Guttenberg bleibt fern: „Das hätte ihm früher einfallen können”

Von: akai, dd, gei, wb
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Wenn am 19. Februar im Aachener Eurogress der Ordensritter wider den tierischen Ernst gekürt wird, glänzt der Ordensträger, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, durch Abwesenheit. Ein Knappe soll für ihn in den Narrenkäfig des Aachener Karnevalsvereins (AKV) klettern, doch wer das sein wird, ist derzeit noch völlig offen.Foto: dpa/Montage: Günter Herfs

Aachen. Vermutet hatten es viele, nun ist es bestätigt: Der designierte Ordensritter Karl-Theodor zu Guttenberg wird den Orden wider den tierischen Ernst nicht persönlich in Empfang nehmen. Unter Aachens Karnevalisten, Politikern und Künstlern waren nur wenige wirklich überrascht von der Absage des Bundesverteidigungsministers.

Marcel Philipp, Oberbürgermeister (CDU): „Es ist sicher keine leichte Zeit für den Verteidigungsminister mit Blick auf die Bundeswehr und Afghanistan. Zweifelsohne ist er ein würdiger Preisträger, die Entscheidung, nicht zu kommen, kann nur er alleine fällen. Es war sicherlich ein Risiko, ihn auszuwählen, leider war es wohl zu groß. Aber man muss das respektieren. Ich glaube trotzdem, dass es am 19. Februar eine gute Veranstaltung wird.”

Den Wink der Friedensinitiative verstanden

Hilde Scheidt, Bürgermeisterin (Grüne), Vorstandsmitglied des Aachener Friedenspreises: „Ich habe mit dieser Entscheidung gerechnet. Der Minister hat den Wink der Friedensinitiative verstanden. Wir sind halt mehr als nur Bürger, die dem AKV zujubeln. In unserem Brief an ihn haben wir deutlich zum Ausdruck gebracht, dass es unangemessen ist, den Orden entgegenzunehmen, und es andere Themen gibt, um die er sich kümmern muss. Diese Botschaft hat er anscheinend verstanden.”

Harald Baal, CDU-Fraktionschef: „So furchtbar überraschend ist die Nachricht ja nicht mehr, aber es ist schade für den AKV, für den Orden und für die Stadt. Zu Guttenberg ist eine interessante und gute Wahl, jetzt werden wir nicht mehr erleben, wie lustig er in der Bütt wirklich ist. Ich halte es aber für nachvollziehbar, dass er in der jetzigen Situation anderen Verpflichtungen im Amt nachkommen muss.”

Schnell die Altlasten abwerfen

Rudi Zins, Strunx-Moderator: „Ich fand die Entscheidung von vornherein sehr, sehr wagemutig. Der AKV wollte sich wahrscheinlich an die große Popularität des Ministers ranhängen, hat aber vorher nicht gut nachgedacht. Die Idee ist einfach daneben, einem Verteidigungsminister, dessen Armee sich im Krieg befindet, einen Karnevalsorden zu geben. Wofür er den Preis kriegen sollte, habe ich sowieso nie verstanden.”

Björn Jansen, Bürgermeister (SPD): „Jetzt fehlt bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst sicherlich ein Glamourpaar. Aber mit dieser Absage musste man rechnen. Es ist schon ein Unding gewesen, in diesen Zeiten einen Verteidigungsminister zu nominieren. Und jetzt ist genau das eingetreten, was viele vorhergesagt haben. Man kann dem AKV-Präsidenten Werner Pfeil nur wünschen, dass er die Altlasten schnell abwirft.”

Steinbicker fordert Rücktritt zu Guttenbergs

Otmar Steinbicker, Herausgeber des Friedensmagazins „aixpaix”: „Mit seiner Absage an den AKV zieht zu Guttenberg die Konsequenzen aus einer für ihn unhaltbaren Situation. Er ist der verantwortliche Minister für den Krieg in Afghanistan. Er will Kriegseinsätze auch für Wirtschaftsinteressen führen lassen. Er steht unter Druck wegen entsetzlicher Zustände in der Bundeswehr. Guttenberg sollte daraus stärkere Konsequenzen ziehen, als nur auf einen Karnevalsorden zu verzichten. Er sollte als Minister zurücktreten. Der AKV wäre jetzt gut beraten, keinen Knappen als Ersatz für seine Person zu suchen, sondern einen neuen unbelasteten Ritter zu küren.”

Prinz Alwin I. Fiebus: „Das ist bedauerlich, aber eine Sache des AKV. Mein karnevalistischer Einsatz und der meines Hofstaates wird davon jedoch nicht berührt.” Markus Bongers, Kommandant der Aachener Prinzengarde: „Ich hätte es dem neuen AKV-Vorstand gegönnt, mit diesem Star den Anfang zu machen. Zu Guttenberg ist ein Sympathieträger, allerdings überrascht mich überhaupt nicht, dass er nach den Turbulenzen nicht kommt. Ich glaube auch nicht, dass ein Knappe der Richtige ist, schließlich ist der Baron aus Franken als zu Guttenberg und nicht als Verteidigungsminister Ordensritter.”

Hubert Crott, Trio Josef, Jupp und Jüppchen: „Tja, Humor ist, wenn man trotzdem lacht.”

Willi Schillings, Kommandant der Stadtwache Oecher Börjerwehr: „Die große Politik ist nun mal nicht närrisch. Wir Öcher nehmen aber auch die Absage mit Humor.”

Wilm Lürken, Präsident des Ausschusses Aachener Karneval: „Den Rückzug des Verteidigungsministers kann ich in der derzeitigen Situation gut nachvollziehen und finde ihn auch richtig. Der Karneval findet in Aachen trotzdem statt.”

Wendelin Haverkamp, Kabarettist: „Das ist ein sehr unerfreuliches Thema. Der Mann hat sicherlich Recht, dass er nicht kommt. Aber das hätte ihm doch auch früher einfallen können. Allerdings muss ich auch sagen: Wie kann der AKV nur so einen Fehler machen! Das Ganze ist an Promigeilheit kaum zu überbieten, zumal der AKV nicht nur sich blamiert. Mein Vorschlag: Vielleicht kann ja Armin Halle wieder den Orden in Empfang nehmen...”
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