Aachen - AKKs Frauenpower mischt den AKV gehörig auf

AKKs Frauenpower mischt den AKV gehörig auf

Von: Amien Idries
Letzte Aktualisierung:
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Aachens neue Ritterin: Annegret Kramp-Karrenbauer hat am Samstag den Orden wider den tierischen Ernst erhalten. Foto: dpa

Aachen. Obgleich die ritterliche Frauenquote des Abends kurz vor der Ordensverleihung wegen der überraschenden Ritterwürde für Freiherr Philipp zu Guttenberg von 100 auf 50 Prozent runterknallte, stand der Abend im Aachener Eurogress ganz im Zeichen der Frauenpower.

Der Bruder des Plagiat-Guttenbergs nahm die Ehre ohne große Dankesworte entgegen, erntete herzlichen Applaus und verschwand wieder von der Bühne. Nichts sollte an diesem Abend den Eindruck von den Frauen stören, die die AKV-Bühne beherrschten, weswegen er sich gerne „ins zweite Glied gestellt“ habe.

Männliches Aufmucken wäre ihm an diesem Abend vermutlich auch schlecht bekommen. Das wurde spätestens bei der Rede der Ritterin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) klar. Die zu Beginn fast schüchtern wirkende saarländische Ministerpräsidentin, kurz AKK, hielt ein fast schon programmatisches Plädoyer für mehr Frauen nicht nur, aber auch im Aachener Karneval. „Fünf aus 66. Hallo geht‘s noch?“, fragte die 66. 

Ordensritterin und erst fünfte Frau, die vom Aachener Karnevalsverein (AKV) für Humor und Menschlichkeit im Amt ausgezeichnet wurde. Den nur aus Männern bestehenden AKV-Elferrat bezeichnete der „Zungenbrecher auf zwei Beinen“ als die „personifizierte Nullquote“, um unter dem johlenden Applaus der anwesenden Frauen nachzuschieben: „Willst Du einen Mann was schlauer, gib ihm etwas Frauenpower.“

Klöckner lobt „visionäre Tat“

So gesehen, war Christian Lindner wohl selten schlauer als am Samstagabend im Aachener Eurogress. Dem Vorjahresritter hatte der AKV nämlich eine ganze Riege an Frauenpower an die Seite gestellt. Der „politische Quotenmann“ schlug sich bei seiner Laudatio dennoch gut. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der FDP-Bundesvorsitzende im Verlauf des Abends wohl jeden erdenkbaren FDP-Witz über sich hatte ergehen lassen müssen.

Lindner überzeugte mit männlicher FDP-Selbstironie und stichelte gegen die in der „Venusfalle steckende“ CDU. „Koch, Wulff, Merz kamen so auf diese Weise auf Merkels Männer-Abstell-Gleise“, sagte Lindner und mutmaßte über mögliche Merkel-Nachfolgerinnen bei den Christdemokraten.

Zu denen zählt Lindner neben AKK und Ursula von der Leyen auch Julia Klöckner, die ihr Bütt-Debüt in Aachen gab. Die karnevalserprobte CDU-Frau aus Rheinland-Pfalz bezeichnete ihre Parteifreundin als Frau mit Witz und lobte ironisch den AKV für seine „visionäre Tat“, endlich mal wieder eine Frau auszuzeichnen. Eventuell war der Auftritt Klöckners ja als Bewerbungsrede zu verstehen, denn auch Kramp-Karrenbauers AKV-Karriere begann 2013 mit einer Büttenrede. Vielleicht wird Klöckner 2017 die Nummer sechs aus 68.

Eine Ehre, auf die Sahra Wagenknecht wohl etwas länger warten dürfte. Die Linke-Politikerin hatte als Prinzessin Leia aus „Star Wars“ den schwersten Stand in der politischen Frauenphallanx, auch weil sie die Sitzung eröffnen musste. Ihre Steuer- und Rentenkritik wollte vor dem gediegenen AKV-Publikum nicht so recht zünden, und so erhielt die „rote Prinzessin“ den meisten Applaus, als sie anmerkte, einige im Saal würden sie wohl gerne in eine andere Galaxie beamen.

Selbst für die Zoten waren an diesem Abend die Frauen zuständig. Bettina Böttinger, die einen schwachen Auftritt ablieferte, präsentierte eine Umfrage, nach der 90 Prozent aller Männer sich einen Seitensprung mit Sahra Wagenknecht vorstellen könnten, aber nur zehn Prozent, dass die Linke das Land regiert. Bei Angela Merkel sei es genau umgekehrt. Die Schenkelklopfer bei den Herren im Saal waren garantiert.

Solide lieferten die TV-Comedians Ingo Appelt und Markus Maria Profitlich ihre bewährte Komik ab. Appelt hatte den Saal mit bissiger Kritik an Erdogan und Putin sofort im Griff und Profitlich setzte als Kaiser Karl auf die sichere Witzetrias Bahnstreik, Berliner Großflughafen und Lothar Matthäus, „der einzige, der auf dem Standesamt die Payback-Karte zückt“.

Eine ebensolche Bank waren die 4 Amigos aus Aachen, die mit ihren Songs die Zuschauer einmal mehr von den Sitzen rissen. Auch Et Zweijestirn aus Erkelenz konnte musikalisch mit Spottliedern auf Hoeneß, Wesselsky und Merkel punkten. Für Lacher sorgte der Bauchredner Tricky Nicki, der kurzerhand zwei Zuschauer zu seinen Puppen umfunktionierte. Das Moderatorentrio mit AKV-Präsident Werner Pfeil und seinem Vize Rolf Gerrards sowie Tagesschau-Sprecher Jens Riewa agierte gewohnt charmant und zurückhaltend.

Spannungsbogen reißt ab

An ihnen lag es nicht, dass es in dem Programm auch deutliche Längen gab. Eher war dafür die Dauer der Veranstaltung verantwortlich, die mit knapp 240 Minuten eine Dreiviertelstunde länger währte als ursprünglich geplant. Hinzu kamen technische Pannen sowie ein teilweise abreißender Spannungsbogen.

Comedian Lisa Feller war mit ihrem 50er-Jahre-Hausfrauencharme ein Totalausfall, und Kabarettist Oliver Tissot war dem Publikum mit seinem Vorschlag, die Bude abzufackeln, um Medienaufmerksamkeit zu erhalten, wohl doch etwas zu anarchisch und erntet sogar vereinzelte Buhrufe. Der aus Aachen stammende Malte Pieper hatte hingegen Schwierigkeiten, mit seinen guten Witzen durchzudringen, weil die Regie ihn unmittelbar nach den 4 Amigos platziert hatte, von denen das Publikum noch ganz berauscht war.

So mussten die Zuschauer einiges an Sitzfleisch beweisen, bevor mit der Auszeichnung Kramp-Karrenbauers der Höhepunkt der Veranstaltung endlich erreicht war. Schade eigentlich, denn die Nachricht, die von Aachen und seiner neuen Ordensritterin ausging, hätte eine zügigere und frischere Inszenierung verdient: Weg mit dem Verstaubten, Immergleichen, her mit der Frauenpower. Oder mit den Worten von AKK: „Karneval ist eines der vielen Macho-Reservate, die für Frauen aber in greifbarer Nähe liegen.“

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