Ordensritter vermiest dem AKV die Laune

Von: Gerald Eimer
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Der Richtige für die Aachener Narrenkappe? Markus Söder steht seit dem Wochenende schwer in der Kritik. Foto: dpa

Aachen. „Erst denken, bevor man twittert“ – diesen Rat hätte Werner Pfeil, Präsident des Aachener Karnevalsvereins (AKV), seinem designierten Ordensritter Markus Söder gerne früher gegeben. Der bayerische CSU-Finanzminister soll am 23. Januar in Aachen eigentlich mit dem Orden „Wider den tierischen Ernst“ ausgezeichnet werden. Eigentlich.

Seit dem Wochenende hagelt es von allen Seiten Kritik an der geplanten Auszeichnung. Und auch der AKV selbst geht auf Distanz zu Söder. Dass der CSU-Politiker wieder ausgeladen wird, erscheint inzwischen durchaus denkbar.

Am Dienstag wird der Elferrat des Vorzeigevereins im Aachener Karneval zu einer Sondersitzung zusammenkommen und darüber diskutieren, wie komisch das eigentlich noch ist, was Söder kaum 15 Stunden nach den verheerenden Anschlägen in Paris ins Internet gestellt hat: „Paris ändert alles. Wir dürfen keine illegale und unkontrollierte Zuwanderung zulassen.“

Zum Lachen sei das sicher nicht, erklärt der AKV-Präsident hörbar geknickt, der zu diesem Zeitpunkt bereits die zahlreichen Kommentare und Reaktionen auf Söders steile These zur Kenntnis genommen hat.

Natürlich hätten all diejenigen Recht, die betonen, dass man die Terroranschläge nicht mit der Flüchtlingspolitik in Verbindung setzen darf, stellt Pfeil klar. Überraschend ist es für ihn daher nicht, dass der AKV seit dem Wochenende „von Anmerkungen zur Ordensverleihung überrollt wird“. Diese „Anmerkungen“ sind in aller Regel sehr deutliche Forderungen, dem CSU-Politiker die karnevalistische Auszeichnung wieder abzuerkennen.

„Den Orden wider den tierischen Ernst hat wohl niemand weniger verdient als Markus Söder“, schreibt etwa die Aachener SPD-Landtagsabgeordnete Daniela Jansen auf Facebook, die für diese Meinung viel Zustimmung erntet. Als „widerlich“ bezeichnen andere Kommentatoren Söders Aussage.

„Unverantwortlich“ findet sie Armin Laschet, Chef der Landes-CDU, der schon zuvor deutlich gemacht hat, dass Flüchtlinge vor IS-Terroristen in Deutschland Schutz suchen – also Opfer und nicht Täter sind. Selbst CSU-Chef Horst Seehofer ging zu seinem Minister auf Distanz und erklärte, dass man die Flüchtlingsfrage nicht mit der Terrorismusbekämpfung vermengen dürfe.

Als „Brandstifter“ muss sich Söder inzwischen bezeichnen lassen, der die „unfassbaren Ereignisse von Paris“ für eigene politische Zwecke instrumentalisiere und sich auf Pegida-Niveau bewege.

„Das ist nicht lustig und schon gar nicht karnevalstauglich“, heißt es selbst aus Reihen der AKV-Mitglieder, in denen Söder auch zuvor schon umstritten war. „Der Mann ist so nicht mehr tragbar.“ Offiziell ist allerdings noch keine Entscheidung gefallen, wie Pfeil auf Anfrage betont. „Wir sind uns der Problematik bewusst, aber wir werden in Ruhe darüber diskutieren und die nötigen Gespräche führen“, kündigt er an.

Bevor man der Öffentlichkeit mitteilt, ob Söder im Januar tatsächlich den Aachener Narrenkäfig besteigen wird, müsse man sich auch „im größeren Kreis“ beraten – ihm wird Söder selbst angehören, einbezogen wird aber auch der WDR, der die Ordensverleihung im Januar übertragen will.

So oder so steht der AKV vor einer Art karnevalistischem Super-Gau: Entzieht der Verein Söder jetzt die Ritterwürde, dürfte ein Vertreter kaum zu finden sein. Der Sitzung würde ihr wichtigstes Zugpferd fehlen und in Zukunft dürften auch Ordensritter schwerer zu einer frühzeitigen Zusage zu bewegen sein.

Hält er an Söder fest, dürften weitere Kritik und Proteste zunehmen. Viele Prominente werden der Sitzung dann wohl fernbleiben. Und auch in diesem Fall werden sich potenzielle Ritter künftig genau überlegen, ob sie in dieser Tradition noch genannt werden wollen.

Dem AKV könnte jedenfalls im Strudel der politischen Ereignisse zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre ein Preisträger abhanden kommen. 2011 überließ der damalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Zuge des Afghanistan-Kriegs und seiner Plagiats­affäre seinem Bruder Philipp Franz zu Guttenberg die närrische Bühne. Kurios: Auch er war ein CSU-Politiker, auch er kam aus Franken.

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