Bohrende Fragen zu Rüttgers´ Ritter-Rede beim AKV

Von: Johannes Nitschmann
Letzte Aktualisierung:
rüttgersbild04
Bauarbeiter-Rede: Jürgen Rüttgers bei seinem AKV-Auftritt in Aachen. Foto: dpa

Aachen/Düsseldorf. Die jüngste Ordensritterrede von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) beim Aachener Karnevalsverein (AKV) hat zu einer lebhaften Fragestunde im Düsseldorfer Landtag geführt.

Medienminister Andreas Krautscheid (CDU) erklärte am Mittwoch auf eine „Dringliche Anfrage” der SPD-Opposition, „der Rahmen der Rede”, die Rüttgers als Danksagung für seinen Orden „Wider den tierischen Ernst” erhalten habe, sei bereits in den vergangenen drei Jahren von dem Ministerpräsidenten bei verschiedensten Karnevalsveranstaltungen „eingesetzt worden”.

Rüttgers habe sich bei der Sitzung auf dieses bewährte Redekonzept gestützt, weil er damit „authentisch, humorvoll und unterhaltsam rüberkomme”. Daraufhin schlug der SPD-Abgeordnete Wolfram Kuschke vor, „einen Orden wider die recycelte Karnevalsrede” einzuführen. In den Medien werde seit Tagen über die „aufgewärmte Frikadellen-Rede” von Rüttgers gelästert.

Mit immer neuen Erklärungsversuchen zu der Entstehungsgeschichte der Aachener Ordensritterrede riskiere der Ministerpräsident seine Glaubwürdigkeit, rügte die Opposition. Unmittelbar nach seiner stürmisch umjubelten Rede im „Eurogress” hatte Rüttgers stolz erklärt: „Ich habe monatelang daran gearbeitet und gefeilt. Ich wollte nicht jemand anders sein, sondern ganz authentisch der Ministerpräsident.”

Daraufhin outete sich der Bonner Kabarettist Ferdinand Linzenich als Verfasser der seit drei Jahren von Rüttgers verwandten Karnevalsrede „Ein närrischer Tag im Leben des Ministerpräsidenten”. Linzenich: „Wir haben die Rede geschrieben.” Bei der AKV-Veranstaltung selbst hatte der Planungschef der Düsseldorfer Staatskanzlei, Boris Berger, den Drehbuchautor Thomas Brückner als Verfasser des Redemanuskripts vorgestellt.

Angeblich soll Brückner zehn verschiedene Fassungen für den anspruchsvollen Ministerpräsidenten entworfen haben. Die Opposition wollte von der Landesregierung wissen, wie viele externe Redenschreiber an der Ordensritterrede von Rüttgers mitgewirkt und wie diese honoriert worden seien. Minister Krautscheid erklärte, der „exzellente Redenschreiberpool” der Staatskanzlei bediene sich bei der Erstellung „bunter Reden” auch der externen Zuarbeit von Kabarettisten.

Dazu zählten die Autoren Linzenich und Brückner, von denen Konzepte und Ideen in die Rede des Ministerpräsidenten beim AKV eingeflossen seien. Für die externe Beratung ihrer Redenschreiber gebe die Staatskanzlei pro Jahr 7100 Euro aus. Und welchen Beitrag hat Rüttgers zu seiner Ordensritterrede geleistet? Krautscheid: „Der hat letzte Hand angelegt.”

Ob Linzenich wegen mangelnder Diskretion um seinen Job bei der Staatskanzlei bangen muss, ließ Krautscheid offen: „Darüber wird man reden müssen. Ich weiß aber nicht, ob man so kleinlich sein muss.” Die CDU-Regierungsfraktion fand die hartnäckigen Nachfragen der Opposition gar nicht lustig. Deren Abgeordneter Michael Solf konterte mit Wilhelm Busch: „Wer immer nur mit den Augen des Argwohns schaut, der sieht Würmer selbst im Sauerkraut.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert