Ritterede von Mario Adorf im Wortlaut

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Ritterrede
Mit vollem Einsatz in der Bütt: Ritter Mario Adorf. Foto: Roeger

Aachen. Seine Ritterrede im festlich geschmückten Aachener Eurogress nutzte Mario Adorf, der Grandseigneur des Films und Theaters, um ein Feuerwerk wunderschöner Büttenrednerpointen abzubrennen. Lesen Sie die komplette Ritterede im Wortlaut.

(Auftritt mit schwarzem Mantel, Borsalino und Schal, öffnet den Mantel. Geht zum Käfig, hängt Mantel Hut und Schal hinein und verlässt ihn eilig)
Käfig - da jeh isch net rein, hinter Gitter!

(Kommt nach vorn, zupft am Anzug, dreht sich hin und her)

Der sitzt - der den gemacht hat.

Ich habe mich heute etwas bescheidener jekleidet. Passt besser in diese Krisenzeiten. Da soll man seinen Wohlstand nich so raushängen lassen, isch meine, nicht so zur Schau stellen. Entschuldigung, ich hab mich noch gar nicht vorgestellt: Haffenloher. Jeneraldirektor Heinrich Haffenloher.

Isch hab ja lange in Kleber jemacht. Un jetz bin isch Generaldirektor a.D. Isch hab auch jerade meinen Rolls Royce verschrottet, der war neun Jahre alt. War doll im Schuss. Hat mich damals 270.000 DM gekostet, jetzt verschrotte ich den, und krieje noch 2.500 Euro dafür. Als Prämie. Is doch n Jeschäft. - Gleichzeitig wird uns von höchster Stelle jesagt: Kauft euch jetztn neues Auto, um die Autoindustrie zu retten. Dat muss man sich mal vorstellen. Dat is ja unjefähr so, als wenn man jesagt kriegt: jetz werdet mal extra krank, um die Pharmaindustrie zu reften, die ja Jottseidank nicht so jammern kann, denn Krankheit hat immer Konjunktur.

Isch hab mal zu einem Klatschjournalisten jesagt: „Ich scheiß dich zu mit meinem Jeld.” Jetzt könnte man meinen, dass isch auf Grund meiner bescheidenen Abfindung nich mehr sovill Jeld habe, um jemand damit zuzusch... Aber nein, die Abfindungen von uns Managern sind nischt jestiegen, sondern radikal gleich hoch jeblieben. So ein Bonus is ne jute Sache. Dat kann man auf jedem Niveau, auf einem hohen oder einem tiefen sehn. Da hat doch der Landmann mit dem größten Acker ja vor ein paar Wochen gesagt, er würde sich als Bänker schämem, vom Staat Jeld zu nehmen. Vorige Woche hab ich ihn getroffen: da hatte er schon ganz rote Ohren, wie dat so langsam anfängt, wenn man sich schämen muss.

Der hat im letzten September gesagt, dass er den Anfang vom Ende der Krise schon sehen kann. Leute mit einem solchen Weitblick in die feine, Zukunft braucht man doch in dieser Zeit. Den sollte man doch nicht in die Schweiz zurückjehen lassen. Allerdings, so gute Aussichten hat man wohl nur von den Schweizer Bergen, oder von der Stiftungsoase da oben, die liegt da versteckt in einem Winkel, ich bin ja selbst öfter da hochgefahren, zum Winkel. Da liescht en Stein, davon kann man vadutzt runtergucken und sehen, wie in Deutschland die Post abjeht, während man hier oben mit seinen schwarzen Scheinchen stiften jeht. Das ist ein schöner Fleck, leider kann man ihn jetz nich mehr empfehlen. Denn wenn das alles jetz so rauskommt, in Bochum da drüben, na ja, da man muss nur unter nem Milliönchen bleiben 970.000 is da ne jute Zahl, dann darf man nich hinter Gitter, wie mein armer Schneider, sondern muss das harte Los einer Bewährungs- oder Jeldstrafe erleiden.

Isch bin ja hier nur Ersatzmann. In diesem Wahljahr wollte sich ja kein einziger von unseren namhaften Politikern für Humor auszeichnen lassen, und das versteh ich auch: denn den Humor, den brauchen die dringend für nach der Wahl. Außer vielleicht dem Ritter Guido (der schwänzt ja heute auch die Ritterrunde), der kann sich freuen, denn er iss der einzige, der von den Prozenten der anderen jut leben kann. Aber mit Politik, da wollte isch nie wat zu tun haben.

