Bei „Bella Italia” glänzt „Os Oche”

Von: Verena Kettenhofen
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Lokalkolorit
Lokalkolorit mit viel Humor und Charme: Oberbürgermeister Jürgen Linden machte den Anfang. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Vermutlich hätte Horst Wollgarten die 1500 Gäste im Aachener Eurogress gar nicht um den „kräftigen Applaus” für den neuen Ordensritter des Aachener Karnevalsvereins (AKV) bitten müssen. Doch der Präsident des AKV und Moderator der Ordenssitzung „Wider den tierischen Ernst” wollte wohl auf Nummer sicher gehen. Doch dies war wahrlich nicht nötig.

Denn der beliebte deutsche Schauspieler mit italienischen Wurzeln hatte die Herzen der Aachener bereits erobert, als er bei der Eröffnung der Ordenssitzung als italienischer Tenor auf die Bühne kam und voller Inbrunst „Funiculi funicula” schmetterte.

Spätestens da war klar: Der AKV hat mit Adorf einen echten Glücksgriff getan; und so war es nicht verwunderlich, dass Adorf lautstark vom Publikum bejubelt wurde.

Auch das Motto der Show „Bella Italia” schien angesichts eingängiger Bilder wie Trattoria, Piazza und Vespa recht dankbar, weil sie einen Hauch von Urlaubsstimmung verbreiteten. Dazu kamen die bekannten Melodien aus dem südeuropäischen Land, die allerdings leicht abgewandelt mit Öcher Texten versehen worden waren. Leider ist das Motto nicht stringent durchgezogen worden, doch gewisse karnevalistische Traditionen lassen sich nur schwer in einen italienischen Abend übersetzen.

Statt „Bella Italia” gab es dann „Os Oche”: Denn die Akteure verstanden es, Lokalkolorit mit viel Humor und Charme zu verbinden. Den Anfang machte dabei etwas unverhofft Oberbürgermeister Jürgen Linden. Der fragte nämlich bei seiner Rede, warum eigentlich noch nie bei der Ordenssitzung die „Öcher Nationalhymne” gesungen worden wäre.

Und dann schnappte sich Jürgen Linden den designierten Ordensritter, gab dem „Kapellmeister” kurz ein Zeichen und stimmte „Vür sönd allemoele Oecher Jonge” an. Und 1500 begeisterte Zuschauer sangen lautstark mit.

Besser hätte die Vorlage für den nächsten Programmpunkt nicht sein können: Denn die „Vier Amigos” gaben ihrerseits Lieder zum Besten, die die Zuschauer gleich mitsangen. Dankenswerter Weise wurde der Text der Refrains auf großen Monitoren eingeblendet. Immerhin, das hatte Jürgen Linden Mario Adorf bereits erklärt: „Öcher Platt ist die schönste Sprache der Welt. Aber es ist auch eine schwere Sprache.”

Ob auch der WDR diese Sprache vesteht, wird sich am Montagabend zeigen. Dann wird die Sitzung in der ARD übertragen. Allerdings in gekürzter Fassung und wie viel dann noch von den Mundart-Programmpunkten übrig bleibt, ist noch offen. Denn was dem Aachener viel Freude bereitet, könnte im Rest von Deutschland eher auf Unverständnis stoßen.

Was sicher zu bedauern wäre, weil die Aachener Mundart-Gruppen wie Josef, Jupp und Jüppchen allesamt sehr gut waren. Das „Aachener Dreigestirn”, wie Wollgarten das Trio nannte, kam gleich nach den „Vier Amigos” auf die Bühne und zeigte eine Show in altbewährter Manier. „Immer wieder gut”, war der allgemeine Tenor des Publikums - genau wie der Auftritt von Dirk von Pezold als Lennet Kann.

Dass Bekanntes durchaus gut sein kann, bewies auch der Ordensritter selbst. Als Mario Adorf nämlich nach der Laudatio von Gloria Fürstin von Thurn und Taxis auf die Bühne kam, um seine Rede zu halten, stieg der 78-Jährige tatsächlich in die gute alte Bütt. Und dort riss er einen Witz nach dem anderen - und die waren nicht immer neu, aber Adorf hatte genau das richtige Zeitgefühl, um die Pointen stimmungsvoll zu platzieren.

Das Publikum jedenfalls tobte und zollte dem Schauspieler mit „Mario-Mario”-Rufen seine höchste Anerkennung. Horst Wollgarten hätte wirklich nicht um den Applaus bitten müssen. Den bekam Mario Adorf nämlich ganz von allein.
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