Ritter Cem bringt Farbe in den AKV-Käfig
Das Publikum im Aachener Eurogress feierte den sympathischen Ritter des Ordens wider den tierischen Ernst begeistert als Höhepunkt einer durch und durch gelungenen Veranstaltung.
Und wer das nicht glauben mag, der kann sich davon am Montagabend ab 20.15 Uhr in der ARD zwei Stunden lang überzeugen lassen.
Politischer Karneval - darauf setzte der AKV in diesem Jahr wieder. Gewagt, gewonnen! Ob FDP-Querdenker Wolfgang Kubicki, die schlagfertige Meisterköchin Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Ministerpräsidentin des Saarlandes, ob Laudator und Sozialdemokrat Martin Schulz, der Präsident des Europäischen Parlaments, oder der grüne Ritter höchstpersönlich - es ging ordentlich zur Sache in der Bütt, schließlich wird ja auch in diesem Jahr gewählt. Was in keiner Rede fehlen durfte, wenn auch unterschiedlich verpackt: die Nebenverdienste des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.
Doch der Abend wäre nicht so schwungvoll schön, so kurzweilig und locker-unterhaltsam geworden, hätten WDR und AKV nicht so viel Vertrauen in die Kräfte des hiesigen Karnevals gesetzt. Was schon scharfzüngig politisch mit "Et Zweijestirn" aus Erkelenz begann, fand nahtlos die Fortsetzung in Auftritten des großartig aufgelegten "Triambels" Josef, Jupp und Jüppchen und der Stimmungsgaranten par excellence, den Vier Amigos. Überraschung und Volltreffer auch: der charmante Witz des Aachener Duos Naseweis.
Die beiden Parodisten holten spontan Philipp zu Guttenberg auf die Bühne, der in den zurückliegenden Jahren immer als Ersatzspieler für seinen Bruder Karl-Theodor eingesprungen ist. Die Amigos baten Ritter Özdemir auf die Bretter zu einer Spontaneinlage. Aus dem schlagfertigsten aller Öcher Figuren, dem Schäng, wurde im Gassenhauer "Alaaf, der Öcher Cem". Ein absoluter Höhepunkt des Abends.
Doch noch viel mehr gehörte zum bunten Reigen, der ohne spürbare Längen, ohne Holperer, dafür aber kunterbunt und bestens gelaunt über die Rampe ging. Die Prinzen Thomas II. und sein junger Kollege Tim I. sangen, die Garden tanzten, es gab den Lambertz-Preis für die Tanzmarie Jennifer Lander, die von den Horbacher Freunden begleitet wurde, den Zentis Kinderpreis für die Neptun Tanzkompanie. Den gefeierten jungen Karnevalisten sprangen Topmodel Rebecca Mir und ihr Partner Massimo Sinato tänzerisch zur Seite.
Lennet Kann Dirk von Pezold wurde in diesem Jahr von der jungen Sängerin Laura Lennartz charmant begleitet, im Hintergrund sangen die Lennet Girls, das AKV-Ballett wirbelte über die Bühne, der Elferrat zeigte sich zurückhaltend und dennoch strahlend - ach, alles in allem hat es richtig gepasst für den AKV. Und das war in den zurückliegenden Jahren ja nicht immer so.
Der Abend, den Präsident Werner Pfeil gemeinsam mit dem Duo Jens Riewa (Tagesschau) und Rolf Gerrards (AKV-Vizepräsident) straff, verbindlich und unaufgesetzt moderierte, wurde zum Erfolg, weil er glänzend besetzt und gut gebaut war. Die Profi-Comedians Dave Davis als Klomann Motombo Umbokko und Markus Maria Profitlich als Kaiser Karl punkteten, ihr Kollege Knacki Deuser fiel durch. Und Vorjahresritter Ottfried Fischer wurde im Publikum kurz interviewt und dann in seiner Rolle als Pater Braun in einem kleinen TV-Stückchen gebührend gewürdigt.
Martin Schulz würdigte seinen Freund Cem Özdemir als einen liebenswerten und fröhlichen Menschen. "Er hat mit der Selbstverständlichkeit, mit der er Deutscher ist, mehr für unser Land getan als viele Integrationsdebatten zusammen."
Özdemir selbst freute sich über die Aachener Auszeichnung, tickte in seiner Rede aktuelle politische Themen wie die Beschneidungsdebatte, die verschwundenen Akten über Rechtsradikale oder die Integration an, kam aber am Ende zur gereimten Aufforderung: "Lasst uns streite' oder fetze', aber nie den anderen verletze'!"
Den Liveticker von unserem Redakteur Thorsten Karbach können Sie hier nachlesen

