Powervolleys Düren: Am Ende lächelt der Finne

Von: Guido Jansen
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Die SWD Powervolleys haben sich zum Spitzenteam entwickelt und sind zur Weihnachtspause Vierter der Bundesliga. Der Abstand auf den Fünften ist deutlich, der zum Zweiten alles andere als das. Foto: Guido Jansen
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Dürens Aufschwung hat viel zu tun mit einem Finnen namens Tommi Tiilikainen. Der ist heute 29 Jahre alt, wie sein Vorgänger der jüngste Trainer der Liga und hatte seine Volleyball-Karriere verletzungsbedingt beenden müssen, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Foto: Guido Jansen

Düren. Fast alles, was sich die Verantwortlichen des Volleyball-Bundesligisten SWD Powervolleys Düren am Anfang des Jahres für die neue Saison vorgenommen hatten, hat nicht geklappt. Der Trainer war weg, obwohl der Verein ihm ein Angebot zur Vertragsverlängerung gemacht hatte.

Anton Brams – der jüngste Coach der Bundesliga – hat es nach seiner ersten Saison als Cheftrainer bevorzugt, nur noch für seine Firma zu arbeiten, die Sportanalyse-Programme entwickelt. Alle Spieler, denen Düren ein Angebot gemacht hatte, im Sommer an die Rur zu wechseln, sagten ab.

Die Großen der Liga, vor allem Frankfurt und Friedrichshafen, haben junge deutsche Volleyballer für sich entdeckt. Düren war für sie plötzlich nicht mehr die attraktivste Option. Und dann entschieden sich mit Matthias Pompe und Sebastian Gevert zwei Säulen des Teams dazu, Düren zu verlassen.

Plan B ist besser als Plan A

„Wir standen am Ende der vergangenen Saison plötzlich bei Null“, beschreibt der sportliche Leiter Goswin Caro die Situation im März. Und das, obwohl die Mannschaft im Januar erst im Viertelfinale des Europapokals nach zwei 1:3-Niederlagen gegen das italienische Superstarensemble aus Perugia ausgeschieden war. So weit war Düren international schon lange nicht mehr gekommen. In der Liga war ebenfalls im Viertelfinale Endstation, das Ergebnis war irgendwie das, das sie erwartet hatten.

Heute liegt die Mannschaft weit über den Erwartungen. Die SWD Powervolleys sind ein Spitzenteam, sind zur Weihnachtspause Vierter. Der Abstand auf den Fünften ist deutlich, der zum Zweiten alles andere als das. Angesichts einer Mannschaft, die in den vergangenen Wochen und Monaten mutmaßlich das attraktivste Volleyball gespielt hat, das die Fans in Düren in den vergangenen Jahren gesehen haben, von einem Plan B zu sprechen, erscheint unangemessen.

Aber genau das ist der Fall, eben weil im Frühjahr wenig funktioniert hat. Heute wissen Goswin Caro, Gesellschafter Erich Peterhoff und Geschäftsführer Rüdiger Hein, dass kein Plan A hätte besser funktionieren können. „Ich habe sowas von Spaß, wenn ich die Mannschaft beim Training oder im Spiel sehe“, spricht Caro ein Bekenntnis aus und wirft dabei die nüchterne Betrachtungsweise des Volleyball-Experten einfach mal über Bord.

Das hat zu tun mit einem Finnen namens Tommi Tiilikainen. Der ist heute 29 Jahre alt, wie sein Vorgänger der jüngste Trainer der Liga und hatte seine Volleyball-Karriere verletzungsbedingt beenden müssen, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Mit Anfang 20 war er Trainer geworden. In Finnland, in einer Liga, die mit der deutschen durchaus mithalten kann, wurde Tiilikainen mit Kokkolan Tiikerit, einem Team, das er in seinem ersten Jahr vor dem Abstieg gerettet hatte, drei Mal Meister in vier Jahren.

Am Morgen nach der dritten Meisterfeier gab er den Powervolleys am Telefon das Ja-Wort. Und eine Woche später erzählte er in Düren, wie er sich die Zukunft vorstellt. „Für mich ist Charakter wichtiger als Können“, sagte er. Spieler, die ihre Möglichkeiten immer voll ausreizen, seien ihm lieber als solche, die nicht immer das obere Ende ihres hohen Potenzials erreichen. Tiilikainen sprach für Dürener Verhältnisse ungewöhnlich viel mit beim Aufbau des neuen Teams. „Alle anderen Trainer haben das nicht so genutzt. Tommi hat es dagegen eingefordert“, berichtet Caro.

Mit Tiilikainen ist ein für Dürener Verhältnisse ungewöhnlich altes Team entstanden. Alt ist relativ, elf der zwölf Spieler sind zwischen 26 und 31 Jahre alt, Nummer zwölf ist 20. „Wir haben viele Jungs, die international erfahren sind. Für mich ist wichtig, dass jeder trotzdem motiviert ist, etwas Neues zu lernen“, sagte Tiilikainen zum Trainingsauftakt Anfang August. Das klingt, als seien die Worte frisch durch die Gebetsmühle des Sports gedreht. Aber sie passen.

Michael Andrei und Tim Broshog, Riesen von 2,10 und 2,05 Metern, sind als gestandene deutsche Nationalspieler nach Düren gekommen. In den vergangenen fünf Monaten haben sie so viele neue Angriffsvarianten und Laufwege gelernt wie nie. „Das steckt einfach in diesem Team drin. Wir probieren ständig irgendwas im Training aus. Einige Sachen davon bringen wir dann auch im Spiel“, sagt Tiilikainen. Denkverbote gibt es nicht.

Vorbereitung auf das Finale

Die Powervolleys ziehen nicht nur das schnellste Angriffsspiel der Liga auf, sondern sie haben sich auch in Sachen Abwehr den Ruf als Gummiwand erarbeitet. Und sie sind das Team in der Bundesliga, das vom Saisonstart bis jetzt die größte Entwicklung genommen hat. Wo soll das noch enden?

Tiilikainen lächelt, bevor er die Frage beantwortet. „Wir bereiten uns jeden Tag darauf vor, das Finale zu spielen. Bis dahin werden wir jeden Tag besser.“ Genau das hat er schon im August gesagt und ungläubiges Lächeln als Reaktion erhalten. Heute sagt er den Satz immer noch. Aber nun lächelt niemand mehr ungläubig. Und deswegen lächelt Tommi Tiilikainen.

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