AKV-Sitzung ohne Minister: „Es fehlt doch nur ein Redner”

Von: Oliver Schmetz, Matthias Hinrichs und Thorsten Karbach
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Ein Platz im Narrenkäfig zu vergeben: Noch ist nicht klar, wer als Knappe den Orden stellvertretend entgegennimmt. Montage: Günter Herfs

Aachen. In der Haut von Werner Pfeil möchte Markus Bongers nicht stecken. Den Prinzengarden-Kommandanten hat die Absage des Ordensritters Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nicht überrascht. Sehr schade findet er es trotzdem, vor allem für AKV-Präsident Pfeil. „Es war abzusehen, aber für ihn tut es mir besonders leid”, sagt Bongers.

Nun ist er gespannt, wen er mit der Garde auf der Bühne an Guttenbergs Stelle begrüßen kann. „Irgendein Vertreter aus dem Verteidigungsministerium wäre nicht im Sinne der Sache”, sagt er.

Problematische Personalie

Unter Aachens Karnevalisten ist das Bedauern über die Absage groß, Häme gibt es für den Aachener Karnevalsverein keine. Der aktuelle Vorstand habe diesen Ritter nicht ausgewählt, heißt es - und damit auch nicht die Probleme, die die Personalie dem Verein aufgeladen hat. „Ich wünsche dem AKV von Herzen, dass er trotzdem eine gute Sitzung auf die Bühne bringt. Ich hatte mich auf zu Guttenberg gefreut, kann die Absage aber verstehen”, sagt Penn-Kommandant Jürgen Brammertz.

„Es ist nachvollziehbar, dass er sich nicht auf eine Bühne stellen kann, um sich als Ordensritter feiern zu lassen. Aber für den AKV ist das traurig”, erklärt Wilm Lürken, Vorsitzender des Ausschusses Aachener Karneval. Er sagt aber auch: „Die Absage darf uns nicht daran hindern, Karneval zu feiern.” Das meint auch Prinz Alwin I. Fiebus. „Es ist immer schade, wenn der Ordensritter nicht vor Ort ist - ob ich Prinz bin oder ein anderer. Aber ich habe mich lange vor der Wahl zu Guttenbergs entschieden, Prinz zu werden, und für mich zählt, dass ich mit meinem Hofstaat und den Öchern weiter Karneval feiere”, sagt die Tollität.

Mitleid hält sich in Grenzen

In den Reihen der Politik hält sich das Mitleid dagegen vielfach in Grenzen. Harald Baal, CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat, betont allerdings: „Für den AKV und für die Stadt ist die Absage in jedem Fall bedauerlich, denn der Minister wäre ein Garant für hohe Aufmerksamkeit gewesen.” Andererseits sei ein unterhaltsamer karnevalistischer Abend im Eurogress damit ja keineswegs ausgeschlossen. „Wir müssen uns jetzt halt überraschen lassen, wer den Orden in Empfang nehmen wird.” Die Entscheidung sei durchaus nachvollziehbar.

Selber schuld, urteilt dagegen Ratsherr Andreas Müller (Die Linke): „Der AKV hätte wissen müssen, dass das in die Hose geht. Das war von vornherein eine schlechte Idee.” Er hoffe nun, „dass der AKV wenigstens daraus lernt und künftig Preisträger auswählt, über die wir alle lachen können”.

Hart ins Gericht geht mit den AKV-Obernarren auch Hermann Josef Pilgram (Grüne): „Die Leere des Ordensverleihungskonzepts wird nun auch sinnlich erfahrbar”, kommentiert er die Absage aus dem Verteidigungsministerium. Und der SPD-Fraktionschef Heiner Höfken wertet die aktuelle Entwicklung als Quittung für eine von Beginn an „schlechte Entscheidung” des AKV: „Als man zu Guttenberg ausgewählt hat in dem ungebremsten Streben, etwas ganz Besonderes zu bekommen, hat man einen dicken Fehler gemacht.” Für den Ablauf der Sitzung sei das aber nicht so schlimm, meint Höfken: „Es fehlt doch nur ein Redner.”

FDP-Ratsfrau Sigrid Moselage hat dagegen „von Anfang an nicht verstanden, warum zu Guttenberg den Orden überhaupt angenommen hat”. Nun habe der Minister „in letzter Minute die Reißleine gezogen”. Das sei zwar schade für den AKV, aber der sei die Misere ja letztendlich auch selber schuld: „Ein bisschen liegt das ja auch an der Auswahl des Ordensritters...”

Da widerspricht auch Karl Heinz Otten, Vorsitzender des Vereins Aachener Friedenspreis, der Liberalen nicht: „Wir haben immer gesagt, dass Herr Guttenberg bei der Mehrheit der Aachener sowieso nicht willkommen ist”, sagt er. „Natürlich sind wir nicht so vermessen anzunehmen, dass unser Protest Einfluss auf seine Entscheidung genommen hätte.” Die geplante Mahnwache vor der Preisverleihung werde allerdings, wie angekündigt, in jedem Fall stattfinden. „Denn wir haben immer gesagt, dass es um die Sache geht - nämlich die Ablehnung des Militäreinsatzes in Afghanistan -, und nicht um Personen.”
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