Von vielen Politikern heute kenn ich nicht mal den Namen, nur den von der Kanzlerin, den kann man sich janz jut MERKELN. Über die hat der Schröder ja mal gesagt „Kanzler? Kann die dat?” und ist damit der Erfinder des Wortes „Kanzlerkandidat„”. Aber dat müsste ja in diesem Jahr eigentlich heißen: „Kanzlerkanderdat”! Der Steini, der Kanzlerkanderdat, schwirrt in der Weltgeschichte herum, am nächsten Tag reist dann seine Chefin hinterher. Da lässt die nix anbrennen. Da fragt man sich aber, wie dat weiter jehen soll, da müssen die zwei sich im Kabinett rischtig liebhaben wie die Klitschkobrüder und sollen dann aber vor der Wahl sich kloppen, und alles tun, dat der eine oder die andre rausfliegt - wie beim „Dschungelcamp”. Wie et auch ausjeht, schließlich kann man mit 77 noch Dschungelkönigin werden. Da kann man doch nicht jammern,

Im Jammern sind wir ja Weltmeister.Den Italienern und den Franzosen jehts vergleichsweise nicht besser, aber die machen sich weniger draus. Der Sarkozy, dieser ungarische Zaubergeiger, der iss immer vor der Merkel da, wie der Igel vorm Hasen, ich hab wirklich den Verdacht, dat müssen zwei sein, der eine, der Sarko, der unaufhörlich die Weit retten will und der zweite, Sosy, sein Sosias, der sein glückliches Eheleben offentlich vorführt! Der hat jetz grade sein einjähriges Hochzeitsjubiläum jeschafft. Da kann man nur sagen: Chapeau! Hut ab!

Den Amis, unseren amerikanischen Freunden, jehts ja auch nicht mehr so doll: Banken kaputt, Autos kaputt, Irak kaputt. Und deswejen sind die inzwischen ja janz bescheiden und fromm geworden und isch hör die jetz immer nur noch beten: „Herr, Obama dich unser, Clinton Obama dich unser, Herr Obama dich unser...” Dat der Obama die Hillary zur Außenministerin gemacht hat, war ein genialer Schachzug. Diese Frau is ja sehr fähig, die is zu allem fähig. Wie ihr Mann noch Präsident war, hielten die zwei mal an ner Tankstelle. Sagt sie zum Bill: "Guck mal nich zu auffällig zu dem Tankwart da rüber. Den hätte ich beinahe mal jeheiratet und der Bill sagt: "Da haste aber Glück jehabt, sonst wärste heute Frau Tankwart! „Nee”, sagt sie, „dann wär der heute Präsident!”

Und der Berlusconi, der ist ein doller Jeschäftsmann, der managt Italien wie seine eijene Firma. Und weil er immer reicher wird, bewundern ihn die Italiener immer noch mehr und wählen ihn immer wieder. Dat sie aber dabei immer ärmer werden, dat merkt keiner.

Wissen Sie, wie der Beriusconi angefangen hat? Als Alleinunterhalter auf einem Vergnügungsdampfer. Na jut, ich habe ja auch als Büttenredner angefangen, bevor isch an meiner Frau kleben jeblieben bin. (reibt Daumen und Zeigefinger, die hatte das Geld - Klebstofferbin)

Nun jibt et Leute, die meinen, Karneval zu feiern in unseren Krisenzeiten iss nicht mehr anjebracht. Falsch! Wenn es den Leuten schlecht jeht, dat hat man nach dem Krieg jesehen, dann müssen se wenigstens einmal im Jahr richtig auf die Pauke hauen. Denn wenn wir unseren Humor nicht hätten, könnten wir nur noch lachen.

Dat habe ich auch immer so gehalten. Sogar als vor vielen Jahren inner Zeitung stand, der - wie heißt er, der Schauspieler? Mario Adorf - der hat misch ja jespielt im Fernsehen - der wär ein unehelicher Spross vom Willy Millowitsch. Das hat den nicht beleidigt. Im Gegenteil: Er ist ein guter Freund vom Willy geworden. Ach, der Willy! - Gestatten Sie mir zu seinem 100. Geburtstaq einen kleinen nachdenklichen Augenblick (eine Verbeugung von Aachen nach Kölle), ein kleines Jedicht, dat mir der Willy persönlich beijebracht hat:

Vorbeij ess vorbeij
Doch ma kumme schun kloor
Vorbeij ess vorbeij
Et blievt,nix wie et woor
Du bess net alleijn
Wenn de jeijs jonn esch met
Komm jevv ma ding Hand
Et kü.tt wie et kütt.
Tschö, Willy!

Als Rheinländer da hast du den Tusch ja sozusagen in der Genetik. Und heute Abend wollen wir uns nur noch amüsieren, einfach mal wieder die Sau rauslassen, und jetzt steije isch mal so richtig in die Bütt, wie früher. Wenn et hier nicht so ne piekfeine Jesellschaft wär, dann hätt ich jetz jesagt: "Isch scheiß Euch so wat von zu mit meinen Witzen, dass ihr keine ruhige Minute mehr habt. Aber keine Angst, isch halt mich zurück.

Liebe Närrinnen und Narren!

Neulich komm isch in meine Bank. „Et tut mir leid”, sagt mein Anlageberater: „aber Ihre Aktien sind im Keller.” Da sag isch: „Wenn se sich da besser halten...oder in eschte Kohle verwandeln, soll et mir rescht sein.”

Neulich geh isch zum Arzt. Der untersucht mich von oben bis unten und sagt: „Tut mir leid, im Moment kann ich nix finden, es wird wohl der Alkohol sein.” Da han isch jesagt: „Dat macht nix, Herr Dokter, isch kann ja mal wiederkommen, wenn Sie nüschtern sind.”

