Dossier Tihange

Atommeiler Tihange 1 kurzzeitig notabgeschaltet

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
Tihange
Dampf steigt in Huy aus dem Atomkraftwerk Tihange des Stromversorgers Electrabel. Foto: Oliver Berg/dpa

Tihange/Brüssel. Der Atomreaktor Tihange 1 hat sich nach wenigen Stunden in Betrieb selbst abgeschaltet. Das teilte Betreiber Engie-Electrabel am Wochenende mit. Die ungeplante Notabschaltung am frühen Samstag war eingeleitet worden, weil es Probleme mit einem Wasserfilter außerhalb des nuklearen Bereichs gegeben habe.

In dem Bereich, in dem das Kühlwasser aus dem Fluss Meuse genutzt wird, habe es gehakt, erklärte Anne-Sophie Hugé, Sprecherin des Betreiber Engie-Electrabel, am Sonntag auf Nachfrage unserer Zeitung.

Eine Gefahr habe demnach nicht bestanden. Bereits kurz nach der Notabschaltung habe man das „Wieder-Wiederanfahren“ eingeleitet, sagte Hugé. Seit Samstagnachmittag ist Tihange 1 also erneut wieder in Betrieb. Solche Notabschaltungen im nicht-nuklearen Bereich gibt es immer wieder mal.

„Noch nicht bei 100 Prozent“

„Der Meiler funktioniert, läuft aber noch nicht auf 100 Prozent.“ Nach einer Abschaltung von acht Monaten sei es normal, dass es kleinere Probleme geben könne, so Hugé. Tihange 1 war seit dem 7. September abgeschaltet und gerade erst instand gesetzt worden.

Im September war bei Bauarbeiten ein Nebengebäude beschädigt worden. Engie-Electrabel habe notwendige Nachrüstungen erledigt, hatte die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC kürzlich erklärt. Der Betreiber habe bewiesen, dass der Meiler sicher sei. Wie bereits berichtet, waren im Rahmen der Sicherheitschecks auch weitere Gebäude des Meilers untersucht worden. Es hatte Bedenken der Standfestigkeit im Falle eines Erdbeben gegeben. Diese Zweifel hatte der Betreiber ausräumen können, erklärte die FANC.

Die lange Abschaltung des Meilers Tihange 1 bedeutet hohe Verluste für Engie-Electrabel. Man habe auf 1000 Megawatt verzichten müssen und diese auf dem Markt einkaufen müssen. Inklusive der Reparaturkosten seien das Ausgaben für den Betreiber um die 200 Millionen Euro. Experten gehen sogar von 300 Millionen Euro an Kosten für den Betreiber aus. Umso wichtiger ist es also für Engie-Electrabel, dass der Meiler wieder läuft.

Tihange 1 ist einer der ältesten belgischen Meiler. Die ursprünglich angedachte Maximallaufzeit von 40 Jahren hatte der Meiler 2015 erreicht. Die belgische Regierung hatte damals aber schon eine Laufzeitverlängerung bis 2025 beschlossen.

Das Kernkraftwerk Tihange liegt 60 Kilometer von Aachen entfernt. Umstritten ist der Meiler Tihange 2 wegen Tausender Haarrisse im Reaktordruckbehälter. Der Meiler war auch routinemäßig abgeschaltet. Er soll weiterhin am Montag wieder ans Netz, beteuerte Hugé.

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