Wolfgang Stumph: Ein Leben nach Stubbe

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Wolfgang Stumph: Ein Leben nach Stubbe

Von: Amien Idries
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Kinder liegen ihm am Herzen: Seit 2000 engagiert sich Stumph für das UN-Kinderhilfswerk Unicef. Foto: dpa
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Sensibler, optimistischer Melancholiker: So sieht Wolfgang Stumph sich selbst. Foto: stock/Spöttel Picture
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„Go Trabi Go Forever“: Wolfgang Stumph bei der Premiere des Dokumentarfilms. Foto: dpa

Nein, natürlich kann ein Text über Wolfgang Stumph nicht ohne den Hinweis auf „Go Trabi Go“ auskommen. Diesen Kinofilm, der die Wendezeit thematisierte und bereits ein halbes Jahr nach der Wiedervereinigung zum ersten gesamtdeutschen Kinoerfolg wurde.

Dieses Roadmovie über die Familie Struutz aus Bitterfeld, die sich mit dem Trabi auf Goethes Spuren Richtung Italien aufmacht und dabei weder an Ost-West-Klischees noch an Zoten spart. Der Film, der dieses neue Deutschland zumindest im Humor zusammenwachsen ließ und der den ersten gesamtdeutschen Star aus dem Osten hervorbrachte. Nein, nicht den titelgebenden Trabanten, sondern natürlich Stumph, diesen im besten Sinne des Wortes Volksschauspieler aus Dresden.

Mit „Go Trabi Go“ ging‘s los

Genauso wenig, wie man „Go Trabi Go“ also verschweigen darf, sollte man dem Film mit Blick auf Stumph allzu viel Beachtung schenken. Denn der hat sich längst von den Trabi-Filmen (1992 erschien noch „Go Trabi Go 2“) emanzipiert. „Salto Postale“, die Sitcom über ein Postamt im fiktiven brandenburgischen Dorf Niederbörnicke, die darauf folgende Weiterentwicklung „Salto Kommunale“ und nicht zuletzt die ZDF-Krimi-Reihe „Stubbe – Von Fall zu Fall“ machen Stumph zum Star.

Eine durchaus nicht vorhersehbare Entwicklung für Stumph, der am 31. Januar 1946 im polnischen Radkow geboren wird. Der kleine Wolfgang kommt mit seiner Mutter nach Dresden, wächst dort ohne Vater auf. Die ersten Nachkriegsjahre sind zwar geprägt von Armut, seine Jugend beschreibt Stumph aber durchaus als positiv. Vielleicht der Grund, warum er sich selbst als einen sensiblen, optimistischen Melancholiker bezeichnet. Er entwickelt sich in der Jugend zum „Klassenclown“ mit dem Drang zum Entertainment. Bevor er diesem allerdings endlich nachgeben kann, absolviert er in der DDR eine Lehre zum Kesselbauer und ein Studium der Ingenieurpädagogik.

Anfang der 80er Jahre siegt dann das Schauspielergen. Auf der Bühne des Dresdener Kabaretts „Die Herkuleskeule“ entwickelt er seine Paraderolle des kleinen Mannes aus Sachsen, der es versteht, mit einfachen Sätzen Systemkritik zu transportieren. Eine Rolle, die er im DDR-Fernsehen verfeinert, wo er Ende der 80er Jahre an der Seite des Showmasters Gunther Emmerlich als nervender „Stumpi“ die Zuschauer begeisterte.

Das ist wohl eine der Konstanten im Schauspieler- und Kabarettistenleben des Wolfgang Stumph: Er versteht es, authentisch den kleinen Mann von der Straße zu spielen. Einen mit alltäglichen Sorgen und Nöten, der aber eine Haltung und das Herz am rechten Fleck hat. Und vermutlich ist hier der Star von seinen Charakteren nicht allzu weit entfernt. Denn genau das zeichnet auch Stumph aus: Engagement und Haltung. Der zweifache Vater setzt sich schon seit Jahren für ein Kinderheim im sächsischen Volkersdorf und einen Dresdner Förderkreis für krebskranke Kinder ein. Außerdem ist er Kuratoriumsmitglied der Dresdner Kinderhilfe und seit 2000 ehrenamtlicher Mitarbeiter von Unicef-Deutschland.

Und so wundert es nicht, dass unter den vielen Preisen, die Stumph erhalten hat (Telestar, Goldene Henne, Bayerischer Fernsehpreis) auch solche sind, die ihn für sein gesellschaftliches Engagement ehren. Erst im November erhielt er den Annemarie-Renger-Preis des Arbeiter-Samariter-Bundes für „sein herausragendes ehrenamtliches Engagement“. Zu diesem gehört es auch, Stellung zu beziehen. Auch und gerade als Dresdener. Als Einwohner einer Stadt also, in der seit rund einem Jahr jeden Montag Menschen auf die Straße gehen und gegen die angebliche Islamisierung des Abendlandes demonstrieren. Stumph demonstriert gegen „Pegida“, auch weil er seine Stadt gegen die Vereinnahmung durch Fremdenfeinde verteidigen will. „Mir tut es richtig weh, wenn ich sehe, welches Bild meine Heimatstadt da abgibt“, sagte er vor kurzem in einem Fernsehinterview. Er, der in den Nachkriegswirren groß wurde und vier Jahrzehnte in einem undemokratischen Staat gelebt hat, ist demütig und dankbar angesichts eines Lebens im sicheren und demokratischen Deutschland: „Wir haben die Pflicht, Menschen zu helfen, die in Gefahr sind, diese Humanität müssen wir uns erhalten“, so sein deutlicher Appell.

Der 70. steht an

Ende Januar wird er 70. Eine Zahl, vor der er keinen allzu großen Respekt hat. Den Stubbe, den er fast 20 Jahre an der Seite seiner Tochter Stephanie gespielt hat, hat er 2014 an den Nagel gehängt, weil er das Pferd, das ihn so lange getragen hat „nicht totreiten“ wollte. An ein Ende seiner Bildschirm-Karriere denkt er aber noch lange nicht. Die freigewordene Kraft nutzt er, um Herzensprojekte umzusetzen. So wie im August 2015. 25 Jahre nach den Dreharbeiten zu dem Film, der ihn deutschlandweit bekanntmachte, begibt sich Stumph auf Spurensuche. Das Ergebnis: der Dokumentarfilm „Go Trabi Go For-ever“. So ganz hat ihn der Trabi halt nie losgelassen.

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