Ein Minister mit vielen Gesichtern: Markus Söder wird neuer AKV-Ritter

Von: Robert Esser
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Wandlungsfähig: Markus Söder in Veitshöchheim, Unterfranken, bei der Prunksitzung des Fränkischen Fastnachtsverbands als (im Uhrzeigersinn) Punk, Musiker der Band Kiss, Zauberer Gandalf aus „Herr der Ringe“, Marilyn Monroe und „Shrek“. Foto: dpa (9), stock/Sven Simon
Markus Söder AKV
Der bayerische Finanzminister Markus Söder wurde als Träger des Ordens wider den tierischen Ernst 2016 des Aachener Karnevalvereins (AKV) vorgestellt. Foto: Sven Hoppe/dpa
Markus Söder
Bayerns Finanzminister Markus Söder posiert als „Shrek“ verkleidet auf der Prunksitzung des Fränkischen Fastnachtsverbandes „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim. Foto: David Ebener/dpa

Aachen/München. Erzkonservativ und tiefschwarz? Von wegen. Der Mann kann ja alles tragen. Der bayrische Finanzminister Markus Söder (CSU) als giftgrüner Shrek, als Sänger der Rockband Kiss, als Punker oder sogar Gandalf – kein Problem.

Wenn der Politprofi in der fränkischen Fastnacht aufläuft, wird‘s jedes Jahr schrill. Und weil er schon als kleiner Bub eine Ritterrüstung als sein allererstes Karnevalskostüm auserkoren hatte, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis der Aachener Karnevalsverein (AKV) ihm den Orden wider den tierischen Ernst andienen würde, um ihn bei der 66. Ordenssitzung zum 67. Ritter seit 1950 zu schlagen.

Vor versammelter Presse und im Blitzlichtgewitter bekennt der gebürtige Nürnberger am Montag im Münchener Hofbräuhaus bei Weißwurst und Brezeln: „Keine Millisekunde“ habe er gezögert, als ihm „die Superehre“ dieser „überragenden karnevalistischen Veranstaltung“, verbunden mit dem „Mega-Event im Fernsehen“, angeboten worden sei. Und Tusch. Am 23. Januar steigt Söder in den AKV-Käfig auf der Eurogress-Bühne. Zwei Tage später sendet die ARD einen Zusammenschnitt der Ordensverleihung zur besten Sendezeit – nämlich im Unterschied zu 2015 schon ab 20.15 Uhr. Die Laudatio hält die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer.

AKV-Präsident Werner Pfeil verrät, dass der Elferrat den umtriebigen, verwandlungsfähigen und rhetorisch versierten Bayern schon länger als Ritter-Kandidaten im Visier hatte. „Ich bin froh, dass es geklappt hat. Er bringt alles mit, was ein Ritter braucht – und er hat keine Angst, Schläge auszuteilen und einzustecken.“ Als der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer verkündet hatte, dass die Zukunft der CSU weiblich sei, tauchte Ziehsohn Söder in der Fastnacht 2013 als Marilyn Monroe auf – im weißen Kleid und mit zentimeterdicker Schminke im Gesicht.

Bei der überraschenden Vorstellung des designierten Ritters in München steht er lässig im blauen Jackett und ohne Krawatte vor den Kameras. Sympathisch, authentisch und echt begeistert wirkt er. Dass seine Schwiegereltern lange in Aachen gelebt haben, verbinde ihn zusätzlich mit der hunderte Kilometer entfernten Kaiserstadt im Dreiländereck, sagt er. Apropos Herrscher: Als ein bayrischer Journalist seinen Finanzminister fragt, ob der denn Seehofer um Erlaubnis gefragt habe – und ob man nach den gekürten AKV-Rittern Franz-Josef Strauß und Edmund Stoiber jetzt nicht auch erst den Ministerpräsidenten hätte ehren müssen, reagieren Söder und AKV-Präsident Pfeil prompt. Man habe „einen Ritter mit Humor gesucht“, lächelt Pfeil. Und Söder schmunzelt: „Jetzt könnte das dann doch noch Ärger geben...“

Was aber ernsthaft kaum anzunehmen ist. Schließlich gilt Söder schon als aussichtsreichster Thronfolger. Der 48-Jährige genießt offenkundig, dass man als Politiker gerade im Karneval Wahrheiten ungestraft überspitzen darf. Söder formuliert das in puncto Chefsache zuweilen so: „Unsere Sorge ist nicht, wann er aufhört. Unsere Sorge ist, ob er überhaupt irgendwann aufhört.“ Auch solche Sätze führten dazu, dass er dieses Jahr beim traditionellen „Derbleckn“ auf dem Nockherberg – ein Starkbieranstich mit bissigem politischem Schlagabtausch – die heftigsten Tiraden kassierte. Was allgemein als Auszeichnung für Seehofers bayrischen Kronprinzen gilt. Da wurde Söder als „Inkarnation des politischen Hallodris“ gegeißelt, der „aus dem Nichts, sprich sich selbst“, das Maximum heraushole. Damit avanciert der „Ritter des geschliffenen Wortes der KG Narrlangia“ (2009) zur perfekten AKV-Besetzung 2016. Hoffentlich wird‘s keinem zu bunt...

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