Düsseldorf/Berlin - Berlin erwartet keine Stilllegung von Tihange

Dossier Tihange

Berlin erwartet keine Stilllegung von Tihange

Von: Detlev Hüwel
Letzte Aktualisierung:
Tihange
Die Rissreaktoren bleiben vorerst am Netz: Das Bundesumweltministerium glaubt nicht an ein rasches Einlenken der belgischen Atomaufsicht. Foto: Oliver Berg/dpa

Düsseldorf/Berlin. Das Bundesumweltministerium rechnet nicht damit, dass sich Belgien umstimmen lässt und seine umstrittenen Atomreaktoren Tihange 2 und Doel 3 zumindest vorübergehend vom Netz nimmt. Es gebe „leider“ keine Anhaltspunkte dafür, dass die zuständige belgische Atom-Aufsichtsbehörde FANC einer entsprechenden Bitte von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nachkommt, erklärte das Ministerium.

Tihange liegt nur 65 Kilometer von Aachen entfernt. Der Landtag hatte Ende 2016 die Schließung der maroden belgischen Meiler gefordert, die mehr als 30 Jahre alt sind, unzählige Risse im Reaktorgehäuse aufweisen und mehrfach heruntergefahren werden mussten. Die Behörden in Belgien halten die Blöcke dennoch für sicher.

Unterdessen wurde in NRW die Auslieferung von Jodtabletten abgeschlossen. Nach Angaben des Innenministeriums sind in allen Kreisen und kreisfreien Städten Jodtabletten eingelagert – insgesamt 30 Millionen Stück. Nur für die Stadt Aachen lagern in der Apotheke des Uniklinikums 600.000 Tabletten. Diese sollen im Ernstfall, also bei einem Reaktorunfall, eingenommen werden und verhindern, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse festsetzt. Die Städteregion Aachen pocht darauf, dass die Tabletten vorsorglich vorab an die Bevölkerung verteilt werden, damit sie im Ernstfall griffbereit sind. Das Innenministerium berät mit Aachen derzeit über die praktische Umsetzung.

Generell aber sei daran festzuhalten, dass die Tabletten erst bei Bedarf auszuteilen seien, so das Ministerium. Dies entspreche auch einer Empfehlung der Strahlenschutz-Kommission (SSK). Von einer Vorab-Verteilung werde abgeraten, weil Untersuchungen gezeigt hätten, dass etwa 50 Prozent derjenigen, die die Tabletten erhalten hätten, sie später nicht mehr auffinden konnten.

Das Bundesumweltministerium glaubt nicht, dass es zu einem Chaos an den Vergabestellen kommen könnte. Laut SSK sei „im Ernstfall mit einer Vorlaufzeit von 21 Stunden bis zur Freisetzung von Radioaktivität in der Außenzone zu rechnen“. Gemeint ist ein Radius von 100 Kilometern um ein Atomkraftwerk. Innerhalb dieses Zeitraums könnte die Bevölkerung rechtzeitig mit Jodtabletten versorgt werden. Sie sollen hier aber nur an Menschen unter 45 Jahre ausgegeben werden. Außerhalb der 100-Kilometer-Zone sind sie lediglich für Kinder und Schwangere vorgesehen.

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