Eicherscheid - Sportler des Jahres: Wolfgang Braun wechselt ins Rampenlicht

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Sportler des Jahres: Wolfgang Braun wechselt ins Rampenlicht

Von: Christoph Classen
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Sportler des Jahres: Wolfgang Braun wechselt vom Windschatten ins Rampenlicht. Foto: Heiner Schepp
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Sportler des Jahres: Wolfgang Braun wechselt vom Windschatten ins Rampenlicht. Foto: Heiner Schepp

Eicherscheid. Wolfgang Braun hatte noch mal geklärt, wie das werden sollte mit ihm und den Jugendlichen, die er bald betreuen sollte. Er war deswegen kurz bei einem Bekannten gewesen, sie hatten über alles gesprochen, und am Ende hatte Braun zugesagt.

Er wird mit der Gruppe laufen gehen, junge Menschen zwischen 9 und 16, er will ihnen dies und das vermitteln, Tipps zur Technik, Anleitung zu mehr Ausdauer und vor allem: Spaß am Sport. Geht es ums Laufen, dann gibt es nur wenige, die das glaubhafter rüberbringen können. Braun ist ein ganz guter Botschafter.

Es war ein schönes Gespräch, das Braun da geführt hatte, aber als er dann nach Hause kam und seine Frau Marion sah, da wusste er, dass er etwas verpasst hatte. Marion Braun sagte nicht „Hallo“, sie fragte nicht „Wie war’s?“, sie stand da und grinste ihn an. Das ging so eine ganze Weile, bis Marion Braun dann von diesem Anruf erzählte, nach dem sie wusste, dass sie als Sportlerin der Jahres ausgezeichnet wird und er als Sportler des Jahres. Dann war es Wolfgang Braun, der erstmal nichts sagte. Er nahm seine Frau in den Arm. „Wir haben uns ein bisschen gedreht“, sagt er. Und auch wenn die Schritte deutlich weniger routiniert waren als die auf der Laufstrecke, dürfte die Darbietung am Ende als Freudentänzchen durchgegangen sein.

Braun, 61, Ultraläufer aus Simmerath-Eicherscheid, ist im September bei der Weltmeisterschaft über 100 Kilometer in Winschoten an den Start gegangen. Als er die Distanz absolviert hatte, gab es niemanden in seiner Altersklasse, der schneller war. Braun brauchte 8:07:42 Stunden, er war Weltmeister geworden. Und was diesen Triumph so groß machte, war, dass seine Frau ebenfalls gewonnen hatte. Auch sie war Weltmeisterin geworden, über 100 Kilometer, in ihrer Altersklasse.

Seit die Brauns laufen, laufen sie zusammen, sie machen das jetzt seit 22 Jahren. Es gibt eine Menge Menschen, die diesen Sport betreiben, aber nur wenige treten auf den Distanzen an, wie die Brauns sie bewältigen. Die Szene im Ultralauf ist einigermaßen überschaubar, und weil die Strecken so lang sind, dass andere keine Lust darauf hätten, sie mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, gelten die Sportler in der Außenwahrnehmung schnell als Verrückte. Okay, sagt Braun: „Das stimmt ein bisschen.“ Er sagt aber auch, dass Ultraläufer vor allem ganz normale Menschen seien. Menschen, die ihren Sport lieben. Und Braun freut sich, dass er genau das in den vergangenen Wochen vielen zeigen konnte.

Deswegen sei es bereits toll gewesen, nur schon für die Sportlerwahl nominiert zu sein. Marion und Wolfgang sind von Menschen, die sie nicht kannten, darauf angesprochen worden. Auf dem Weihnachtsmarkt, beim Augenarzt. „Ihr kennt mich nicht, aber ich habe für Euch gestimmt“, so oder so ähnlich begannen die Gespräche. Am Ende hatten die Brauns sich gut unterhalten, erklären können, was das Ultralaufen faszinierend macht und dass ihr Leben nicht nur aus Training und Wettkampf besteht, lange Distanzen hin oder her. Braun sagt: „Das Schöne ist, dass die Leute interessiert sind, uns als Menschen kennenzulernen.“

Ein paar Medaillen mehr

Die Brauns haben es so wahrgenommen, dass ihr Bekanntheitsgrad durch die Nominierung für die Sportlerwahl schon größer geworden ist, für Wolfgang Braun gilt das noch ein bisschen mehr als für Marion Braun. Was vor allem daran liegt, dass sie von unterschiedlichen Punkten gestartet sind.

Marion Braun hat ein paar Medaillen und Pokale mehr gesammelt als ihr Mann, sie ist bislang allein sieben Mal für das 100-Kilometer-Nationalteam gelaufen. Wolfgang Braun sagt: „Meine Frau ist die Bekanntere.“ Es sei bereits vorgekommen, dass sie von anderen Sportlern angesprochen wurde, die detailliert Marion Brauns Erfolge auflisten konnten. Wolfgang Braun wurde dann irgendwann gefragt, ob er denn auch laufe. Ein Problem ist das für ihn nicht, er lacht, wenn er diese Geschichte erzählt. Und er sagt: „Ich war immer ein bisschen im Sog meiner Frau unterwegs.“ Dann kam Winschoten, auch Wolfgang Braun wurde Weltmeister. Jetzt kommt die Sportlerwahl, auch Wolfgang Braun steht auf der Bühne. Man kann sagen, dass er damit aus dem Windschatten seiner Frau herausgelaufen ist. Sie sind gemeinsam ins Ziel gekommen.

Eine schöne Erfahrung, die er an seine neue Laufgruppe weitergeben kann. Ab Januar wollen sie trainieren. Braun sagt: „Man muss vor allem aufpassen, dass sie nicht zu viel laufen wollen.“ Das von ihm zu hören, ist dann ein bisschen lustig.

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