die weitaus ungefährlichere Variante.

Aus dem Brief: „Bei einem Reaktorunfall mit einem Fall-out über Übach-Palenberg ist jeder Bürger einer schädlichen dreifachen Belastung ausgesetzt. Die unsichtbaren, geruchslosen und geschmackslosen radioaktiven Partikel werden eingeatmet, mit kontaminiertem Trinkwasser und Lebensmitteln verschluckt und verharren auf der ungeschützten Hautoberfläche. Bei ausreichend unbelastetem Wasser können zwei von drei Noxen eliminiert werden. (Anmerkung der Redaktion: Damit ist gemeint, dass man sauberes Trinkwasser zu sich nimmt und damit auch die kontaminierte Haut reinigen kann.)

Lobbyisten der Talsperren-Wasserinteressenten hätten bisher verbreitet, dass auch das tiefer gelegene Wasser einer Talsperre radioaktivfrei bleibe. Dem widersprechen die Ärzte entschieden: „Nach unserem kernphysikalischen Verständnis ist das unmöglich, da radioaktives Caesium 137 wie Kochsalz und Zucker wasserlöslich ist und nach einer Latenzzeit alle Schichten gleichmäßig durchsetzt.“

Und weiter: „Bezüglich der Wasserkonzessionsvergabe ist schon viel Steuergeld verbrannt worden, aber in den nächsten 30 Jahren wird noch viel mehr Geld damit erwirtschaftet. Wirtschafts- vor Gesundheitsinteressen, das geht gar nicht!

Es gilt immer noch der Grundsatz: Ethik vor Monetik! Dabei weisen wir ausdrücklich noch einmal darauf hin, dass Grundwasser preiswerter als Oberflächenwasser ist, da es schadstoffärmer und abakteriell ist. Alle Schadstoffe können aus dem Wasser entfernt werden, nur nicht Radioaktivität! Radioaktivität kann nur abklingen. Es gibt kein Entsorgungskonzept.“

 

Die Homepage wurde aktualisiert