Aachen - Initiative 3 Rosen will 500.000 Stimmen gegen Tihange sammeln

Dossier Tihange

Initiative 3 Rosen will 500.000 Stimmen gegen Tihange sammeln

Von: Madeleine Gullert
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Symbol Tihange Atomkraftwerk AKW Kernkraftwerk Atomenergie Atomkraft Foto: Andreas Steindl
Die Initiative 3 Rosen will insgesamt 500.000 Unterschriften gegen das AKW Tihange sammeln. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Endspurt ist eingeläutet. Herbert Gilles und Robert Borsch-Laaks haben ihr Ziel vor Augen. Die beiden Anti-Atom-Aktivisten wollen 500.000 Unterschriften gegen die umstrittenen Meiler Tihange 2 und Doel 3 sammeln – und zwar bis zum Sommer.

Mehr als 80.000 Menschen haben schon analog unterschrieben, online rund 290.000. Die Petition betreuen die Aachener von der Initiative 3 Rosen seit 2015. Konstant werden die Unterzeichner der Petition mehr, aber nun wollen die Aktivisten mit einer halben Million Unterschriften ein Zeichen setzen. Das ist die Zielmarke und sie sind optimistisch, die fehlenden Unterschriften bis Juli zusammenzubekommen. Dann soll die Petition an Politiker und Verantwortliche überreicht werden.

„Die lächerlichen 130.000 schaffen wir schon noch“, sagte Borsch-Laaks. Doch trotz der positiven Einstellung, wollen sie das Gelingen dann doch nicht dem Zufall überlassen. Ein Info-Flyer liegt jetzt 10.000-fach gedruckt vor. Zweitausend davon sind an Bürgerinitiativen und Umweltverbände rausgegangen, die den Endspurt als Erstunterzeichner unterstützen. In etlichen Behörden liegen die gelben Listen der Initiative aus. „In der kommenden Woche werden wir die 130 Kläger anschreiben, die den Klagen der Städteregion beigetreten sind, um auch dort für unser Anliegen zu werben“, sagte Borsch-Laaks.

Die Petition richtet sich an die belgische Atomaufsichtsbehörde Fanc mit der Aufforderung, Tihange 2 und Doel 3 zu stoppen. „Unser Adressat ist die Fanc, weil sie letztendlich darüber entscheidet, ob ein Meiler am Netz bleibt oder nicht“, sagte Gilles.

Er und seine Mitstreiter gehören seit langem zur Anti-Atom-Bewegung in Aachen. Ihnen geht es wie so vielen Menschen in der Region. Für sie ist es völlig unverständlich, dass die beiden belgischen Meiler mit den Tausenden Rissen in ihren Reaktordruckbehältern noch am Netz sind. 2009 hat sich die Nachbarschaftsinitiative 3 Rosen gegründet, bei der Anti-Tihange-Menschenkette im vergangenen Jahr steuerte die Gruppe die Pappfiguren bei, die als Stellvertreter am Wegesrand standen und betreuten einen großen Abschnitt in Belgien. Nun also: die Unterschriftenaktion.

Bustour zum Unterschriften-Sammeln

„Wir wollen eine Bustour machen“, sagte Borsch-Laaks. Dabei wolle man in Innenstädten weitere Unterschriften sammeln. Im Juni soll es eine Tour durchs Rheinland mit Halt in Köln geben, weil dort die Sorge groß ist vor Tihange und Doel – auch nach etlichen weiteren Vorfällen. Außerdem wollen die 3 Rosen zum Bundesumweltministerium nach Berlin über Düsseldorf mit einem Zwischenstopp bei NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

Auch in Hannover wollen die Anti-Atom-Gegner ihre Petition an Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) übergeben. Er wird noch zusätzlich die Petition gegen die umstrittenen Lieferungen der Brennelemente überreicht bekommen. Die Initiatoren dieser Initiative haben sich mit den 3 Rosen verbündet. Schließlich haben sie dasselbe Ziel: Tihange stoppen.

Eine letzte Tour führt dann durch die Niederlande, wo der Protest gegen die Pannen-meiler ebenfalls riesig ist, und schließlich nach Brüssel. „Wir wollen unsere Petition dem neuen Fanc-Chef Frank Hardemans übergeben und erhoffen uns eine positive Reaktion“, sagte Gilles. Schließlich sei Hardemans weniger mit dem Tihange-Betreiber Engie-Electrabel verbandelt als der bisherige Fanc-Chef Jan Bens und somit hoffentlich offener gegenüber dem Anliegen der Aktivisten.

„Täglich gehen bei uns Briefe, Faxe und Mails mit ausgefüllten Papierlisten ein“, sagte Gilles, der schon auf die nächste Marke zielt. „Noch bevor wir richtig begonnen haben, die Werbetrommel zu rühren, stehen wir kurz davor, die nächste Zehntausender Grenze zu überschreiten.“

 

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