Meine Frau und isch kennen das Geheimnis einer dauerhaften Ehe. Zweimal in der Woche gehen wir in ein nettes Restaurang, jutes Essen, juter Wein. Sie geht dienstags, isch geh freitags.

Neulich sagt mir einer, wie nett isch mit meiner Frau bin. In der Stadt säh man immer, wie isch Händchen mit ihr halte. Da hab isch dem gesagt: „Wenn ich sie loslasse, ist sie schon in einer Boutique.”

Ich frage meine Frau, wo sie zu unserem 20. Hochzeitstag jerne hin möchte. „Ach”, sagt sie „irgendwohin, wo ich schon lange nicht mehr war.” Isch sage: „Jeh in die Küsche!”

Da sagt sie: Sie hätte einen elektrischen Herd, einen elektrischen Toaster, einen elektrischen Mixer, ne elektrische Jeschirrspülmaschine... die Küsche wär voll mit elektrische Apparate, aber kein Platz, wo sie sich hinsetzen könnte. Da hab isch ihr einen elektrischen Stuhl jekauft.

Isch habe achtzehn Monate nicht mehr mit meiner Frau gesprochen - Isch unterbresche sie nicht jerne.

Neulich fahr isch auf der Autobahn statt mit erlaubten 100 satte 180. Da seh isch im Rückspiegel Blaulicht, Polizei. lsch bremse schließlich, fahr rechts ran. Der Polizist kommt und sagt: „Juter Mann, et is Freitagabend, ich hab eijentlich schon Feierabend. Nochmal die janze Schreiberei stinkt mir. Hören Sie zu: Wenn Sie mir erzählen können, warum sie zu schnell jefahren sind ne Geschichte, die ich noch nicht gehört habe, dann drücke isch alle zwei Augen zu.” Da sag isch: „Vor 2 Wochen ist meine Frau mit einem Polizisten durchgebrannt. Eben hatte isch Angst, dass Sie sie mir wieder zurückbringen.” - „Fahren Sie. Jutes Wochenende!”

Da kommt ein Mann in einen Gemüseladen und verlangt einen halben Kappes, also die Hälfte von einem Kohlkopf. Der junge Verkäufer sagt „Ich weiß nicht, ob wir halbe Kohlköpfe verkaufen, da muss ich den Chef fragen. Er geht hinten im Laden zum Besitzer: „Chef, da is ein Arschloch, der will einen halben Kohlkopf kaufen...” In dem Augenblick merkt der Junge, dass der Kunde ihm nachgegangen ist und das mitgekriegt hat, und da sagt er: „Und dieser Herr möchte die andere Hälfte.”

Wie der Kunde mit seinem halben Kappes weg ist, sagt der Chef: „Junger Mann, das haben Sie aber jut hingekriegt. Solche Angestellte brauch ich. Ich kenn Sie gar nicht, seit wann sind sie hier?” „Seit einer Woche.„” „Wo kommen Sie denn her, junger Mann?” „Aus Marseille!” „Aus Marseille?” - „Ja, ja, ich weiß”, sagt der Junge, „da gibt es nur Nutten und Fußballspieler.” - Der Chef sagt: „Meine Frau ist aus Marseille!” Sagt der Junge: „Und in weicher Mannschaft spielt se?”

Isch verabschiede mich mit einem alten Witz, den ich mal hier auf dem Aachener Tivoli erzählt hab: „Der Heiko trifft wieder.” Aber leider trifft der ja im Moment nicht, der hat noch ne Ladehemmung. Vielleicht müssen wir da mal wieder nachhelfen! Oder?

Olé
Wir fahren zum zum Tivoli nach Aache
Olé, olé
Da lassen wir es es heute wieder krache
Olé, olé
Der Heiko, janz verzweifelt, trifft und trifft nicht
0 weh, o weh
0 weh, o weh
Der Trainer kriegt die jelbe Karte schriftlich
Oh jeh, oh jeh
Oh jeh, o jeh
Jammern kann man über Alemannia
Jammern kann man über Alemannia
Die steigt mal auf, die steigt mal ab,
Die steigt mal auf, dann wieder nicht
Wirds auf dem Tivoli auch duster
Wird es morgen wieder Licht!

Jammern kann man, muss man aber nicht
Jammern kann man, muss man aber nicht
0 Tivoli, o Tivola,
o Tivoli, o Tivolaaaa
Bald ist Wiederaufstieg
Und das neue Stadion da!
Jammern kann man, muss man aber nicht
Jammern kann man, muss man aber nicht
0 Tivoli, o Tivola,
o Tivoli, o Tivolaaaa
Bald ist Wiederaufstieg
Und das neue Stadion da!

Jammern, jammern is für jar nix nutz
Überlasst dat annern, haut lieber auf den Putz
Drum lasst dat Jammern heute sein
Und ruft aus voller Brust Alaaf
Nach dem Aschermittwoch simmer immer
alle wieder brav!

Jammern, jammern, nütz ja alles nix
Jammern, jammern, nütz ja alles nix
Und immer jammem mit den annern
Ja, das hat doch keinen Sinn
Immer jammern mit den annern
Ja, wo kämen wir dann hin.
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