Ulla Symens: Das Ehrenamt hat keine Saison

Von: Christoph Pauli
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Die 62-Jährige engagiert sich seit Jahrzehnten in der Nachwuchsarbeit, mit großer Unterstützung der Familie. Foto: Wolfgang Birkenstock
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Ein Leben ohne Sport wäre vielleicht möglich, aber für sie sinnlos. Sie spielt immer noch, bevorzugt im Doppel. Foto: Christoph Pauli

Geilenkrichen. Auf der Terrasse ihres Hauses hört man das Ploppen. Im Sommer tritt das akustische Phänomen noch intensiver auf. Plopp. Häufig wird es unterlegt mit Schreien, manchmal Flüchen, manchmal Jubel. Ulla Symens kennt das, und sie mag das. Sie wohnt in Geilenkirchen nur einen Ballwurf entfernt vom Tennisverein Rot-Weiß. Hier ploppen die Bälle seit 1970, und Symens gehörte mit zu den Gründungsmitgliedern.

Die inzwischen erwachsenen Kinder von Ulla Symens, Christiane und Michael, entdeckten dort ihre Leidenschaft für den Sport. Ihr Mann Egbert ist seit vielen Jahren Klub-Vorsitzender. Die komplette Familie ist tennisbegeistert, aber vermutlich ist die Liebe zum Tennis bei Ulla Symens am ausgeprägtesten.

Die 62-Jährige engagiert sich seit Jahrzehnten in der Nachwuchsarbeit, mit großer Unterstützung der Familie. Es sei nahezu ein Fulltime-Job. Das Ehrenamt hat keine Saison. Deshalb erhält Ulla Symens den Egidius-Braun-Preis des Jahres 2016.

Die Jungen am Ball halten

Die eigenen sportlichen Ambitionen sind eingeschränkt. In beiden Knien sind die Kreuzbänder gerissen. Sie weiß nicht einmal, bei welcher Gelegenheit die Dinger auseinanderflogen. Operiert wurden die Bänder nie mehr. Um die Gelenke zu stabilisieren, hat sie eisern Muskeln antrainiert. Ein Leben ohne Sport wäre vielleicht möglich, aber für sie sinnlos. Sie spielt immer noch, bevorzugt im Doppel. Teamgeist ist ihr wichtig.

Die Sportart macht gerade positive Schlagzeilen, weil Angelique Kerber ein paar der bedeutendsten Turniere dieser Welt gewonnen hat und zur Sportlerin des Jahres ausgerufen wurde. Ein Boom in Sportarten wird immer durch große Vorbilder ausgelöst. Damals, als der Siegeszug von Steffi Graf, Boris Becker und Michael Stich zum Run auf die Klubs führte, war Tennis noch eine elitäre Veranstaltung. Die Vereine hatten Wartelisten, fragten nach Bürgen und Aufnahmegebühr. Geschichten aus einer anderen Zeit, als TV-Spiele noch Straßenfeger waren.

Der Tennissport kommt schon lange nicht mehr snobistisch daher, er hat sich zum Breitensport entwickelt. Aber er wird nicht sonderlich von den Kerber-Erfolgen profitieren, befürchtet Ulla Symens. Er konkurriert mit vielen Angeboten. „Für die Jugendlichen heute gibt es einen Supermarkt mit unfassbar vielen Freizeit-Angeboten.“ Die jungen Menschen probieren es aus, aber häufig bleiben sie nicht lange am Ball, weil die nächste Verlockung wartet. Und manchmal hat auch der Dachverband schräge Ideen, der gerade den Turnierspielern noch ein Turnierteilnahmeentgelt abknöpfen will. Solche Sachen ärgern Symens.

Vielleicht ist den jungen Menschen auch ein bisschen die Spielfreude abhandengekommen, weil der Ernst des Lebens sie in den Schulen schnell ergriffen hat. Im Schulsystem kennt sich Ulla Symens aus. Sie ist ausgebildete Lehrerin in den Fächern Französisch und Sport. Zur großen beruflichen Karriere hat es nicht gereicht, es gab immer nur befristete Verträge an unterschiedlichen Schulen. „Es war leider die Zeit, als Referendare nicht automatisch übernommen wurden.“

Es geht um Teamgeist

Die Pädagogin resignierte nicht, Wissen und Werte lassen sich auch anderes vermitteln. Schon Mitte der 80er Jahre gab sie den ersten Kindern Tennisunterricht. Es geht nicht nur darum, Volleys und Stoppbälle einzuüben. „Es geht auch um Teamgeist und soziales Verhalten“, sagt sie. Die Einzelsportart ist kein Treffpunkt für Egoisten. Solche Leute, die sich ganzheitlich engagieren, sind gefragt.

Schnell wurde sie zur Kreisjugendwartin befördert. Seit 2003 ist Symens Jugendwartin im Tennisbezirk Aachen-Düren-Heinsberg. Ein Glücksfall. „Sich zu engagieren, ist ein gesellschaftlicher Auftrag in einer Zeit, in der die Egoismen immer größer werden. Uns geht es gut, ich kann mir das zeitlich leisten. Ich teile gerne meine Leidenschaft mit anderen.“

Sie reist über die Tennisfelder der Region, sichtet, organisiert Turniere, ist aber manchmal auch Freundin, Zuhörerin und Ratgeberin. „Es geht nicht so sehr um den sportlichen Erfolg. Vielmehr macht es stolz, wenn man junge Menschen über einen Zeitraum begleiten darf und sieht, wie sie sich entwickeln.“ Sie trainiert immer noch mit einer Freundin die Kleinsten im Geilenkirchener Verein. Diese Montagstermine sind ihr wichtig.

Ulla Symens hat erst später gelernt, auch mal Nein zu sagen, wenn ihr wieder ein Ehrenamt angetragen wurde. Dabei klebt sie nicht an solchen Aufgaben. Sie macht den Job leidenschaftlich, aber sie könnte die Ämter auch abgeben und hätte genug Zeit für ihre anderen Hobbys. Aber häufig, wenn Abstimmungen anstehen, Vorschläge erwünscht wird, gehen die Blicke nach unten. Die Bereitschaft, sich zu engagieren, ist nicht so ausgeprägt.

Ulla Symens ist dann da. Zu helfen ist keine Last, findet dieser fröhliche Mensch und packt weiter an.

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