Der AKV und sein ritterlicher Polit-Star

Von: Manfred Kutsch
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Der AKV und sein ritterlicher
Der AKV und sein ritterlicher

Aachen. Moment mal. Hat der Mann Humor? Der Aachener Karnevalsverein (AKV) mag die Frage zur Ritterwahl aus seiner Geschichte vielfach kennen - Stoiber, Merz, Hunold & Co - lassen grüßen.

Aber Dienstag, nachdem bekannt wurde, dass Deutschlands Vorzeigepolitiker Karl-Theodor zu Guttenberg am 19. Februar 2011 den Orden „Wider den tierischen Ernst” erhält, gewann die altbekannte Debatte doch erheblich an Fahrt.

„Na, da hat der AKV ja eine Humorgranate gefunden. ich empfehle volle Deckung”, spottete Kabarettist Wendelin Haverkamp. Und Kollege Manni Hammers tröstete sich damit, dass der 38-Jährige immerhin „den Altersdurchschnitt der Ordensritterriege senkt”. Nun gibt der AKV dem Verteidigungsminister die Chance zur humoristischen Standortbestimmung. Zum Tausch des Schutzhelms, den er jüngst im afghanischen Kampfgebiet trug, mit der Öcher Narrenkappe.

„Dobb oder Flobb”

Dabei bewies Karl-Theodor zu Guttenberg in Aachen kürzlich bereits seine Schlagfertigkeit. Beim Reitturnier vor 50.000 Zuschauern. Als er beim Stadioninterview nach seinem Pferd gefragt wird, sagt er: „Ich war schon als Kind und Jugendlicher mehr im Stall als am Schreibtisch, deshalb konnte doch nix Gescheites aus mir werden.” Kein Tusch beim CHIO. Aber lautes Gelächter im weiten Rund. Nix Gescheites? Er ist Deutschlands beliebtester Politiker, gewählt zum „Sexiest Man in Politics”, zum bestgekleideten Deutschen - und jetzt zum Öcher Ordensritter.

„Eine erstklassige Wahl. Wir haben den AKV in seiner Idee sehr ermuntert”, freut sich Axel Beyer, Berater für den in der ARD übertragenden WDR. Von Guttenberg stehe „für das Alleinstellungsmerkmal des Aachener Ordens, der nicht nur Menschen aus der Show und Wirtschaft, sondern auch aus der Politik” auszeichne. An ihm Humor und insbesondere Menschlichkeit im Amt festzumachen sei doch „kein Problem”. Fakt ist: Man googelt 23.600 Treffer bei seinem Namen plus Humor. Und auch ein Blick ins Archiv fördert Zitate zutage, die humoristische Indizien bergen. „Wenn einem das Wasser bis zum Halse steht, sollte man den Kopf nicht hängen lassen”, riet der Baron mit den neun Vornamen einst. Vor allzu negativen Konjunkturprognosen warnte zu Guttenberg mit den Worten: „Wer sich mit Kassandra ins Bett legt, der wird zumindest über den Mundgeruch am nächsten Tag erstaunt sein.”

Dass die hellsehende Tochter des trojanischen Königs Priamos schlecht aus dem Rachen roch, wurde zwar von Homer nicht überliefert. Aber der Ordensritter ist ein tiefer Kenner der griechischen Mythologie - las er doch jüngst im Urlaub Platons Werk „Politeia”, und das auf griechisch.

Doch gemach. Humanistische Bildung hin, Humorsuche her. Der Ehemann von Otto von Bismarcks Ururenkelin Stephanie von Bismarck, die dem AKV die beruhigende Auskunft gab, Humor sei „einer der wichtigsten Eigenschaften meines Mannes”, hat gar schon Erfahrungen an der breitgestreuten närrischen Basis. Als Schirmherr agierte der passionierte Jäger, Skiläufer und Tennisspieler im brasilianischen Karneval des Coburger Samba-Festivals. Und der designierte AKV-Ritter nahm auch schon in seiner fränkischen Heimat an der Sitzung der Faschingsfreunde Neuenmarkt teil. Deren Motto: „Dobb oder Flobb.” Keine Frage. Zu Guttenberg war „dobb”. Nichts anderes erhoffen sich das närrische Aachen und die Region vom Auftritt im AKV-Narrenkäfig.
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