Blasser Mitschnitt, mieser Ton, seltsame Auswahl

Von: Bernd Büttgens
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Farbenfrohe Momente: Es gab sie in Hülle und Fülle bei der AKV-Sitzung. In der TV-Fassung kamen sie viel zu kurz. Foto: Michael Jaspers

Aachen. So schnell kann die Euphorie eines Bühnenabends der Ernüchterung durch den darauffolgenden TV-Mitschnitt weichen. Alte Weisheit: Live im Saal ist nun mal anders als staubtrocken vor der Mattscheibe.

Augenzeugen und Aktive der Ordensverleihung an FDP-Chef Christian Lindner im Aachener Eurogress am Samstag konnten dem 105-minütigen Zusammenschnitt in der ARD am Montagabend wenig Erbauliches abgewinnen. Tatsächlich war es ein fader Aufguss des närrischen Festakts.

Wieso kommt der Aachener Karneval im Fernsehen so wenig mitreißend ins Wohnzimmer? Der Reiz des Abends, Politiker einmal von ihrer mehr oder weniger gut ausgeprägten fröhlichen Seite zu erleben, kommt im Saal – auf reichlich Distanz zur Bühne – besser an als in der Nahaufnahme vor dem Fernseher. Da fällt auf, wie schwer es manch schwarzem Anzug fällt, ein wenig fröhlich zu schillern.

Die Fernsehsitzung lebt von der politischen Prominenz, sie leidet aber auch darunter. Zumal die wahren Größen seit Jahren nicht mehr kommen. Nicht leicht also, das richtige Maß zu finden. Eins müsste aber klar sein: Wer schon im Saal durchfällt, hat in der Fernsehversion nichts verloren. Adios, Dietmar Nietan, und noch viel lauter: adieu, Günther Oettinger!

Schon der Start in den TV-Abend ist schwer: Im Saal ging der leidlich auswendig gelernte Dialog zwischen Friedrich Merz und Philipp zu Guttenberg noch als Aufwärmnummer durch, im Fernsehen zog er die Show tief unter Wasser. Wer denkt sich so etwas aus?

Apropos unter Wasser. So klang auch der Fernsehton. Topqualität im HD-Zeitalter geht ganz anders; keine Atmosphäre, ein Stimmungskiller. Die externen Zugnummern, Profis wie Cantz, Lück, Knör und Appelt, funktionieren im Saal wie auf der Mattscheibe. Der Rest ist Politik (ob witzig oder nicht, egal) und der immer gleiche Schwenk auf die wenigen Prominenten in den Reihen. Mehr Farbe, Show und Emotion aus dem Live-Programm hätte der TV-Variante gut getan. Es war ja alles da!

Dem AKV hätte es geholfen, das wiedermal gezeichnete Bild vom reservierten Aachener Politkarneval zu korrigieren. Und der WDR, in Heeresstärke angerückt, hätte einmal unter Beweis stellen können, dass er sich nicht nur beim Karneval aus Köln Mühe gibt.

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