Toni Schuhmacher: Einen Stein ins Wasser geworfen

Von: Roman Sobierajski
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1977 feierte die Torwart-Legende mit dem 1. FC Köln den Gewinn des DFB-Pokal. Foto: imago/Sven Simon
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Den „Geißböcken“ ist der 62-Jährige treu geblieben. Heute ist er als Vizepräsident fest im Vereinsleben integriert. Foto: EP_JSE
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Der ehemalige DFB-Präsident Egidius Braun hat mit Schuhmacher einen bekannten Taufpaten der Mexiko-Hilfe. Beide pflegen ein enges Verhältnis. Foto: imago

Toni Schumacher war in den bislang 62 Jahren seines Lebens fast alles. Einer, der im Gespräch nie das offene Wort gescheut hat. Einer, der für „seinen FC“ und die Nationalmannschaft über viele Jahre der sichere Rückhalt war.

Einer, der schwarze Schlagzeilen schrieb, als er bei der Weltmeisterschaft 1982 ruppig den Franzosen Patrick Battiston schwer verletzte und noch mehr für Aufruhr sorgte, als er in seinem Buch „Anpfiff“, das für seine eigene Karriere zum Abpfiff wurde, unter anderem Dopingpraktiken in der Bundesliga enthüllte.

„Das war ja offiziell kein Thema damals, und ich bin rausgeschmissen worden aus der Nationalmannschaft“, erinnert sich der 62-Jährige heute, und ein leicht amüsierter Unterton schwingt mit. „Aber Egidius Braun hat dafür gesorgt, dass ich doch noch mein Abschiedsspiel bekommen habe.“

Doch Schumacher hat eine viel lebendigere Verbindung zum ehemaligen DFB-Präsidenten als nur die Erinnerung an verklärte gemeinsame Tage in der Vergangenheit. Die beiden unterschiedlichen Männer verbindet eine Brücke, die bis in die Gegenwart reicht. „Egidius Braun war in Mexiko DFB-Delegationsleiter und hat uns gesagt, wir wollen viel mitnehmen – am besten den WM-Pokal. Aber wir müssten auch etwas hierlassen.“

Den Titel, den haben bekanntlich die Argentinier mitgenommen, aber die Deutschen haben tatsächlich etwas Bleibendes hinterlassen. Kölns Torwart-Legende und heutiger Vizepräsident war einer der „Taufpaten“ für die von Braun ins Leben gerufene Mexiko-Hilfe. „Als Profifußballer hat man immer ein wenig Scheuklappen auf“, sieht Schumacher den damaligen Bewusstseinszustand heute durchaus kritisch.

„Aber Egidius Braun hat uns damals die Augen geöffnet. Er hat unser Verständnis dafür geschärft, dass wir, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen, auch etwas tun können und müssen für die, denen es nicht so rosig geht. Wenn man gesehen hat, wie Babys in Apfelsinenkisten schlafen mussten, vergisst man diesen Anblick nie.“

Der heute 90-jährige Braun „hat einen Stein ins Wasser geworfen“, sagt Toni Schumacher, „und es ist eine riesige Welle daraus entstanden.“ Eine Welle, die auch heute noch Bestand hat: „Drei Jahrzehnte, das ist ein Zeitraum, den wir damals als junge Fußballer noch gar nicht überblicken konnten“, sagt Schumacher, der sich für die Mexiko-Hilfe heute immer noch ebenso engagiert wie die früheren Kollegen aus der Nationalmannschaft, Rudi Völler, Thomas Berthold oder Hans-Peter Briegel.

Nimmt man soziales Engagement ernst, dauert es halt etwas länger, als die Scheinwerfer brennen und die Kameraobjektive auf einen gerichtet sind, um etwas zu bewegen. „Egidius hat immer das Menschliche in den Mittelpunkt gestellt. Er war damit unser Vorbild.“

Ein Vorbild, das auch in den Reihen des 1. FC Köln gelebt wird mit seiner FC-Stiftung, die sich für sozial Benachteiligte in Köln ebenso engagiert wie für Behinderte und alte Menschen, für alle, die nicht nur in hektischen Zeiten wie heute allzu schnell aus dem Blickfeld geraten. Förderung von Toleranz, Integration, Bildung und Gewaltprävention sind Teil der (gelebten) Stiftungsziele.

Die Stoßrichtung fasst die Textzeile aus der FC-Hymne zusammen: „Mer stonn zo Dir.“ So begleiteten beim Aktionstag rund um das Heimspiel gegen den FC Augsburg ungewöhnliche „Ballkinder“ die Profis auf den Platz. Mitverantwortlich für die Stiftung ist auch Toni Schumacher in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Fußball-Bundesligisten. Doch nicht nur in der eigenen Stadt bringt sich Schumacher, 30 Jahre nach Mexiko nun selbst Fußball-Funktionär, ein.

„Es ist mir eine Ehre, mich für die Egidius-Braun-Stiftung zu engagieren und mich als Schirmherr zur Verfügung zu stellen“, sagt der gebürtige Dürener. Manchmal reicht es schon aus, wenn ein Einzelner sich hinstellt und einen Stein ins Wasser wirft.

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